KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 10-12 (Oktober 1922)
- Date
- 1922-10-01
- Page
- Seite 81 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Monatsschrift der im Kartell-Eonvent vereinigten Korporationen- Die Zeitschrift erscheint jeden Monat. Bezugspreis halbjährl. 125 M. Einzelnummer 25 M. Bestellungen übernehmen der Verlag und die Kassenverwaltung. Jnseratenannahme durch den V. e r l a g. Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen wird eine Ermäßigung des Preises bewilligt. „Die Verbindungen im K. C. stehen auf dem Boden deutschvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den ilampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitglieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte, Kultur- und RechtSzemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen Volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen im K. C. keine Stellung. Der K. C. lehnt die Bestrebungen zur Lösung der deutschen Judenfrage außerhalb Deutschlands ab." 12. Jahrgang Oktober-November-vezemder 1922 l0.,n.u.ir.ke» Nachdruck unserer Aufsätze, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützten, unter Quellenangabe gestattet. 3ur &ea<bfungt Unter der Not der gesamten deutschen Presse leiden naturgemäß die K. C.-Blätter, das Organ eines Verbandes von geistigen Arbeiter«, mit am allerschwersten. Nur unter großen Opfern konnte die vorliegende Nummer erscheinen, freilich stark gekürzt und mit erheblicher Verspätung. Bedauerlicherweise mußte so mancher Beitrag, der eine Veröffentlichung verdient hätte, zurückgestellt werden, und in den Berichten der Verbände mußte viel, oft vielleicht nicht unwichtiges Material gestrichen werden. Die Redaktion macht anch an dieser Stelle darauf aufmerksam, daß dieses letzte Heft des Jahrgangs vielleicht das letzte Heft der K. C.-Blatter überhaupt gewesen sein wird, wenn nicht eine entschlossene Hilfsbereitschaft und großzügige Opferwilligkeit aller Berbandsbrüder ganz erhebliche Mittel anfbringt. Sturmzeichen. ^Bon vr. Felix Gold mann (Thur., Saxo-Bav.). Noch niemals war die Notwendigkeit des K. C. so unbestritten wie in unseren Tagen! Noch niemals waren aber auch die Schwierigkeiten fernes Kampfes so groß wie gerade jetzt! Die anormalen Zeitverhältnisse, unter denen wir leben, üben gewiß gewaltigen Einfluß auf das Korporationsleben überhaupt aus. Beim K. C. wirken sie doppelt, weil zu den allgemeinen Momenten noch solche kommen, die für das Judentum besonders charakteristisch sind. An die Kraft des K. C.ers und an fern Berantwortlichkeitsgefühl werden darum Ansprüche gestellt, denen nur ganz charakterfeste und ganz begeisterte Menschen zu genügen imstande sind. Alles leidet unter der Teuerung, dem Mangel an Mitteln! Der Wunsch, schnell zur Selbständigkeit und zum Verdienst zu kommen, das Unvermögen des Mittelstandes, die Kosten des Studiums zu tragen, treibt Tausende von Jünglingen, die für akademische Berufe geeignet wären, dem Handelsstande zu. Immer kleiner wird der Kreis, dem der K. C. seine Mitglieder entnehmen kann. Bon den wenigen aber, die da studieren, kämpft die Mehrzahl einen verzweifelten! Kampf um das tägliche Brot. Tagsüber sitzen die Werkstudenten in Kontor und Werkstatt, und erst wenn sie ermüdet von der Last des Berufs nach Hause eilen,- beginnt am Abend das ernste Studium des Faches. Verschwunden ist der alte Durchschnittsthpus des lebenslustigen Musensohns, der Zeit und damit Interesse hatte für die Probleme des akademischen Lebens, der sich einer idealen Aufgabe mit aller Kraft zu widmen bereit war. Auch der jüdische Durchschnittsstudent von heute ist von seinen persönlichen Sorgen so erfüllt, daß er die Leiden seiner Gemeinschaft nicht in ihrem vollen Druck verspürt. So leidet auch das Verbindungsleben nicht nur äußerlich unter der Teuerung. Daß Couleur und Kneipe schier unerschwingliche Summen verschlingen, daß der Schlägerfechtbetrieb in seiner heutigen Form mit seinen kostspieligen Reisen sich kaum mehr aufrecht erhalten läßt, ist weniger schlimm, als daß die Verbindungsstudenten nicht mehr die erforderliche Opferfreudigkeit und unbedingte Hingabe an die Sache zu entwickeln in der Lage sind. Die Verbindung muß den jungen Menschen ganz erfassen, ihr Leben muß ihm Herzenssache, ihr Kreis ihm Heimat, ihre Idee ihm Ideal sein, für das er die ganze Persönlichkeit selbstlos einsetzt. Das liegt im Wesen der Verbindung, ebenso wie die freiwillige Unterordnung, die den Jüngling freudig jede Aufgabe erfüllen läßt, sobald das Wohl des Bundes sie ihm zur Lösung anvertraut.