KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 1-3 (Januar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 versität geben die nachfolgenden statistischen Erhebungen Ausschluß, die der „Deutschösterreichischen. Tageszeitung" entnommen sind und dieser von btt Rektoratskanzlei der Wiener Universität übermittelt worden sind: Im. Wintersemester 1921/22 entfielen auf eine Gesamtzahl von 11873 Hörer 3848 Juden. Unter den Inländern zählte man 1579 Juden auf 7153, unter den Ausländern 2269 Juden auf 4720 Hörer. Im Sommersemester 1922 betrug die Zahl der jüdischen Hörer 3416 unter 9858, also mehr als ein volles Drittel, jene der inländischen 1451 unter 6009, also rund 20 Prozent, jene der ausländischen 1965 unter 3849, also rund 50 Prozent. Das Hauptkontingent an jüdischen Hörern aus dem Auslande stellte im abgelaufenen Sommersemester die polnische Republik, 860 unter 903. Dann folgte Rumänien mit 356 unter 455. Sehr hoch war auch der Prozentsatz jüdischer Hörer aus Ungarn, 124 unter 169, am höchsten aus Rußland, 24 unter 30, Litauen und Lettland 23 unter 24. Hierzu sei bemerkt, daß in diesen Zahlen — abgesehen vom Antisemitismus in Ungarn und Polen — lediglich die Tatsache zum Ausdrucke kommt, daß die Juden des ehemaligen Österreich eben deutsch waren. In Lemberg, Krakau und sonstigen slavischen Universitäten zu studieren ist ihnen schon der Sprache wegen nicht möglich. Ei« Protest der Deutschen Wissenschaft gegen Frankreich. Die Bonner Hochschulen (die Universität Bonn und die Landwirtscha't'iche Hochschule Bonn-Poppelsdorf) sandten wegen der französischen Rheinlandpläne an die bedeutendsten ausländischen Universitäten mit Ausnahme Frankreichs eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Deutschland will sich der ihm auferlegten Verpflichtung, die verwüsteten Gebiete Frankreichs wieder auszubauen, nicht entziehen, aber wir verwahren uns dagegen, daß finanzielle Forderungen an das Deutsche Reich befriedigt werden sollen durch das Opfer deutscher Seelen. Insbesondere verwahren wir uns dagegen, daß die Wissenschaft der rheinischen Hochschulen, die nur durch den freien Zustrom von Lehrern und Schülern aus allen Gegenden des Reiches blühend und groß geworden sind, durch Abtrennung von ihrem Mutterboden an der Wurzel getroffen werden. Wir, als die berufenen Vertreter deutscher Wissenschaft am Rhein, richten an die Hochschulen der Welt die dringende Bitte, die öffentliche Meinung und die Negierungen ihres Landes vor den Folgen neuer Gewaltpolitik zu warnen. Wer dem deutscher Volk den Rhein nimmt, der schlägt ihm' eine Wunde die niemals verheilen wird. Wer der Welt einen ehrlichen Frieden schenken will, der nicht nur auf dir vergängliche Macht der Bajonette gestützt ist, der hüt« sich, mitten im Herzen Europas einen neuen Heck von Brand und Gefahren zu schaffen. Oxford-Aufenthalt deutscher Studenten. Durch di, Presse ging letzthin die aus der französischen und englischen Hetzpresse übernommene Meldung, daß der Oxforder Rektor sich in einer öffentlichen Rede in scharfer Worten gegen die von der Oxforder Studentenschaft ausgehende Einladung deutscher Studenten nach Oxfork gewandt habe. Hierzu ist festzustellen, daß es sich be diesem Oxforder Rektor nicht etwa um den Rektor bei Universität handelt, sondern um den Pfarrer eine: Oxforder Stadtkirche, der mit der Universität ir keinerlei Verbindung steht und der lediglich in seiner Eigenschaft als ältester Geistlicher die Bezeichnung „Rektor" führt. Die Stimmung an der Universität Oxford ist dem geplanten Besuch durchaus günstig Bei einer Abstimmung in der University Union Haber sich von 248 Vertretern .174 für die Einladung deutscher Studenten nach Oxford ausgesprochen. Trotzdem hält man. wie wir vom Auslandsamt der Deutscher Studentenschaft erfahren, deutscherseits die Zeit für einen Englandbesuch deutscher Studenten nicht für gekommen. Die Zahl der Ausländer an de« einzelnen Nrriv ersttäte« im S.-S. 1922: Universität Zahl der Ausländer Ges.- Zahl der Stud. %. Universität Zahl der Ausländer . Ges.- Zahl der Stud. % Berlin . . 1639 12606 13 Jena. . . 197 2762 7,l Bonn. . . 164 4280 3,8 Kiel . . . 151 1973 7,1 Breslau. . 99 3728 2,7 Köln . . . 98 4407 2,S Erlangen . 41 1882 2,2 Königsberg 108 1910 5,1 Frankfurt . 402 4422 9.9 Leipzig . . 636 5531 11,5 Freiburg . 208 3667 5,7 Marburg . 110 2489 4,4 Gießen . . 84 1853 <5 München . 574 9072 6,! Göttingen. 172 3353 5,1 Münster. . 23 2763 0,k Greifswald 62 1333 4,7 Rostock . . 52 1316 4 Halle. . . 247 3279 7,6 Tübingen . 171 3180 5,] Hamburg . 138 3903 3,5 Würzburg. 127 3390 3,1 Heidelberg. 249 3046 8 9 °r~ Insgesamt: 5752 86144 6,1 Ls fö Bücher- und Blätterfcbau. fö Ls Des Raummangels wegen kann nur in aller Kürze auf einige wichtige eingegangene Neuerscheinungen hingewiesen werden. Brnchmüller, Das deutsche Studententum von seinen Anfängen bis zur Gegenwart. (Aus Natur und Geisteswelt, 477. Band) Verlag B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1922. — Trotz offenkundiger Sympathie für den antisemitisch-völkischen Standpunkt der nationalen Verbände ein nicht von vornherein abzulehnendes Hilfsmittel für Akademiker und Nichtakademiker zum Verständnis des deutschen Studentenwesens. Unsere Bewegung mit ihren Ideen wird mit auffälliger Flüchtigkeit abgetan, unser Verband ist nicht einmal erwähnt. Inden in der deutschen Literat«». Essays über zeitgenössische Schrift,leller. Herausgegeben von Gustav Kroianski 1922, Welt-Verlag, Berlin. — Eine Samml. ng von Analysen des Wirkens deutscher Dichter jüdischer Abstammung! Aufsäge von verschiedenem Wert« aber alle packend und interessant. Wenngleich zum Teile von national jüdischen Anschauungen stark beeinflußt, legen sie alle — bewußt oder unbewußt — Zeugnis ab für die innerliche Einfühlung der jüdischer Dichter in den deutschen Geist. Genauere Besprechung bleibt Vorbehalten. Göttinger Musenalmanach auf 1923. Herausgegeber von Börries, Freiherr von Münchhausen Hochschulverlag G. m. b. H. Göttingen. — Eine vorzügliche Sammlung deutscher Dichtung, die aus der Kreisen der Studentenschaft stammt. Positiv als Kunstwerke wertvoll geben die Gedichte tiefen Einblick in die Empsindungswelt des jungen Akademikers von heute. Das Vorwort des Herausgebers ist als Bettrag zur Zeitgeschichte besonders beachtlich.