KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1925
- Issue
- Heft 3 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 48 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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48 * streiten. Mit dem gleichen Recht bestreitet man das Recht des Katholiken auf den Peterspsen-nig ebenso wie das Recht der Hingabe von Geldern zu übernationalen Fonds oder man bestreitet dem Spender das Recht, vaterländisch zu denken und zu fühlen. Cs kommt nicht aus diese oder jene. Entschließung, diesen oder jenen Zeitungsartikel an, sondern aus die Menschen, aus das allgemeine, grundsätzliche Erziehung, Erlebnis und Charakter formen kaum eine Seite des Menschen stärker als seine Beziehung zu Politik und Staat. Darum muß jede Gliederung im Naumannschen Sinne an den Menschen scheitern. -Cs gibt nun einmal nicht eingeborene Rationaldeutsche oder nationaljüdische Juden, gäbe es sie, so hätten die Völkischen recht. Aber auch als Idee, als abstraktes Gebilde ist die Gedankenwelt der „nationaldeütschen Juden" fern von der Idee des K.C., dem das Judentum mehr sein soll als eine vielleicht lästig empfundene Abstammungsgemeinschaft. Wir haben es bisher nicht als eine Ehre angesehen, wenn man uns sagte: »Wenn doch alle Juden so wären wie sie", sondern wir haben uns bemüht, in solchen Fällen zu beweisen, daß das was man den andern Juden nachsagt, nicht sein Judentum ist. Diese Gefühle sind dem Verband Peysers fern und darum ist er innerlich haltlos, denn seine Idee ist eine Negation, ein völliger Mangel an Zusammenhang zwischen Deutschtum und Judentum. Vergeblich suchen wir bei Peyser den Nachweis, was letzten Endes Judentum für den nationaldeütschen Juden ist, vergeblich suchen wir in allen Reden und Schriften, was letzten Endes von dem Verbände verteidigt wird, außer der kleinen eigenen Persönlichkeit. Solange aber dieses fehlt, muß in der praktischen Politik hin- und hergetappt werden, müsseü Fehler auftreten, die Peyser als Kinderkrankheiten ablehnt und empfindet, wie Marx sie geißelt und solange muß daher der Verband eine Gefahr für das deutsche Judentum fein, das sich feiner Pflichten gegen die deutsche Kultur bewußt ist, und so lange ist er darum sein Gegner und der Gedankenwelt des K. C. fremd. Steige jeder zu den „Quellen", nicht nur zu Peysers Streitschrift, hinab und er wird mir beipflichten. Marx wird ihm aus diesem Weg ein guter Wegweiser sein. H.Berlak. Der Kleine Vrockhaus. Handbuch des Wissens. Subskriptionspreis: jede Lieferung 1,90, vollst. in Leinen 21—, in Halbfranz M. 28,—. In der letzten Nr. haben wir das Erscheinen dieses Werkes angezeigt, von dem inzwischen schon 6 Lieferungen vorliogen. Ausstattung und Amfang lehnt sich an die bekannten französischen Vorbilder, wie z. V. Larousse, an und ist in seiner Art eine wertvolle Bereicherung der deutschen Kompendienliteratur. Student und Politik. Ein Vortrag von Otto Landsberg. Verlag I. H. W. Dich' Nachf., Berlin. Preis 0,30 M. Der bekannte sozialdemokratische Verlag übergibt mit dieser Schrift einen Vortrag von Otto Landsberg der Oeffentlichkeit, der gerade iir einer Zeit, in der die einseitige Politisierung des Studenten überhandzugewinnen droht, größte Beachtung verdient, soweit die Schrift beim. Thema bleibt. Leider beschränkt sich Landsberg nicht hierauf, sondern versucht auch seine politische Ausfaffung zu begründen. Hierzu reicht aber der Raum naturgemäß nicht aus. Die Wirtschaftshilfe der deutschen Studentenschaft 1923—1925. Verlag Quelle & Meyer, Leipzig. Der Geschäftsbericht ist mehr als eine trockene Zahlenzusammenstellung, er ist ein Aeberblick über traurigstes Studentenelend, ei>n Blick auf die, die im Schatten wandeln. Wer die Soziologie des Studenten kennen lernen will, muß auch einmal zu diesem Buche greifen, auf dessen eingehende Würdigung wir hier leider verzichten müssen. Erlebnisse und Erfahrungen Heidelberger Werkstudenten. Verlag I. Hörning, Heidelberg, '3,—. Sprechen aus dem Bericht der Wirtschaftshilfe Zahlen, so reden hier die Menschen selbst. Dieses Buch muß gelesen werden und jeder denkt wieder an die traurigen Tage zurück, da einer auch unserer Kartellbrüder nach dem andern zum Nebenerwerb griff, bis die Not ihn zwang, das Studium zur Erholung werden zu lasten. Chajim Bloch, Kabalistische Sagen. Im Verlag der Aria Masor, Leipzig 1925. Die Berücksichtigung des Irrationalen hat sich heute auch in der jüdischen Religionswissenschaft durchgesetzt, und man geht, nachdem man ursprünglich im Entdeckerrausch verweilte, die Irrungen und Wirrungen der modernen mystischen Denkweise in die Schriften der jüdischen Kabbalisten hineinzulesen, an ein uttbefan<xene3, quellenmäßiges Studium der Vertreter jüdischer Mystik und ihrer Lehrer. Einer der größten und der volkstümlichsten zugleich ist Isaak Leerja (Aschkenasi), der im Volke als der „Ari", der Löwe lebt, und der ob seines tragischen Geschicks — er starb im Alter von noch nicht vierzig Jahren an der Pest — zum Mittelpunkt seiner reich wuchernden Legendenbildung geworden ist. Bloch hat mit Sorgfalt und Geschmack das wirklich nicht leichte Werk vollbracht, aus verstreuten und oft entstellten Quellen die Sagen über den Ari zu sammeln, und er bietet sie in einer flüssigen, schönen Aebersetzung dem deutschen Publikum zur Lektüre. Das Büchlein, das Vorbemerkung, Nachbemerkungen und Worterklärungen auch zu einer wissenschaftlich bemerkenswerten Erscheinung stempeln, gibt einerseits einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der Mystik im Judentum, und er beleuchtet auch ein recht dunkles Gebiet der Volkspsychologie mit Hellem Scheine. Der junge, aufstrebende Verlag Asia Major, den der bekannte Sinologe Dr. Bruno Schindler leitet, hat dem Büchlein ein so anmutiges und gediegenes äußeres Gewand gegeben, daß es geradezu eine Freude ist, es zur Hand zu nehmen. F. G. Mendale Moicher Sfurim (Schulem Iaankew Abramowitsch) Die Möhre. Fünfter Band der gesammelten Werke. Autorisierte Aebersetzung aus dem Jüdischen von Salomo Birnbaum.' 1924. Jüdischer Verlag, Berlin. Der erste Band („Schloimale") ist in diesen Blättern ausführlich gewürdigt worden. Das uneingeschränkte Lob, das sowohl dem großen Dichter und seinem Werke wie auch der Ausgabe gilt, kann angesichts des weiter erschienenen Bandes nur wiederholt werden. Meyer Anschel Rothschild, der Gründer des Rotfchildschen Bankhauses. Von Christian Wilhelm Berghoeffer. Dritte Auslage, wohlfeile Volksausgabe. 1924. Im Verlag von Cnglert & Schlosser in Frankfurt a. Main. Im Jahre 1922 erschien diese erste wissenschaftliche Biographie Rothschilds, die sich von allem Anekdotischen fernhielt und das vorhandene Material über den Gründer des Bankhauses und seine Familie musterhaft verarbeitete. In kürzer Zeit war die ganze Auflage vergriffen, ein Beweis, wie sehr sie die Aufmerksamkeit der Wissenschaft und des Publikums fand. Die neue Auflage hat manches allzuwissenschaftliche Material fortfallen lassen, und sie kann im Hinblick auf den interessanten Stil wirklich als ein Volksbuch bezeichnet werden. Verantwortlicher Redakteur: Df. Hermann Verlas. Berlin. — Verlag: Phila-Verlag Berlin <53868, Lindcnstraße 13. Druck: D. Feilchenfeld. Berlin SW 68