KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 3-4 (März 1921)
- Date
- 1921-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Titel, sofern man aus ihm ans etwas gemeinsames in ihnen schlicht. In buntcin Wechsel werden zusammeuhangslos politische, religiöse und pädagogische Probleme erörtert, und in nur allzubielen tritt die für Buber charakteristische Gedankenlvclt ganz zurück. Die Artikel weisen alle Vorzüge Bubcrschcr Darstellungskunst aus, die packende wundervolle Sprache und die Krast des Ausdrucks. Andrerseits treten auch die sonst so oft störend empfundenen Mängel, die gewundene Form für die einfachsten Gedanken, der Hang zu mystischer Pathctik stark zurück, so das; die Aussätze eine durchaus angenehme Lektüre bedeuten. Interessant ist an den von ihnen vertretenen Gedanken, die man unwillkürlich mit den sonstigen im Nativnaliudentum zur Herrschaft gelangten Ideen vergleicht, Mi beobachten, wie sehr innerhalb zionistischer. .Streife nnd insbesondere der Jugend Bnbers Einfluß zurückgedrängt worden ist. Datz oftjüdifche Antlitz von Arnold Zweig zu sünszig uimmwi von öcrmaiui 3trucf. 1920. Welt-Verlag, Berlin. — Zwei Künstler haben sich verbunden, um mit ihren Ausdrucksmitteln deit Ostjuden zu schildern, ihn, der in den politischen Erwägungen der jüdischen und nichtjüdischen Kreise Deutschlands zu einein unangenehmen Problem, der in der Wirtschastssragc zu eurem Fclsblock des Austoßc-s geworden ist. Und was diese einseitige und tendenziöse Betrachtungsweise, die laus Haß und Furcht geboren ist, ihm an Wert zu nehmen trachtet, der Dichter und der Maler-geben eS ihm in. diesem schönen Buche wieder. Arnold Zweig, der Dichter, beit wir aus andere^ Werken als den Meister einer oft zu peinlicher Sektion werdenden Scelcnanalysc kennen, schaut mit den Augen liebenden Verstehens in des Ostjndcn Geist und Herz, in sein Tun und in sein Wollen, in sein Sein und in sein Sehnen. Den Mann, das Weib, das Mädchen, das Kind, <sie alle weih er in der dem Juden charakteristischen Einstellung auf die rein menschlichen Fragen zu erfassen, und mit fühlendem Herzen schildert er ihre Nöte und .Hoffnungen, ihre Anklagen gegien die kulturfeindliche Welt, ihre Kraft stark zu bleiben und zu überwinden. Und des Dichters Wort begleitet und trägt des Malers Bild, der es verstanden hat die charakteristischen Typen ostjüdischeu Lebens mit wenigen Strichen sestzuhalten. Struck versteht die Kunst, „seeleuvoll" .zu malen. Jedes der fünfzig Bilder ist eine Geschichte, aus jeder Gestalt spielt das mühsam zurückgehaltene Leid, flammt sittliche Würde und Hoheit. Struck weih die Seele reden zu lassen, 'indem er oft des Bildes ganze Kraft im Auge der dargcstellten Figur konzentriert. Die Augen seiner Gestalten sind die Vermittler seelischer Vorgänge nnd darum muten seine Bilder so warm nnd lebenswahr an, darum wirken sie im bcftcit Sinne des Wortes typisch. Allen Verächtern des Ostjndcn, in jüdischen wie auhcrjüdischen Kreisen, sei das Buch dringend empfohlen. Es tvird sie lehren, das; hinter dem mihgestaltcten vom Unglück gejagten Prügelknaben der Weltgeschichte ein wahrer Mensch steckt, ein Mensch mit einer grohen, freien Seele, ein wahrer Mensch. 1). Mein Weg alSDcnifcher und Jude, von Jakob W affe rm a n n. Verlag von Fischer>Berlin 1921. Das Buch schildert das jüdische Schicksaleincs deutschen Dichters,einesMaunes, der sich dnrchgenmgen hat zu dem Ziel, das auch wir erstreben. Ergreifend ist die Schilderung seiner freudlosen Jugend und seiner sorgenbeschwertcn, gehetzten Lehr- und Wanderjahre. Zu der materiellen Not, die in seines Vaters Hause herrschte, kamen schon früh in seiner Kindheit die seelischen Qualen hinzu, unter denen er durch die Probleme t. -'l seines „Jndcscins" litt. Schon früh legte er — bet aus; I einem jüdisch-liberalen Hause .stammte,— sich die Frage ' vor, was das die Judeuheit Einigende ist. Er fühlte keinen Znsanunenhang mit der Gemeinschaft durch die Religion, \ j wie sie ihn gelehrt worden, keine Gemeinschaft durch die gemeinsame Übung eingefleischter Gebräuche ohne Symisbolik bei den Gottesdiensten. Das Kind, das eine Beobachtnngsgabe besah, erkannte schon früh, das; es etwas anderes * i sein müsse, a s die jüdische Religion, was die einzelnen ||; noch beim Judentum hielt. Schon früh wußte er, welche s . Bedeutung die Tatsache, zur jüdischen Gemeinschaft zu j gehören, in bezug auf das Verhältnis zur nichtjüdischen j Umwelt hatte. Menschen, zu denen er sich hingezogcn fühlte y und die er für seine besten Freunde hielt, zogen sich zurück, f.. tvenn sie erfuhren, das; er Jude sei. Und auch diejenigen, die ihm befreundet waren, verstanden ihn doch letzten Endes! nicht in dein, was ihn am meisten beschäftigte, in der Äntwort auf das Problem der Vereinigung von Deutschtum und Judentum. Gar zu oft, und wir denken hier an die fc; ausführliche Schilderung der Rededuelle zwischen ihm und l einem Freunde in Zürich, bei dem er Zuflucht suchte, f,•! teilte man ihn vor die Entscheidung, zu wählen, wohin *! sein Weg ging, entweder zun; Deutschtum oder zun; Judentnm. Für ihn gab es schon damals kein Entweder-Oder. Eng verbunden mit deutscher Kultur und deutscher Art konnte nnd wollte er sich auch von seinem Judentum nicht ip lösen. Allerdings war das, was heute für ihn stolze und sst sichere Gewißheit ist, damals oft noch quälende Ungewiß- [H heit und im Unbewußten schlummernde Erkenntnis. Zwei 'M Werke kennzeichnen besonders den Weg, den er gegangen sj'; ist. Es sind dies: Die Inden von Zirndorf, das er mit 22 Jahren schrieb, und Caspar Hauser. Im elfteren befreit jj; er sich von dem Alp, der seine Jugend zermalmt hat. Aus- $■ spräche, Bekenntnis nnd Reinigung ist dieses Buch. Mit j glutvoller Leidenschaft sind die inneren und äußeren Kämpfe der Jndenheit seiner Epoche geschildert. Wir gehen nicht Z fehl, wenn wir in dem Helden dieses Werkes, in Agathon Z Geyer, ein Selbstbildnis uitb Selbstbekenntnis annehmen: In Agathon Geyer, dem Jüngling, der die Menschen, losgelöst von Glaubens- und Dogmenzwang, zu lichten Höhen -! reiner Menschheit cmporführen will. Das zweite, Caspar!;j Hauser, ist ein Bekenntnis reinster Art znm Deutschem. Deutsch die Sprache, deutsch die Städte, deutsch das Land, th deutsch der Baum, deutsch die Menschen — Menschen, wie sie nur in Deutschland möglich sind. Dies im Innersten h| deutsche Buch, ans das Wassermann so viel Hoffnungen Z gesetzt hatte, wurde beim Erscheinen Gegenstand gehässigtcr, r:i kleinlichster, spießbürgerlichster Kritik. Es durste vor der Z deutschen Öffentlichkeit nicht wahr sein, daß ein Jude ein!!i so eigentümliches deutsches Buch geschrieben hatte, und man suchte nach allen möglichen Fehlem. — Interessant sind Z im vorliegenden Werk Schilderungen der Erlebnisse in \\\ Wien, vornehmlich in der jüdischen Gesellschaft, die für ihn in ihrer reinen jüdischen Exklusivität etwas beengendes & hatte, der Gespräche vor allem mit österreichischen und polnischen Inden, überaus lesenswert ist seine Auseinandersetznng mit dem Zionisnnrs. Er kann nicht Zionist 7; werden, weil er zu einer Idee, einer unbeirrbaren, ihn voll! - durchdringenden nnd all seinem Tun gebietenden Idee, der Vereinigung von Judentum und Deutschtum, schon üjij geboren ist. Sie durch eine andere zu ersetzen oder ihr eine andere koordinieren, war nicht möglich, oder „es geht nicht $ mehr um Wahrheit und Ernst, sondern um Versuch, Ge- % legenheit nnd Lückenfüllen. Was nran ist und tut, hat man | ganz zu sein oder zu tun; sonst könnte jeder die Geschäfte i ein.es jeden betreiben". Und wie Recht hat er, wenn er sagt, i| daß so mancher, der sich als Jude fühlt und der laut betont, $ daß er „der Bruder der Ostjndcn" ist und alle Unterschiede | wegznleugnen versucht, dies einem Pslichtbegrisf oder H Parteidiktat zuliebe oder um einem feindlichen Angriff D keinen Zielpunkt zu geben, diesen Zwang auf sich ausübt. T Nicht beizupflichten ist ihm allerdings, wenn er sagt, daß er |