KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 4-5 (April 1920)
- Date
- 1920-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Eiserne kreuz I. klaffe erhielt: Lör-Sam. Zucker, Rechtsanwalt (Bad. - Heidelberg), Hauptmann der Ref. im 5. bayr. Res.-Jnf.-Reg. (vor längerer Zeit). 86. Marcus Maier, vr. meä. (Lic.) ehemals Oberarzt und Bataillonsarzt im Landw-Jnf.-Reg 119 87. Theodor Rosenthal, Dr. med. (Thur.) ehemals landsturmpflichtiger Arzt bei San.-Komp. 117. Das Eiserne kreus II. Klasse am stbwarsweitzen vande erhlelt: Walter Boehm, canä. meä. (Thur.). vr. Ludwig Holländer (Lic.) hat das Eiserne Kreuz nicht am weitz-schwarzen, sondern am schioarzweitzen Bande erhallen kans Srünwald*). (Bavariae.) Still, ohne das Gepräge stolzen Heldentums ist Hans Grünwald von uns gegangen, — „nur ein Grenadier". In den letzten Januartagen der Sommeschlacht fehlten plötzlich die Nachrichten von ihm, kamen Briefe für ihn mit der Aufschrift ^vermißt" zurück. Seit sechs Monaten bmrgen Freunde und Angehörige um sein Schicksal . . . und nun haben wir die Hoffnung aufgeben müssen, unseren Bundesbruder wieder zu sehen. — Hans Grünwald war keiner jener jugendlich Ausgelassenen und Sorglosen, die sich die Herzen im Sturm erobern. Sein Wesen war tieferer Art, denen die um ihn waren, verschlossener. Wer gekommen war, um kurz mit der Verbindung zusammen zu sein, der mag ihn wenig kennengelernt haben, aber wenn ihm einer in Wahrheit nahe kam, der mußte ihn in Treue lieb gewinnen. Äußerlich unterschied sich sein Leben wenig von'dem der anderen Bundesbrüder. Aus Stuttgart war er zur Verbindung gekommen, als sie schon ganz im Zeichen des Krieges stand. So wurde das Studentenleben. nicht ganz Erfüllung der Träume, die jeden Primaner und Abiturienten beseelen. Aber Hans Grünwald galt der Zusammenschluß. vom Kommilitonen, die gleiches Schicksal und gleicher Kampf zusammengeführt, *) Der Nachruf für HanS Grünwald, der am 27. Januar 1917 fiel, stammt von Fritz Meyer, der ary 20. September desselben Jahres den Heldentod starb. Kaum sechs Wochen vor seinem Tode schrieb er dem dahingegangenen Bundesbruder die schönen Worte der Erinnerung, -die bisher nicht veröffentlicht wurden, weil die Angehörigen Hans Grünwalds noch nicht jede Hoffnung auf eine Rückkehr des Vermißten aufgegeben Hatten. Leider ist jetzt an feinem Tode nicht mehr zu zweifeln. So veröffentlichen wir denn die von leiser Todesahnung durchwehten Zeilen, um in Wehmut zwei dahingegangene Helden, zwei vortreffliche Menschen zu ehren. galt die Natur Heidelbergs mehr als der Glanz der Farben. Und . im kleinen Kreis der Bundesbrüder war er ein so lieber luftiger Geselle unserer spärlichen Veranstaltungen, daß das Gedenken an ihn unzertrennlich ist von dem der Semester 1914/16. Seine Studien hatte er im Anfang der juristischen Fakultät gewidmet. Aber in seiner literarisch-philosophischen Veranlagung fand er dort nicht Befriedigung. So belegte er im zweiten Semester Philologie, arbeitete mit Freude im literarischen Kolleg und war begeistert von den faszinierenden philosophischen Vorlesungen F. A. Schmids. In den Anfangstagen des Februar 1916 wurde er endgültig zum Heeresdienst einberufen. Bei den Olgagrenadieren in Cännstadt wurde er ausgebildet und kam im Sommer 1916 ins Feld. Schwerer als anderen wurde ihm das Leben des Feldsoldaten, «schwerer das Vergessen der Natur Heidelbergs und ihrer Sommerpracht inmitten des Schmutzes im flandrischen Grabenkrieg. ° Seine Briefe aber, so sehnsüchtig . sie klangen, waren nie trostlos oder klagend; nie verlor er die Hoffnung, einmal wiederzukehren in das Leben, das er so sehr liebte. Kurz nach dem Transport seines Regiments an die Stelle der Arrasoffensive, unter dem 27. Januar, ist Hans Grünwald als schwer verwundet und vermißt gemeldet. — Das Bild eines stumm Ringenden steht vor denen, die ihm nahestanden. Problematisch von Anlage, war sein Inneres erfüllt von Reflexionen über In- und Umwelt, von den Gestalte«: der Literatur, unter deren Banne er stand. So verehrte er die Helden aus Kraft und Stärke und liebte die, -in denen der Wille zum Sieg, zur Überwindung mit einer angeborenen Weichheit, einem sentimentalen Erbteil im Kampfe lag. Indessen arbeitete er unverdrossen an der Gestaltung seines Studiums und seiner selbst. — Der Tag, an dem er von uns Abschied nahm, war einer jener leuchtenden des. Heidelberger Vorfrühlings. Wir waren zur Molkenkur hinaufgegangen, und das Neckartal lag unter uns in zauberhaftem Glanze, Hans Grünwald war tief ergriffen von der Pracht, die er da zurückließ. . „ Wir glaubten damals an keine Vorahnung . . . Und genau ein Jahr später hat unser^Bundesbruder ein Schicksal gefunden, von dem wir nichts wissen, als daß es hunderte der Waffenbrüder im grauen Kleid lautlos verschlang, ohne die letzte Kunde eines Kameraden oder Vorgesetzten- — nichts vom Pathos des Heldentodes, dessen Nachricht erschütternd und ehrend zugleich die ereilte, die ihn kannten und liebten. Hans Grünwald war keine der in Kraft strahlenden Kriegergestalten. Aber wenn je von einem, so galt von ihm das Wort Thomas Manns: