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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 10-12 · p. Seite 165

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Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 10-12
Date
1921-07-01
Page
Seite 165 (sequence 31)
Language
German
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Einen guten Überblick über die verschiedenen Schattierungen des Zionismus gibt das Buch von Dr. Abraham Schlesinger, Einführung in den Zionismus (1921, I, Kaufmann Verlag, Frankfurt a. M.). Ein jeder von uns,. der ja mit den Problemen des Nationaljudentums nur als historischen Erscheinungen rechnet, ohne daß er zu ihnen ein innerliches Verhältnis gewinnt, wird den Mangel an einem Buche empfunden haben, das furj Und klar die vielen Verzweigungen der Gedanken erfaßt und schildert. Das Büchlein von Holdheim und Preuß (Die theoretischen GruMagen des Zionismus) ist dürftig und auch von nationaljüdischer Seite ist es ungünstig besprochen worden. Das sonst vortreffliche Buch von Adolf »Böhm (Die zionistische Bewegung, I. Teil) ist zu sehr auf das Entwicklungsgeschichtliche und weniger auf das Systematische eingestellt. Hier leistet Schlesingers Buch vortreffliche Dienste- Nach einer kurzen Geschichte des Zionsgedankens bespricht er ausführlich alle Einzelformen des modernen Zionismus. Anhangsweise veröffentlicht er alle Programme und wichtigen Dokumente. Was dem Buche nun seinen großen Wert gibt, ist der unendliche Fleiß, mit dem Schlesinger die gesamte Literatur zusammengetragen und benutzt hat. Die praktischen Ideen Schlesingers, sein Eintreten für einen alles verbindenden allgemeinen Völkerzionismus, interessieren uns hier weniger, finden sie ja, doch auch in den Kreisen seiner Anhänger Gegner. Dankbar muß man sein, daß nunmehr, nachdem uns Böhm eine Geschichte der Bewegung gegeben hat, auch eine Systematik geschaffen worden ist, der man nachrühmen muß, daß sie vom großem informatorischem Werte ist. Bon inneren Kämpfen sprechen zwei Bücher, die in.zweiter Auflage erschienen sind, für jüdische Bücher eine gewiß bemerkenswerte Tatsache, nämlich Dr. Ignaz Zoll Han, Revision des jüdischen Nationalismus (Zweite verbesserte Auslage- Wien und Leipzig 1920- Wilhelm Braumüller, Universitäts- Verlagsbuchhandlung, Gesellschaft m. b. H.) und Jakob Klatzti«, Krisis und Entscheidung im Judentum. (Zweite ergänzte Auflage. 1921. Jüdischer Verlag, Berlin. Die erste Auflage erschien unter dem Titel: Probleme des modernenJudentums). Die ersten Auflagen beider Bücher sind in den K. C.-Blättern ihrer prinzipiellen Wichtigkeit halber ganz ausführlich in einem Artikel („Es dämmert" von Dr. Felix Goldmann, Jahrgang 1920, Seite 8 und 39) besprochen worden, und da auch die zweite Auflage keine Änderung der Grundideen bedeutet, erübrigt sich die Wiederholung des einmal .gesagten. Beide Bücher sind in ihrer Art für die Gegner des Zionismus die vortrefflichsten Abwehrwaffen, die man sich denken kann, und jeder K. C.er sollte sie darum gelesen haben. Noch niemals ist eine so bissige und tiefe Kritik an dem landläufigen Nationalismus in der Diaspora geübt worden, wie Zollschan sie gibt. Noch niemals ist das unverantwortliche Treiben jener gegeißelt worden, die in der Hoffnung auf den Judenstaat zunächst einmal durch kraftlosen Demonstrationsnationalismus die Gleichberechtigung zu zerschlagen drohen. Für Zollschan ist 'Zionismus lediglich Palästinaarbeit, und so ist er der geistige Vater des „Binjan haarez“, der die Gegensätze zu verkleistern sucht und den nationaljüdischen »Gedanken jedenfalls für sich persönlich verwirft. Franz Oppenheimer hat in einer Kritik Zollschans Buch „wundervoll" genannt. Auch von unserem Standpunkt können wir das Urteil unterschreiben, räumt es doch mit dem phrasenhaften Kraftmeiertum des Nationalismus,, das im letzten Grunde der 'jüdischen Stellung so unendlich schadet, energisch und erfolgreich auf. Und Klatzkin lehrt genau" dasselbe, wenn er auch vom entgegengesetzten. Standpunkte ausgeht. Er zeigt, hast nationales Judentum Nur in Palästina zu verwirklichen ist und daß aller Nationalismus der Diaspora höchstens zum Abschluß, lzur Aufrechterhaltung des Fremdseins seinen Wert hübe. Die Diaspora muß sterben, damit Palästina leben kann. Das ist Klatzkins letzter Schluß, die Weisheit des Buches, das durch seinen glänzenden. Stil und die blendende Klarheit der Gedanken jeden Leser fesselt. Beide Bücher sind jedenfalls — ohne Übertretung kann es gesagt werden — die wichtigsten Erscheinungen der nationaljüdischen Theorie in den letzten Jahren. Sie führen den Nationalismus, jedes auf seine Art. glatt ad. absurdum. In diesem Zusammenhang nmre noch zu erwähnen das dritte und vierte Heft (Juli und August 1921) der „Freien Zionistischen Blätter" deren ersteres der Araberfrage, deren zweites dem Kongreß gewidmet ist. Da die geistige Leitung bei Klatzkin und Nachum Goldmann liegt herrscht auch in dieser Zeitschrift die kritische Note vor. Insbesondere wird die Politik der Leitung recht unsanft hergenommen, so daß die Hefte großes Interesse Hervorrufen. Eine Spezialfrage behandelt Karl Wilhelm, Iüdische Planwirtschaft in Palästina. Ein gesellschaftstechnisches Gutachten mit drei Tafeln (1921. Weltverlag, Berlin). Das Schriftchen stellt auf etwa dreißig Seiten die gesamte' Besiedlung Palästinas und seine Bewirtschaftung auf Grund eines großzügigen, einheitlichen Planes, dar. Zur zionistischen Literatur gehört iroch indirekt Dr. Siegfried Berufeld,- Kinderheim Bau m g arten. Bericht über einen ernsthaften Versuch mit neuer Erziehung. 1921. Jüdischer Verlag, Berlin. Gerade wir K-C.er, die wir als deutsche Verbindungsstudenten eine besondere Form - der Erziehung herausgebildet haben, sollten uns mit allgemeinen pädagogischen Fragen mehr beschäftigen als es heute geschacht. Die große Auseinandersetzung» zwischen -den Grundsätzen der Verbindung und denen der Wandervogelbewegung bezw. der freien Schulgemeinde Wynekens muß einmal kommen, und es wäre erfreulich, wenn ein sachverständiger Verbands^ bruder sich bald einmal zu diesem Thema äußerte. Ebenso wie zu unseren Erziehungsgrundsätzen stehen die der „freien Schule" auch in einem unüberbrückbaren 'Gegensatz zu denen des historischen Judentums, und es ist darum nur eine Sisyphusarbeit, wenn Bernfeld versucht hat, ein bewußt jüdisches Erziehungsheim auf der Grundlage von Wynekens Ideen aufzubauen. Der Versuch ist wegen äußerer. Verhältnisse gescheitert, und das ist schade, weil man deshalb nicht erlebt hat, daß er aus inntten Gründen unter^ehen mußte. Das Buch ist trotzdem in Einzelheiten wie in der Idee sehr interessant. vei der Redaktion eingegangen. Alle eingehenden Bücher werden in dieser Spalte veröffentlicht. Des Raummangels wegen werden nur wichtige Neuerscheinungen—diese aber ausführlicher—besprochen. Neuer Humanismus. Aufsätze und Reden an die deutsche Jugend von Werner Mahrholz und Hans Roeseler. 1921. Deutsche Berlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, m. b. H. in Berlin. Die geschichtliche Existenz Christi von Dr. theol. Franz Meffert. 9.—13. vermehrte Auflage. Apologetische Tagesfragen. 3. Heft. Preis 15 Mk. M.-Gladhach 1921, Volksvereinsverlag G.m.h.H.

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