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KC-Blätter · 1920-06-01 · Heft 6-8 (Juni 1920) · p. Seite 65

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Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 6-8 (Juni 1920)
Date
1920-06-01
Page
Seite 65 (sequence 7)
Language
German
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Erkenntnis dieses klaren Tatbestandes ist besser als Verwischung, jedenfalls besser als die Besiegelung der Bankrotterklärung aller geistigen Wette durch eine Neuschaffung eines Judentums, das durch Angleichung an Blut- und Rassenwahn gewonnen wird. Wer also ein „jüdischer Jude" sein will, wird sich durch einen leider einer nicht gesunden, sondern einer perversen Assimilatton entlehnten Nationalismus nicht darüber täuschen lassen können, daß nicht die Rückkehr in das Judenland, d. h. ein im Grunde genommen wesentlich körperlicher Schritt das Judentum erhalten kann, sondern die allerdings viel schwerer zu gehende und mit viel größeren Klippen umgebene Rückkehr in den Geist und den Inhalt unjerer jüdischen Lehre. Auch der am weitesten religiös rechtsstehende Jude wird nicht vettennen, daß das Streben nach Erneuerung des Judentums, das von begeisterten Reformern ausgegangen ist, dem Problem der Erhaltung und Bettjesung des Judentums mehr nachgekommen ist wie die Aneignung nationalistischer Theorien und Gewohnheiten. Und wenn'uns K. E.ern immer von der jüdischnationalen Studentenschaft vorgeworfen wurde, wir äfften das Studentische der uns wesensfremden deutschen Studentenschaft nach,"so können wir mit Recht ettlären, daß uns die deutsche Studentenschaft nicht wesensfremd ist, sondern daß wir einer ihrer Teile sind und daß unser Kampf nicht gefühtt wird zum Zwecke der Pflege von Äußerlichkeiten, sondern aus dem Grunde, um durch die Herbeiführung der äußeren Gleichachtung die Durchsetzung der inneren Wettung des uns überkommenden Heiligtums zu fördern und zu erleichtern. Das sind schwierige Forderungen, die nicht durch einen Rückzug im Sinne des judenfeindlichenBerlangens und durch liebevolles Eingehen auf antisemittsche Postulate ihre Erfüllung finden können. Geradezutragikomischberühttes, wenn wir im Ottober/Dezemberhest des „Jüdischen Willen" 1918 einen Aufsatz lesen: „Angttffe gegen das K. I. B." Im „Juden" hatte nämlich Arnold Zweig das K. I. B. mit genau denselben Gttinden angegttffen, die den Schttststellern des K. I. B. gegen den K. C. geläufig sind." Wenn der „Jüdische Witte" sich damals so sehr über Arnold Zweig aufgeregt hat, so spottete er seiner selbst und wußte nicht wie. Bon dieser Weltanschauung getragen, bedeutet uns San Remo ein Ereignis, das wir dann begrüßen könnten, wenn auf Seiten der Versprechenden ein ehrlicher Wille zur Durchführung des Versprechens vorhanden wäre. Aber selbst in diesem Versprechen würden wir nur dann etwas sehen, was die Lage erleichtert, wenn auch an dem Grundproblem nicht das geringste verändett werden würde. Ist aber, diese Heimstätte, wie sich jetzt immer mehr herausstellt, nichts anderes als eine englische Satrapie, und werden die Juden von England dazu bemcht, um für die Engländer Handelsgeschäfte zu vermitteln und ihren wirtschaftlichen ' Vorteil zu fördern, so haben wir keinen Anlaß,. England Agentendienste zu leisten. Leider muß festgestellt werden, daß begeisterte und aufrichtige Zionisten sich in dieser Frage den klaren Plick haben trüben lassen, wobei allerdings auch die Auffassung nicht unterdrückt werden darf, daß bezahlte Agenten Englands den englischen Interessen willfährige Meinungen in der ganzen JudeNheit verbretten und mit ihren Unwahrheiten leider Gottes bei den Zionisten sehr viel offene Ohren gefunden haben. Bei allen politischen Bewegungen wird geflunkert; soviel aber wie zionistische Agitatoren den großen Massen des Ostens vorerzählt haben, ist selten selbst , in Amerika geleistet worden. Leider wird das Judentum die Zeche bezahlen müssen! V. Einbildungskraft sieht der Wirklichkeit nicht gern ins Gesicht. Hüten wir uns vor dieser Einr bildung. Der jüdische Nationalismus poussiert die Ostjuden und glaubt seine innere Schwäche durch eine restlose Assimilation auch an ostjüdischcs Wesen zu überwinden. Ist es doch vorgekommen, daß jüdischnational-begeistette junge Leute in Bettin zu Ostjuden in Pension gegangen sind, um dott „jüdischer zu werden"! Daß die Ostjuden vielfach, sogar meist, kulturell niedttger stehen als die deutschen Juden, wird ihnen als ein Vorteil ausgelegt. Merkwürdig ist dabei nur die grenzenlose Unwissenheit, die aus der immer wieder austretenden Auffassung spricht, das Ostjudentum sei eine'irgendwie einheitliche Masse, es repräsentiere gewissermaßen d a s jüdische Volk. Jeder der irgend jemals in Osteuropa gewesen ist, wird wissen, daß es unter den Ostjuden weitgehendste Verschiedenheiten nach jeder Richtung hin gibt, daß der galizische Jude von dem littauischen, der Jirde von der Moldau von dem Juden der Wallachei und der Jude von Nischninowgorod vom Juden aus Ploesti himmelweit verschieden ist. Tut nichts. Das Ostjudentum, das es in diesem Sinne gärnicht gibt, wird verhimmelt. Die selbstverständliche Hingabe und das ebenso selbstverständliche tätige Mitgefühl mit den ungerecht Behandelten und Unterdrückten wird beiseite geschoben und an seine Stelle ein Verhimmeln der Unkultur gesetzt. Wer Augen zu sehen hat, erkennt die niedere jiidische und menschliche Stufe eines überwiegenden Teiles des Ostjudentums. Er wird sich hüten, den Ostjuden daraus einen Vorwurf zu machen. Denn wären wir in denselben Verhältnissen aufgewachsen wie sie, so wäre unsere Kultur nicht anders. Wenn wir aber die Tatsache anettennen, daß diese Kultur eine niedere und minderwettige ist, so werden wir daraus die Schlußfolgerung ziehen, daß bei der in diesen unglücllichen Verhältnissen lebenden Schicht eine Hebung der Kultur vorgenommen werden muß und daß diese Hebung einen Tett der jüdischen Forderungen an uns selbst darstellt. Statt

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