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KC-Blätter · 1921-07-01 · Heft 7-9 (Juli 1921) · p. Seite 97

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1921
Issue
Heft 7-9 (Juli 1921)
Date
1921-07-01
Page
Seite 97 (sequence 7)
Language
German
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1886 Vladrina. 1921 Crinnerungen eines allen Vladrinen zum 3Ssten Jakreslage. Von Dr. Alfred Gold s ch midt. Mit einem Hellen Sonnenschein — So zieh'n wir in. das Land hinein. Wir finden alle Wege grün Und Burschen, die oorüberziehn. Und in der Lust ein Klingen: Wir wandern und wir singen. Vor 15 Jahren leiteten diese Verse eine Zwanzigjahrs-Ermnerung an die Gründung der „freien Verbindung Viadrina" zu Breslau ein. Es war „Eine Fahrt ins Jugendland", die wir unternahmen. Von den Höhen des schlesischen Riejengebirges schauten wir in jenen unvergänglich schönen Tagen zurück auf unsere Jugendtage, auf unser Jugendland, auf ein keck-ausgelassenes Leben, auf ein im tiefsten Kerne ernstes Streben: auf Breslau. Diese Zeilen sollen nicht Geschichte schreiben. Alles Tatsächliche ist in großen Zügen in den K.C-Jahrbüchern und in den K.C.-Blättern niedergelegt. Nur Erinnerung und Betrachtung sollen sie sein. Seit dem Zwanzigjahrfest im Riesengebirge (1906) sind 15 Jahre dahingegangen, und ein ungeheures Weltgeschehen hat alle äußeren Dinge uni ein Unsägliches zurückgewörfen und so auch Früchte zerstört, die man bereits pflücken zu können meinte. Manche alten Burschen hat gewiß darob schier Verzweiflung gepackt. Dem jungen Frager aber, der angesichts der Trümmer einer Welt einer Arbeit von 35 Jahren verständnislos gegenüber stehen könnte, antworte ich: die äußere »Resultate, die sich auf das Einfühlen mit einer Schicht, die früher die herrschende war, beziehen, sind nicht erreicht worden. Das Unglück des Vaterlandes hat sie mit in den allgemeinen Strudel des Versinkens gezogen. Wann eine Aenderung, eine Versöhnung der Klassen, Schichten, Gruppen, Konfessionen kommen soll, — wer will jetzt prophezeien? - - Aus dem Strudel einer untergehenden Zeit werden sich später neue Berkehrsformen entwickeln. — Aber das, was für den inneren Menschen notwendig ist, das ist durch die Zeit nicht z e rstört worden. Im Jahre 1886 ist für den jüdischen Burschen, der sich als Deutscher fühlte, die Möglichkeit geschaffen worden, sein Leben in Selbstachtung, Würde, Frohsinn zu führen. Der Zerfahrenheit, der Würdelosigkeit, der Verzweiflung des Vereinzelten ist die Organisation, die Selbstbesinnung der Gesamtheit entgegengesetzt worden. , . Dem Judentum sollte die Möglichkeit freier Entwicklung, dem Vaterlande die Liebe der aus Entrechtung Freren gegeben werden. — Ich stehe nicht an, zu sagen, daß die inneren Werte, die nicht verloren sind oder zu s ein brauchen, die äußeren tausendfach überragen, denn das Herz macht das Glück des Menschen. Die äußeren Momente sind zum mindesten nicht das Entscheidende. — Kampf und Hoffnung! Erleuchtet ist der ganze Weg Unb §ecf und Wiesen, Wald und Steg. Die Burschen find so unbeschwert Und — ach — so glücklich ungelehrt. — Auf dieser Art von Wegen — Da stört nicht Wind noch Regen. * Die Jugend von 1921 hat es schwerer mit ihren Hoffnungen als die von 1886, sie teilt den Druck, der heute auf der Welt lastet, mit den Alten. Sie wird jedoch ihre eignen Hoffnungen in die Zukunft tragen. Wenn sie auch noch keine festen Formen haben können,— das Unnennbare und Unwägbare braucht weder Wage noch Namen — so sind sie doch sicherlich da — trotz aller Zeiten Ungunst, denn wahre Jugend ist zeitlos. Die Jugend von 1886 aber glaubte ihre Hoffnungen bestimmter vor sich zu sehen, und ihnen entsprach der ansgelassene Frohsinn studentischer Tage und Nächte. Da tauchen schaumgeborene Szenen jugendlich-übermütig aus alter Erinnerung auf: die Geburtstagsfackelzüge — dies natales fisco fatales —, die Jacob'schen Bierreden,, die Fuchskontrahagen auf der Wendeltreppe im Löwenbräu auf der Schweidnitzerstraße zur Prüfung der Füchse, der Transport einer Bierleiche auf einer ausgehobenen Tür mit sechs Trägern und einem begleitenden Hunde von Mutter Kautzschens Kneipe auf der Promenade bis zur Vorderbleiche, wo der Entseelte durch Fall — glücklicherweise auf Sandboden — wieder zum Leben erwachte, der Einzug in Deutsch- Lissa in, auf, neben, über, unter einer Droschke, auf die als alleiniges Transportmittel das ganze Verbindungsleben sich in diesem Augenblick konzentrierte, der Fackelzug vor dem Bürgermeister mit anschließender Ansprache, das Heringshüpfen, der über die „Bundeslade", denPekeschenschranken, stolpernde Kellner u a. m.. . . Die Mensuren — Schläger- und Säbelpartien — konnten sich sehen lassen. Und die Mädchen! Einen nicht, unwesentlichen Teil von den Mädchen, die damals von den Stiftungsfestgalerien auf uns herabschauten, haben wir geheiratet; von denjenigen, die wir nicht geheiratet haben, können wir erst am 50sten Stiftungsfest berichten, da die

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