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KC-Blätter · 1920-01-01 · Heft 1-3 (Januar 1920) · p. Seite 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
KC-Blätter
Volume
1920
Issue
Heft 1-3 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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Aber die echte nationale-Idee, nicht das schwächliche Kompromiß, das unter der Fahne des Nationalismus schlimmer ist uls die bewußte ehrliche Assimilation! Und nun grollt es und blitzt es, und die Schläge donnern auf den normalen Durchschnittszionismus der braven Schekelzahler herab. Fürchterliche Musterung hält Klatzkin im Jdeenschatze seiner Gesinnungsgenossen und nichts hält ihm stand. Zunächst geht es an die' Großen. Buber! „Und darf der mit großem Aufwand fremdsprachlicher Formkraft modernisierte Chassidismus als Neubelebung des verschütteten Judentums verherrlicht werden? Er mag das Verdienst haben ein geschmackvoll frisiertes, stilisiertes Judentum salonfähig gemacht zu haben . . ." „Die Ideologie des nationalistisch herausgeschälten Geistes * des Judentums sowie ihr romantisch verziertes Gegenstück, das mit ihr den Boden der nationalen Dekadenz und der nationalen Surrogate gemeinsam hat, nämlich der im Zeichen moderner nüchterner Mystik stilisierte Neuchassidismus: sie Leide können sich wahrlich nicht anmaßen, als Fortentwicklung des geschichtlichen Judentums und als Ersatz für die versiegte Kraft der Religion aufzutreten." Man müßte das halbe Buch ausschreiben, wenn man die treffenden Urteile, gegen Achad Haam, gegen Nathan Birnbaum und die anderen alle, aufzählen wollte, die zugleich zielsichere und tötliche Hiebe sind. „Es gibt eben kein Surrogat für die Religion!" „Ist der Glaube also erstorben, dann gibt es für die Religion kein Nachleben, kein Weiterleben. Gott hat keine Erben." Und wie köstlich ist das Wort über den modernen Gottessucher: „— der Eifer und die Unternehmungslust im Gottsuchen stehen gewöhnlich in einem geraden Verhältnis zum Gott-Verlieren". Sehr nachdenklich sollte die Vertreter mancher Richtungen sein Urteil über den Einfluß der Christentums machen. „Christelt es nicht selbst in den Reihen der^ Nationaljuden? Auch sie konnten nicht der Verfänglichkeit des christlichen Külturmilieus" sich gänzlich entziehen, auch sie konnten wegverloren nicht dem Zauber christlicher Mystik völlig entsagen. Ihr Bewußtsein ist schon zu einem guten Teil christlich gefärbt, christlich assimiliert." Was sagt er über die Jünglinge und Jungfrauen, die mit ihren so wunderbar zerrissenen Seelen und der - unendlichen Tiefe ihres Jchs so nett kokettieren? „Kann die auch noch so reuevolle Beichte moderner Zwiespältigkeit und Zerrissenheit als wirkliche Abkehr vom. Unjudischen und als wahrhafte Rückkehr züm Jüdischen angesehen werden?" Und manche Schriftsteller — Max Brod und Arnold Zweig nebst ihren Kreisen — enthalten folgendes kräftige Sprüchlein ins Album: „Darf etwa jenes schöngeistige Bekennen moderner Literaten, die> dem Judentum entrückt, sich in einem Pathos der Distanz zuweilen ftir das Judentum wie für etwas Exotisches begeistern, über die um sich greifende Verwüstung des lebendigen Volksgeistes hinwegzütäuschen?" Und wie heißt es von den Zionisten, von jenen, die im Bewußtsein des Besitzes patentierten echten Judentums uns armen Assimilanten tagtäglich versichern, wie entjudet wir sind? Von jenen, die für Hebräisch als die Sprache ihres Volkes schwärmen Und die — nebenher gesagt — ihre Gesinnung durch Ankauf einer hebräischen Grammatik und Teilnahme am — Beginn eines hebräischen Sprachkursus betätigen? „Sind Nationaljuden weniger als Assimilationsjuden sprachlich-kulturell assimiliert, assimiliert geblieben? Sind ihre Seelen weniger von ftemden Bildern, fremden Liedern, Klängen, Farben erfüllt? Auch sie empfangen und nähren ihre Bildung aus einem fremden Volksborn, aus einem ftemden Schrifttum: auch sie geben ihre Schaffenskraft dem nichtjüdischen Werk, erbohren ftemde Quellen, speisen fremde Nationalkulturen mit Talenten und Virtuosen, Fortbildnern und Unwertern, kurz, sie befruchten und bereichern fremde Sprachen und Literaturen. Und heißen nationale Juden." Und noch herzerquickender als dieser Schlag gegen die nationale Phrase ist der weitere Hohn, der: er auf den.selbstgefälligen mrd selbstgerechten, sich spreizenden und sich vordrängenden Dünkel derer gießt, die das Judentum allein gepachtet haben. „Ist denn der westeuropäische, jüdische Nationalist mehr Jude als der jüdische Assimilant? Sie sind in gleichem Maße dem ftemden Volksgebilde angegliedert, in die ftemde Kulturgemeinschast eingestellt; sie sind beide gleich assimiliert, leben national unjüdisch; sie sind — vom Gesichtspunkt der nationalen Attribute aus bewertet — beide keine Juden mehr." Ganz klar ist sich Klatzkin über den Unwert einer Forderung wie die der nationalen Autonomie, die leere Demonstration ist und bleibt. „Wir sind im Galuth als Nationalisten immer im Nachteil; wir sind es sowohl im Nationalals auch im Nationalitätenstaate. Das nationale Bekenntnis legt uns mehr Pflichten auf als es uns Rechte gibt; verpflichtet uns das Primat und Privileg der Landesnation oder der Mehrheitsnationalität zu respektiven, gewährt uns jüwch' als Subnation nationale Minimalrechte, die im Verein, d. h. ohne Konflikt mit den Bollrechten des Territorialvolkes keine hinreichende Wirksamkeit besitzen, um uns auch nur ein nationales Existenzminimum, geschweige denn nationale ferner zu verbürgen. — Unsere nationalen Rechte, die wir fordern und erlangen müssen, werden daher zu einem guten

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