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KC-Blätter · 1920-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1920) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 1-3 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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si einer, dessen Hoffnung auf Jerusalem steht: „O Osten, nimm wieder uns in deine Sonne!" Eine glühende, bilderreiche Sprache haben seine Gedichte, die. sich zum Teil bewußt an Psalmen anlehnen. Gr. Uriel Birnbaum, Gläubige K u n st, R., Löwit- Berlag, Bücher der Arche. 1919. — Uriel Birnbaums Schrift „Gläubige Kunst" ist ein Kampfruf und auch als solcher zu werten. Es ist nicht etwa ein Bekenntnis des Malers Birnbaum als Künstler, sondern des jungen, jüdischen Menschen, der seine religiöse Forderung voll Inbrunst und Begeisterung, aber auch voll Ungestüm in die Welt hinausschreien möchte. Daß hierbei sein Kampfruf zur Anklage werden mußte, ist begreiflich, und man kann ihr ohne weiteres zustimmen, soweit sie die Schäden unserer mammonistrschen „heidnischen" Epoche brandmarkt. Wenn aber Birnbaum zu solchen Resultaten kommt, daß „alle Kunst unwichtig, alle Wissenschaft, alle Philosophie nebensächlich ift", die nicht in grenzenlose Gottgläubigkeit endet, wird man ihm nicht mehr folgen können, besonders nicht seinen wütenden Angriffen auf die Erkenntniskritik und die sozialen Ideale. Man liest mit Kopfschütteln von „Der großen Phrase der Menschenrechte" und daß „Kriege das Beste sein müssen, da Gott es so gewollt hat". Aber das Eine ist nicht zu verkennen, daß hier ein heißblütiger, gläubiger Mensch einen Kampf mit der indifferenten Umwelt kämpft, dem man trotz mancher Verstiegenheit Erfolg wünschen muß. Gr. Golns» Zion und Romantik. Von Sch. Gvrelik: Jüdischer Verlag, Berlin 1918. — Wer dieses schlichte Büchlein gelesen hat, kann sich seinem Banne nicht entziehen. Es sind wirklich lebendige Gedanken darin, und sie ergreifen den Leser mit unwiderstehlicher Macht. Die schwermütige jüdische.Seele, die, in einen ewigen Kriegszustand mit ihrer Uingebung hineingestellt, doch in so inniger Liebe am Golns hängt, der Optimist, der seine stolze Freude an der Kampfbereitschaft und dem starken Glauben seiner Brüder hat, und endlich der Mensch, der auch ohne die Romantik der Trauer wie des frischen frohen Kampfes die Arbeit für sein Ziel verrichtet-sie alle sind ja nichts als drei Richtungen, in denen unsere eigene jüdische Seele sich teilt, uns Weh bereitet, aber auch stolze Freude und unbeirrte Arbeitskraft schenkt. Ganz so will auch der Dichter die drei verschiedenen Personen gewertet wissen. Plötzlich schießt es dem schwermütigen, dem innerlich zerrissenen Juden durch den Kopf, als wären alle die Leute, die sich mit den gegenteiligsten Meinungen an den Gesprächen beteiligt hatten, nur Verkörperungen seiner eigenen Gedanken gewesen, die in seiner zerrissenen Seele einander ablösen, als hätte er keine Debatte geführt, sondern als hätte er selbst nur mit sich selber gesprochen und hätte doch nur immer Recht gehabt. Warm schlägt uns die Sehnsucht, die aus all diesem spricht, entgegen; die Sehnsucht nach einem Vaterlande, und etwas dringt stark und unabweislich auf uns ein, der Gedanke von der Schicksalsgemeinschaft, die wir Juden bilden, trotz der Unterschiede, die die Juden des einen Landes von dem des anderen trennen. Das ist die Gleichheit für alle Juden in den verschiedenen Ländern, daß sie sich ihr Vaterland, jeder das seine, erkämpfen müssen. Für Gorelik ist dieses Ziel bereits vorausgesetzt. Für ihn gibt es nur ein Vaterland, Zion! Aber durch die einzelnen Gedanken klingt es durch, daß mehr der Gedanke des Vaterlandsuchens als der des gegenständlichen Bildes eines neuen Palästina den Vorwurf zu seinen geistvollen Skizzen gegeben hat. Anders die recht gegenständliche Schrift von H. H. van Kol, „Die Zukunft des jüdischem Volkes". R. Löwit-Verlag, Berlin 1919, der mit glühenden Worten öre Auferstehung des neuen Palästina aus dem Jammer und Elend der 2000 Jahre jüdischen Leides aysagt. Sein Buch soll ein.Freund sein, der dem Leidendender auf.dem ewigen Leidenswege zusammengebrochen ist und weinend alles, selbst die Hoffnun verloren hat, die. Hand reicht. Mit hinreißender Gewalt und in eindringlichen Farben schildert van Kol das unerhörte Elend, das der Krieg in den von Juden ■> bevölkerten Gegenden mit sich gebracht hat, wie es für die : jüdische Gemeinschaft gleichgültig war, ob Russe, Pole oder Deutscher diese Gebiete in ihrer Gewalt hatten, wie sie in allen Fällen gemartert und gepeinigt wurden. Und der endliche Zusammenbruch des Krieges bedeutet für ihn die Erschütterung jenes zügellosen Kapitalismus und unersättlichen Imperialismus, welche die Haupt- ' Ursachen des' Krieges nach seiner Ansicht gewesen sind. Er wird die Nationen befreien,,und so auch endlich für das Elend der Juden eine Wendung bedeuten. Nachdem er eindringlich die Leiden geschildert und den Imperialismus der Frieden von Brest-Litowsk und Bukarest als Ungerechtigkeit der Zentralmächte gebrandmarkt hat, geht er dazu über, darzustellen, welche Stellung die Regierungen der einzelnen Staaten zur-Judenfrage nehmen. Dabei stellt er frohverheißend fest, daß die jetzt mächtigsten Staaten der Erde für die Lösung der Judenfrage im national-jüdisch und zionistischen Sinne eintreten werden. Die Erklärung Balfours vom .2. November 1917 bedeutet für ihn die entscheidende Wendung des Schicksals seines jüdischen Volkes. Die französische Revolution sprengte am 27. April 1791 die.Tore des Ghettos. Diese Erklärung aber öffnete den Juden die Pforten Jerusalems. „Jerusalem, sei nun befreit, Jerusalem libeiata.“ Der Erlöser zieht in Jerusalem ein und wird von Taufenden mit dem Rufe: „Schalom" begrüßt, und sie, die jahrhundertelang in Elend und Verbannung lebten, werden wieder glücklich und ftei sein. Die Worte dieses kurzen Buches lassen aufhorchen. Es sind starke Worte, die aus heißem Herzen quellen. Sie sind eine furchtbare Anklage gegen namenlosestes Unrecht, das der jüdischen Gemeinschaft fast ohne Unterlaß zugefügt worden ist und das über die Juden zu verhängen, heute wieder die unverantwortlichsten Kreise des deutschen Volkes die Massen aufreizen. Auch hier wird aus all dem Elend glühend das Vaterland gesucht, ohne es anderswo finden zu können, als in Palästina. Die Glut der Empfindung nach einem freien Vaterlande läßt ihn ganz vergessen, die Frage zu beantworten: „Und die Juden in der Diaspora?" Dies ist die Kluft, die, wie im ganzen Gedankenbau des Zionismus auch in diesem leidenschaftsvollen Buche unüberbrückt bleibt. vr. Urias. eingegangene vücker. LZur Besprechung werden Bücher nur versandt, wenn sie ausdrücklich von der Redaktion verlangt werden. Die für die Besprechung vorgeschriebenen Zeiten müssen pünktlich eingehalten werden.) Dr. KarlHoffiqann, Dieakademis che Jugend und die Parteien. Verlag von K. F. Koehler, Abteilung Grenzboten, Leipzig und Berlin, 1920. feie Wetbücher. Eine jüdische Schriftenfolge, 7. Henry George, Moses der Gesetzgeber, .8. Heinrich Loewe, Schelme und Narren mit jüdischen Kappen. Preis geheftet je 3,50 J&, gebunden 4,50 JL 19M Weltverlag. Ter Erfüllungsdiener. Eine Studie, vornehmlich in den §8 278, 831 B. G. B. mit..den Blicken auf das soziale Arbeitsrecht. Bon-vr. jur-

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