KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1923
- Issue
- Januar - Februar - März 1923
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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einer möglichen politischen Restauration an die Wand, um eine „verfrühte" Stellungnahme zu verhüten: denn gerade dieser Gedanke, der nicht gerade sehr mutig ist, sollte es uns aus Vernunftgründen als angebracht erscheinen lassen, entweder das bestehende zu stützen oder bei seiner Beseitigung mitzuarbeiten. Es handelt sich gewiß nicht um eine Politisierung des K.C. in dem Sinn, daß politische Kämpfe und Streitereien in das Verbindungsleben hineingetragen und der Convent damit angefüllt werden soll, sondern es muß das politische Bekenntnis des K.C. die feste Grundlage bilden, auf der die einzelne Korporation ihre Arbeit aufzubauen hat. Nicht nur die Lage der deutschen Juden sollte uns zu einer solchen Stellungnahme veranlassen, sondern auch eine Betrachtung der Verhältnisse innerhalb der deutschen Studentenschaft drängt uns die Erkenntnis auf, daß der K. C. sich nicht neutralisieren kann, wenn um ihn herum fast alle studentischen Verbände ein festes politisches Programm haben. Denn es kann im Ernst doch wohl nicht bezweifelt werden, daß gerade die großen Verbände bis aufs innerste politisiert sind, ja daß sie noch mehr den festen Rückgrat für bestimmte politische Richtungen bilden. Mit dieser Feststellung kommen wir auch zu der Beantwortung der aufgeworfenen Frage, welche politische Stellung der K.C. einnehmen soll. Es wird in den Reihen des K. C. wohl kaum Widerspruch Hervorrufen, wenn diese Frage ihre Beantwortung dahin findet, daß der K. C. sich auf den Boden der heutigen Staatsform stellen müsse. Doch ist die Beantwortung der Frage in dieser Formulierung nicht ganz frei von Unklarheiten. Man könnte folgern, daß man sich hiermit mit den jeweils gegebenen Tatsachen abfinden wolle und daß die Bejahung der heutigen Staatsform in dieser Weise letzten Endes nichts anderes sei als ein Übersichergehenlassen des augenblicklich vorhandenen Zustandes. Eine solche Einstellung wäre aber nicht nur ein wenig unehrlich, sondern sie wäre in Wirklichkeit gar kein politisches Bekenntnis, sondern nur der Versuch, unter Ablehnung eines solchen sich der gegenwärtigen politischen Lage anzupassen. Diese Stellungnahme schlösse sogar nicht aus, daß man heimlich im Innern eine Änderung des bestehenden Zustandes erstrebte. Ein Blick auf die Korporationen in ihrer Mehrzahl, insbesondere die großen Verbände, sollte uns eines besseren belehren. Sie, die es vor dem Krieg zum größten Teil abgelehnt haben, sich politisch einzustellen, sind heute, wie gesagt, bis auf die Knochen politisiert und die stärkste Stütze aller gegen die Republik gerichteten Bewegungen. Gerade dieser Umstand hat den großen Verbänden - trotz aller durch die Zeitverhältnisse bedingten Schwierigkeiten zu einer gewissen Blüte verholfen, die, darüber müssen wir uns klar sein, nicht nur eine zahlenmäßige ist, sondern sich auch in einer merklichen geistigen Belebung gegenüber der Vorkriegszeit ausspricht. Gerade die umgekehrte Erscheinung können wir beim K.C. beobachten. Auch hier zunächst ein zahlenmäßiges Anschwellen, auch hier kann man den Versuch feststellen, neue geistige Bewegung, gerade auch durch eine gewisse „Politisierung", in den Verband hineinzutragen, aber, man muß es offen aussprechen, diesen Versuchen blieb im wesentlichen ein Erfolg versagt und mau muß von ernem die Zukunft des Verbandes und sein geistiges Leben auf's schwerste bedrohenden Stillstand in dieser Hinsicht sprechen. Wenn wir uns die Frage vorlegen, wie es hierzu kam und so vor allem Me Versuche, dem K. C. irgend eine eigene geistige Note zu geben, mißlangen, so wird man die Antwort darin finden, daß wrr den Mut zur Folgerichtigkeit nicht aufbrachten. Wir schielten zu sehr nach rechts und links, wollten nirgendwo anstoßen und konnten uns ganz besonders von dem in der Vorkriegszeit vielleicht verständlichen Gedanken nicht frei machen, daß wir als studentische Korporation Rücksicht auf die bei den anderen Korporationen üblichen Anschauungen zu nehmen hätten. Diese Korporationen waren unpolitisch, also mußten wir es auch sein, sie huldigten einer allen Neuerungen abholden Weltanschauung, deswegen taten es die feudalen K. C.-Korporationen aüch, -sie lehnten jede Gemeinschaft mit niederen Ständen, besonders der Arbeiterschaft ab, so auch der schneidige K.C.er, jene veranstalten „unpolitische" Kundgebungen in denen der heutige Staat geschmäht wird, die K. C.-Korporation muß sich daran beteiligen, sie sind' antirepublikanisch-aber ich will diesen Schluß nicht ziehen. Jedenfalls scheint mir, daß, gerade wie die Dinge heute liegen, jede Rücksichtnahme auf die genannten Kreise fortfallen muß. Der Gesichtspunkt, der allein den K. C. bei der Frage nach politischer Stellungnahme leiten darf ist der: Wie ist das Bestehen und das Glück des deutschen Vaterlandes am ehesten und besten gewährleistet? Die Antwort wird für den, der wie der K. C.er meint, daß die Gleichberechtigung und die Wirksamkeit der deutschen Juden dem Vaterlande nicht zum Nachteil gereiche, sondern ihm dienlich sei, nicht schwer sein; er wird alle Bestrebungen ablehnen müssen, die zur angeblichen Rettung Deutschlands eine Vernichtung oder zum mindesten Beeinträchtigung der Rechte der deutschen Juden herbeizuführen versuchen. Wir müssen uns darüber klar sein, daß der Schnitt, der zwischen Freunden und Feinden des heutigen Staates sich hinzieht, sich fast völlig deckt mit dem, der zwischen blindwütigen Judengegnern und objektiven Beurteilern der Judenfrage sich erstreckt. Wir müssen ferner erkennen, daß eine geistige Gemeinschaft und ein Zusammengehörigkeitsgefühl nur mit denen in Frage kommt, denen nicht sinnloser Judenhaß die Augen blendet und die alles ablehnen, was von deutschen Juden kommt, jede Bereicherung deutschen Geisteslebens und deutscher Wissenschaft, nur weil sie von einem deutschen Juden ausgeht. Auf der anderen Seite aber finden wir Verständnis, finden wir gleiche Einstellung zu geistigen Problemen, mit einem Wort wir fühlen, daß ein einigendes Band uns umschlingt. Diese Kreise aber sind es, die die deutsche Republik stützen, die ihr die geistige Grundlage schaffen und ihr die besten Repräsentanten stellen. Der K.C. wird auf ihrer Seite seinen Kampf für die Gleichberechtigung der deutschen Juden, der letzten Endes ein Kampf für das gleiche Recht ist, dem auch die deutsche Republik dient, auszufechten haben. Darum dürfen wir nicht zaudern, uns offen und freudig zu ihnen zu bekennen und klar und deutlich auszusprechen, daß der K.C. der deutschen Sache in der deutschen Republik dient. Verdandsnacbrildten. Tharingi«, Bre-la». Laut Konventsbeschluß ist allen Thüringen der Verkehr mit Herrn Herbert Cohn verboten. Den Kbr. Kbr. wird anempfohlen, den Verkehr mit ihm ebenfalls einzustellen. Bavaria, Heidelberg. Wir fochten in diesem Semester 4 X Säbel s. 15'. An dieser Stelle teilen wir allen K.V. K.V. mit, daß sie Herrn I. Andursky jeglichen Waffenschutz verweigern möchten. Ltadriva^ Darmstadt. Wir veranstalteten im Winter-Semester Pauktagc gegen die Freie schlagende