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KC-Blätter · 1922-10-01 · Heft 10-12 (Oktober 1922) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1922
Issue
Heft 10-12 (Oktober 1922)
Date
1922-10-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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82 Es ist fein Borwurf, wenn man feststellt, daß im Durchschnitt — vorhandene Ausnahmen sind gewiß um so mehr zu rühmen — der Werkstudent von heute diesen Bedingungen nicht entspricht, nicht entsprechen kann! Ihm fehlen leider Mittel, Zeit und Sorglosigkeit. Von den wenigen, die zu uns kommen könnten, wird überdies ein nicht unerheblicher Teil uns noch dadurch entzogen, daß mißverstandene Ideen der deutschen Jugendbewegung sie erfüllen. Daß in der deutsch gerichteten jüdischen Jugend in ungewöhnlich zäher Weise mit allen Mitteln gegen den Eintritt in den K. C. und gegen seine Methoden gekämpft wird, ist kein Geheimnis mehr. Man verwechselt dort die Ausdrucksform der Jdeeen mit den Jdeeen selber und schädigt das deutsche Judentum, indem man jene ablehnt. Mit dem Problem und den Menschen uns polemisch iu befassen, haben wir hier keinen Anlaß. Nur darauf sei hingcwiesen, daß die Judenheit als schwache angegriffene Minorität sich den Luxus eine Auflösung in individualistisch gesinnte Splitter, deren Gesinnung oft an Eigenbrödelei grenzt, nicht leisten kann. Die ihr natürliche Form der Organisation ist der verbindungsartige Zusammenschluß, der unbedingte Unterordnung und straffe Disziplin ebenso erheischt wie das Beschränken der individuellen Freiheit, sofern die Gesamtheit und die Ideen es erforderlich machen. Nichtdie sorgsame P.flege interessanter Individualität sondern der feste Zusammenschluß auf Gedeih und Verderb bringt uns Rettung! Und daß dieses Bewußtsein nur in kleinen Kreisen der jüdischen Jugend lebendig ist, daß darunter der K. C. und seine Idee leiden, sei hier lediglich als Tatsache festgestellt. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich auch aus der mangelnden Einsicht weiter Kreise des deutschen Judentums. Bei der Bekämpfung des Antisemitismus schauen sie nicht über den nächsten Tag hinaus, und gleich den schlechten Ärzten bekämpften sie nur Symptome. Sie übersehen, daß der Hauptherd des Judenhasses in der akademischen Jugend saß und sitzt und wollen nicht erkennen, daß die fruchtbarste Zukunftsarbeit geleistet wird, wenn alle Kraft auf die Bekämpfung des akademischen Antisemitismus gelegt wird. Sie führen in Zentralvereinsversammlungen das große Wort und lassen ihre Söhne überall aktiv werden, nur nicht im „agressiven" K. C. Sie jammern über den Judenhaß und helfen denen nicfit, die ihn an der Quelle bekämpfen. Sie reden von Selbstbewußtsein und offenem Kampfe und erregen sich über die „jüdische Couleur" und den „jüdischen, dreisten Angriffsgeist", der doch anerkanntermaßen den „Antisemitismus züchtet". Wir leiden alle unter diesem 'Geiste wie einst die alten Biadrinen unter ihm litten. Hätte mau damals die Sachlage besser erfaßt und die kleine Schar unterstützt, statt sie zu hindern und totzuschweigen, es stünde wahrlich besser um die Freiheit an den Hochschulen und im deutschen Volke, wohin das antisemitische Gift hauptsächlich von den Hochschulen geschleppt wurdet Noch ist es nicht zu spät! Verhallt aber auch jetzt unser Ruf ungehört, findet der K. C. nicht jetzt mehr Verständnis, mehr Unterstützung, so wird der hemmungslos wachsende Antisemitismus sich in kommenden Jahren noch zu ganz anderen Taten des Hasses auftaffen. Unser Kampf ist so unendlich schwer, weil wir noch immer mit Kurzsichtigkeit und Kleinlichkeit, mit Unverstand und Ablehnung in den eigenen Reihen kämpfen. Und dabei ist der K. C. jetzt so notwendig wie nie zuvor. Denn das Übel wächst von Stunde zu Stunde, und es ist nicht abzusehen, wann der schwache Damm dem ungestümen Ansturm der Wogen weicht, und der Antisemitismus alles überschwemmt. Von Deutschlands Universitäten ausgehend, schickt er sich an die Welt zu beherrschen! In dem zähen Kampfe um die Satisfaktion, um die Anerkennung des jüdischen Couleur steckt eben mehr, als man in nichtakademischen jüdischen Kreisen wahr haben will. ES» dreht sich dabei um nichts mehr und nichts weniger als die elementare Gleichberechtigung des jüdischen, akademischen Bürgers! Denn mit der Satisfaktionsverweigerung beginnt es, und mit bem„nume rus clausus" bött es auf! Was in Ungarn verwirklicht, in Wien, Warschaus Riga, Bukarest und anderswo gegenwärtig versucht wird, wovon man sogar im gepriesenen Lande der Freiheit, in Nordamerika spricht, ist auch das eigentliche Ziel der „völkischen" Heerscharen bei uns. Die Zahl der jüdischen Studenten soll auf dem Wege des Gesetzes auf ein Minimum herab gesetzt werden. Und logisch vorgehend sucht man zunächst unsere Stellung zu untergraben, unsere akademische Ehre zu rauben, um ungehindert unser Recht anzutasten. So ist die Satisfaktionsverweigerung, das Abstandnehmen von unseren Chargierten, die Beschimpfung unserer Couleur zu verstehen, und wäre man nicht so kurzsichtig in den Kreisen der Nichtakademiker, man würde erkennen, daß in der Satisfaktion und der Couleur nicht „überlebte Äußerlichkeiten" zu erblicken sind, sondern daß ihre Stelle im Kampfe um Ehre und Recht sie adelt. Mit der Verweigerung der Satisfaktion. — das muß immer wiederholt werden — beginnt es eben, die Rechtsbeschränkung auf den Universitäten — man vergleiche den schmachvollen, unverhüllt antisemitischen Hintergrund der Berfassungskämpfe — ist das zweite Stadium, der gewaltsame Ausschluß der Juden vom Studium durch den numerus clausus ist das ersehnte Ziel! Wir, und nur wir bekämpfen den Judenhaß aus der Universität mit energischer Tat, und darum müssen wir bleiben! Ob man in der jüdischen Welt unsere Arbeit anerkennt oder nicht, wir tragen unendliche Verantwortung, wir dürfen nicht weichen! Und da wir auf unsere schwache Kraft allein angewiesen sind, erwächst insbesondere für die alten K.C.er, die im Leben stehen, eine unendlich schwierige aber um so dringendere Aufgabe! Man trägt das Band des K.C. das ganze Leben hindurch, und in unserem Verband kann es kein Ausruhen geben, kein Zurückschauen auf fröhliche Studentenzeit im Bewußtsein, dem Treiben, den Pflichten enthoben zu sein. Wir alle bleiben aktiv unser Leben lang und müssen es gerade jetzt praktisch beweisen! Schon sind wir gezwungen gewesen, in manchen Städten die Waffen zu strecken. Unter dem Jubelgeheul der antisemitischen Meute zog sich die tapfere „Judencouleur" aus Mangel an Leuten in Greifswald, in Marburg zurück, und bedrohlich sind die Ansichten auch an anderen Universitäten. Dem kann nur dann ein Halt geboten werden, wenn seitens der Landesverbände wirklich gearbeitet wird! Ihre Aufgabe ist nicht nur, geselligen und fteundschaftlichen Zusammenhang unter den Berbandsbrüdern zu ererhalten, sondern auch für die Gewinnung des Nachwuchses zu sorgen! Kein Mulus dürfte zur Universität gehen, ohne vom K.C., seinem Wesen, seinem Ziele etwas zu wissen. Fast zweitausend K.C.er gibt es, in Hunderte von Orten zerstreut! Wollte doch leder wenigstens irr dem Sinne aktiv bleiben, daß er für seinen Verband, damit aber für die wahre Ehre seiner jüdischen Gemeinschaft, an dem Orte wirkt, wohin ihm

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