KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1921)
- Date
- 1921-05-01
- Page
- Seite 82 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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V -7 " WSerweiffmpg der Rassentheorie in allen 'ihren Teilen — W gewiß mit dem decken, was Hertz und andere vor- Ker gelehrt haben, so ist doch inder Begründung unhandlichviel Neues und Überzeugendes zu finden. Bon ' jchßter Bedeutung sind alle die Belege, die Goldstein K.ür seine Anschauungen aus der Literatur zu erbringen Permag. Und so ist die Abhandlung auch eine vor- ^/-zügliche Materialiensammlung. Allen Kartellbrüdern ^Wei das Buch, das völlig auf dem durch den K. C. ^«vertretenen Standpunkt steht, zum eingehenden Studium ^Dringend empfohlen. Geschichte. S.M. Dubnow. DieneuesteGeschichtedes Lstdischen Volkes. 1789—1914. Deutsch von Alexander Eli asb erg. I. Band- Einleitung. Erste Abteilung: Das Zeitalter der ersten Emanzipation; $789—1815). II. Band- Zweite Abteilung: Das Zeit- Mer der ersten Reaktion (1815—1898). Dritte - Abteilung: Das Zeitalter der zweiten Emanzi- ^Oation (1848 — 1881). (Ein dritter Band, der /die.Zeit. von 1881 bis zum Ausgange des Zneunzehnten Jahrhunderts behandelt, ist in Vor- ' bereitung.) — Über das Notwendige des Studiums der ^jüdischen Geschichte braucht an dieser Stelle kein Wort verloren zu werden- Mag auch die große Masse sich 1 ihre jüdischen Anschauungen nach Schlagworten, nach ^.Stimmungen und Verstimmungen, nach dem von /"äußeren Einflüssen geleiteten Gefühl schaffen, für den : demenden Juden — und ein solcher sollte der jüdische /.Akademiker gewiß sein — ist die Geschichte seiner /'Gemeinschaft der feste Untergrund der jüdischen Willens- ' - üildung. Besonders lehrreich ist zumal die Geschichte .des neunzehnten Jahrhunderts, das im äußeren Geschick der Juden ebenso viele radikale Wandlungen auf- / .meist, wie es sich durch eine Fülle von geistigen Verwesungen im Judentum auszeichnet. Und ohne eine r winliche Kenntnis gerade dieses Zeitabschnittes ist jede Li /Stellungnahme zu den Zeitproblemen, zu den religiösen /Wie den nationalen, vom blinden Zufall abhängig. Ein Hilfsmittel, das in diese Periode vorzüglich . .einführt, liegt in den: Werke von Dubnow vor, dessen > -dritter Band, die Zeit des werdenden Nationalismus; umfassend, noch aussteht. Wir besitzen bereits eine Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts aus der Feder MaÄin Phitippsons. Der Vergleich, zu dem die beiden 4 vorliegenden Darstellungen herausfordern, fällt durch- . aus zu Gunsten des Dubnowschen Werkes aus. Es :,V tft ttt ber Darstellung lebendig und fortreißend, sein % Stil ist ein glänzender — liegt das am russischen Original oder ist es das Verdienst der Übersetzung? — und LH' '‘,e§ versteht ein durchaus geschlossenes Blld zu geben, M das überflüssiges nicht aufweist, dem Wesentliches auck nicht fehlt. . Ein weiterer Vorzug freilich wird zu einen: Nachteil. Während Philiphson im allgemeinen nur chronikartig farblos und objektiv die Ereignisse aneinanderreiht» steht Dubnows Buch unter dein Einfluß einer Mee, eigentlich sogar zweier, die aber beide nach unserer Meinung nicht ganz richtig sind. Zunächst legt;cr seiner Darstellung einen aus dem Arsenal der lh materialistischen Geschichtsauffassung entlehnten Gedanken zu Grunde, indem ein innerer Zusammenhang /gesucht wird zwischen den Perioden freiheitlichen Aufschwungs in der Stellung zur Unrwelt und den darauf / folgenden Reaktionen des blinden Judenhasses. Dann Haber gibt er dem Rechtsemanzipativnsgedanken eme /'.eigene Deutung. Die feststehende Tatsache, daß der ^rechtlichen Befreiung des Judentums Auflösungsteu- Hdenzen im Inneren folgen, daß also Taufe, Gleichgülligkeit und religiöse Reform nach-Erringung der Gleich- - Berechtigung besonders wüten, erllärt er dahin, daß sie aus der Berwechflung des jüdischen Individuums mit der jüdischen Gemeinschaft naturnotwendig hervorgehen müsse. Solange der jüdische Mensch als Einzelwesen die Freiheit erringe, werde er die Neigung haben, sich der Gemeinschaft zu entfremden, während die. Emanzipation der jüdischen Nation dem Juden Halt und Selbstbewußtsein gegeben und ihn treu bei seiner Fahne gehalten hätte. Man kann einen richtigen Kern des Grundgedankens insofern nicht, übersehen, als tatsächlich die Differenz zwischen dem gleichberechtigten Juden und der völlig rechtlosen Gemeinschaftsform stets Anlaß zur seelischen Unzufriedenheit und damit zum Abfall gab. Dennoch aber hat Dubnow mit dieser Entdeckung nicht das Rechte gefunden. Denn eine Emanzipation, eine Gleichberechtigung der Juden als Nation ist lediglich eine theoretische Spielerei, die an der Gewalt der Tatsachen scheitert- Gleichberechtigung ist das Äquivalent für gleiche Pflichterfüllung auf der GruMage des innerlichen Einlebens und der seelischen Verknüpfung. Nationale Emanzipation würde aber ein volles Einleben in die Kultur der Mehrheit verhindern und damit die GruMage der Gleichberechtigung untergraben. Nationale Autonomie — das hat die Probe der heutigen Zeit bewiesen — ist der schlimmste Feind des jüdischen Rechts und damit des jüdischen Lebens. Es kann leider an.dieser Stelle nicht näher auf die Dinge eingegangen werden. So interessant aber Dubnows Ideen sein mögen, so leicht ist ihre Unrichtigkeit zu erweisen. Das Versagen der Anerkennung in diesem Punkte bedeutet aber nicht eine. Ablehnung des Werkes. Wer Dubnows Meinungen aus seinem Büchlein über die «Jüdische Geschichte, ein geschichts-philosophischer Versuch" (erschienen 1898 bei Calvory) und „Die Grundlagen des Nationaljrldentums" (1905 in: Jüdischen Berlage) kennt, wird nichts anderes erwartet haben. Bedenkt man noch, daß Dubnow auch die ökonomischen und geistigen Strömungen behandelt und ihre Bedeutung ftir das geschichtliche Geschehen ganz anders würdigt, als es Grätz und Philippson getan haben, so wird man den ganzen Wert dieses Werkes erkennen, das gegenwärtig die beste Darstellung der Zeitgeschichte gibt. Dubnow ist nicht nur ein geistvoller Denker, er ist auch ein kenntnisreicher Historiker und sein Buch — reich an Ideen und reich an Stoff — kann jedem zum nachdenklichen Studium empföhle»: werden. Uneingeschränktes Lob verdient auch die Geschichte der Jude« in Pole« und Rußland, von vr Jose: Meist. Erster Band (Berlin 1921. C. A. Schwetschke n. Sohn, Verlagsbuchhandlung. Gegr. 1729.) — Der vorliegende erste Band behaMll die Ereigrrisse von den ältesten Zeiten bis zu den Kosackenaufständen, die sich an den Namen Chmielnicki knüpfen. Das großangelegte Werk soll vier Bände umfassen, deren letzter bis zun: Ausbruch des Weltkrieges reicht. Meist hat seine Aufgabe ausgezeichnet zu lösen gewußt. Ein Wort, mit dem an dieser Stelle Meists Buch über die ,Haskalah" charakterisiert wurde/ muß »viederholt werden: Eine fast sinnverwirrende Fülle von Material ist zu einen: Laren Gesamtbilde verarbeitet worden. Auch Meist faßt das Judentum nicht als eine bloße Konfession auf, sondern er betrachtet es als einen Stamm, dessen Beziehungen zur Welt und dessen Innenleben freilich weitaus am stärksten von religiösen Werten beherrscht sind. Wenn nun auch im Vorwort verkündet wird, daß das Judentum als Nation betrachtet werden solle, und daß mit dem verblendeten Vorurteile von der Konfessionalität der Jude»:heit gründlich aufzuräumen sei, so hat die- Darstellung sich glücklicherweise nicht von diesen aus den Tageskämpfen stammenden JdeeMmplex beeinflussen lassen. Das Judentum