KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4-5 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 49 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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0r. Nathan Birirvaum. U m d ie E w i g feit Jüdische Eisahs. 1920—5680. Welt-Verlag, Berlin. Preis geheftet: 9 Mark, geb. 11,50 Mark. Ein stattlicher Band vereinigt sechzehn Aussätze, deren Entstehungszeit zwischen den Jahren 1911 und 1919 liegt. Wer von: alten Birnbaum weiß, dem Politiker und Zionisten, wird den neuen Birnbaum, der aus diesen Blättern zu uns spricht, kaum wiedererkennen. Er ist wiederum, dem selbstgewählten Pseudonym Ehre machend, ein „anderer", du „Acher" geworden. Freilich ein besserer! Aus der Zeit ist er in die Ewigkeit zurückgekehrt. Ein religiöser Jude ist er geworden, der zwar mit der üblichen Schnsidigkeit und Schärfe des lüngst Bekehrten alles verketzert, was er soeben noch geliebt und kaum verlassen hat, der aber doch das Wesen des Judentums erkannt und, mutig die Folgerungen ziehend, reuig zurückgekehrt ist und sich den: historischen Judentum unterworfen hat. Und das ohne Drehen und Tüfteln, wodurch er sich zum Vorteil von so manchem zionistischen Apostel unterscheidet, der zwar die Hohlheit und Vergänglichkeit des nationaljüdischen Ideals und den ewigen Wert der religiösen Idee erkannt hat, der aber zu einer radikalen Abkehr nicht die Kraft findet und um Feuer mit Wasser zu mischen, religiöses Judentum in irgend einer zurechtgemachten Form mit nationalem zu vereinen versucht. Voll Achtung und Ehrerbietung wird man, selbst lvenn man auf anderein religiösen Standpunkt steht, vor der seelischen Entwicklung Birnbaums stehen, die ihm, wie der Titel einer auszugsweise wicdergegebenen neuereil Arbeit besagt, „vom Freigeist zuul Gläubigen" geruacht hat. Jeder moderne Jude sollte sein Buch, das einen wunderbaren Beweis für die ewige Kraft der Religion bietet, lesen, insbesondere sollten der jüdische Freidenker und der Nationaljude es tun. — Der rührige Weltverlag hat die Sammlung in einer vorzüglichen Ausstattung mit großem, klarem, schönem Druck auf gutem Papier herausgegeben, so daß der Band mit dem geschmackvollen Umschlag auch .buchtechnisch sich äußerst günstig präsentiert. Haskalah. Geschichte der Aufklärungsbewegung unter den Juden in Rußland . von Dr. Jos e.f, Meis e l, Berlin, C. A. Schwetschke u. Sohn, Verlagsbuchhandlung, 1919. Die Haskalah ist bisher im Zusammenhänge in deutscher Sprache noch nicht dargestellt worden, und das oft mißbrauchte Wort von der „Lücke, die ausgefüllt wurde", trifft daruin auf Meisels Buch formell ganz gewiß zu. Inhaltlich ist es überdies, wenn man die mangelhaften Vorarbeiten berücksichtigt, eine glänzende Leistung. Eine fast sinnverwirrende Fülle von Material ist zu einem klaren Gesam'tbilde der Aufklärungsbewegung verarbeitet worden. Das Buch ist streng wissenschaftlich und doch fesselnd, besonders interessant sind die Zusammenhänge, die zwischen der nationalen Bewegung und der Haskalah konstruiert werden. Die Anschauungen von der Geschichte der russischen . Juden werden auf Grund dieser Arbeit in manch einem Punkte revidiert werden müssen. Adolf Donath» I u d e n l i e d e r. R. Löwit, Verlag Wien. — Adolf Donath veröffentlicht eine kleine Sammlung seiner Judenlieder, die zum größten Teil in den 90 er Jahren des vorigen Jahrhunderts entstanden sind und damals die Anerkennung Theodor Herzls gefunden haben. In dem heutigen Leser erwecken nun freilich diese in Heineschem Rhythmus geschriebenen Gedichte nicht mehr den Eindruck von etwas Neuem und Eigenem, immerhin wird auch heute noch Donaths große Liebe zum Judentum, die hinter allen Gedichten steht, fühlbar. Baruch Krupnik. Die jüdischen Parteien.' Ein Überblick zur Orientierung. Jüdischer Verlag. Ber-ch lin, 1919. — i , Eine nicht gerade tiefe, aber immerhin ganz inter-- s essante Orientierung über das jüdische Parteiwesen vornehmlich des Ostens und Palästinas mit sichtlicher! Parteinahme für den Zionismus! Die Darstellung folgt :, der Methode, die Stellung jeder Partei zu drei Pro- ' Meutert su untersuchen: Zur jüdischen Religion, zur jüdischen Sprache, zur Tatsache der Diaspora! Wie in so vielen jüdischen Publikationen wird freilich das Geistreicheln zum Fallstrick, denn alles, was^sich nicht in diese Rubriken fügt, bleibt unerörtert. Unsere deut-ü : schen Verhältnisse werden kaum berührt, geschweige denn - behandelt. So wird der „Zentralverein" auf ganzen sieben Zeilen mit hervorragender Ignoranz, die sich , auch nicht durch den hochnäsig überhebenden Ton verdecken läßt „erledigt". Die Weltbücher. Eine jüdische S chr i f t - folge: Band 7: Henry George, Moses der^ G e s e tz gebe r. Band 8 Heinrich L o e w e, - Schelme und Narren mit jüd i s ch en K app en. — Weltverlag, Berlin, 1920. Die beiden neuen Bände der Weltbücher schließen sich den bisher erschienen in Inhalt und Ausstattung durchaus würdig art. Der siebente Band enthält einen. Aufsatz des Sozialreformers Henry George über Moses als Gesetzgeber. Wenn er auch zuweilen etwas anderes in die Dinge hineinliest als sie wirklich besagen, so ist er doch wertvoll als ein Zeugnis für die lebendige Kraft der Bibel und die Einflüsse, die sie auch auf modernes Dertken ausübt. Der achte Band enthält eine geschickt ausgeu'ählte intd kommentierte Sammlung von Perlen des jüdischen Humors. Er bedeutet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur jüdischen Volkskunde, son- ■ dern er stellt auch eine amüsante und kurzweilige Lektüre dar. Majer Balavan, Die Judenstadt von Lublin. Mit Zeichnungen vort Karl Richard Henker. Jüdischer Verlag, Berlin 1919. 4° 112 S. Das Buch entstand als Gelegenheitsschrift während , des Krieges, ttm jedoch über Anlaß und Zweck bedeutend hinauszuwachsen. Von den zwölf Kapiteln, in die es zerfällt, beansprucht die topographische Beschreibung der Judenstadt von Lublin, die es ursprünglich allein liefern wollte, nur noch das letzte. Die übrigen geben, streng wissenschaftlich fundiert, auf Grund eigener Forschungen die ausführliche Geschichte der Gemeinde, deren Wechsel- voller Verlauf in Blüte und Verfall das Los der polnischen Judenschaft widerspiegelt. Reiches Material zur Kultur-, Rechts- und Kunstgeschichte ist eingesprengt, das teilweise durch treffliche Abbildungen unterstützt,- die Darstellung belebt und anziehend gestaltet. Wer immer vom Krieg in den Osten verschlagen wurde, wird für die Erinnerungen welche er heimbrachte, mannigfach anregendes Verständnis daraus gewinnen. Zur wissenschaftlichen Erschließung der Geschichte der Ostjuden bildet es überhaupt einen wertvollen Beitrag. Die Ausstattung .des Werkes schließt sich den bisherigen Veröffentlichungen des Jüdischen Verlages würdig an. R. L. -LM '■,4 Die Legenden der Juden. Von vr. I. Berg- Z mann Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin; -W bei C. A. Schwetschke u. Sohn, Berlin 1919. Mk. 6.50 - R geb. Mk. 9,50. Wie oft wird vorn Geist des Judentums gesprochen und wie selten auf Grund wirklicher Kenntnis dieses Geistes. Das ist entschuldbar; denn unsere Generation besitzt nicht mehr oder — noch nicht wieder die Kennt-