KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 137 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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137 ihm viele treue Freunde. Alle, die mir ihn gekannt, werden den gewissenhaften, wahrhaft vornehmen, von seltenem Pflichtgefühl beseelten, klugen und allzu bescheidenen Freund und Bundesbrnder nie vergessen. Wir K. C er aber und besonders der Landesverband oberschlesischer K. C.er verehren in ihm einen begeisterten Anhänger unseres Bundes. Am Mittwoch, den 18. Juni 1919 fand die Uebcrführung der Leiche nach Kattomitz statt. Die Verbindung Thuringiae hatte ihre Chargierten entsandt, die ihm die legten Ehren erwiesen. l8 Kartell- und Bundcsbrüder begleiteten die Bahre des Verblichenen; am offenen Grabe sprach Kbr. Schwarzer (Thuringiae) ein paar kurze Worte. Im Anschluß daran fand ein'Trauersalamander statt. Wereinigungen von Studentinnen. Studcminnenoerbindung mit K. C.-Tendenz „Heoellia". Wir schlossen das Sommersemester durch einen Konvent am 18. Juli. Während des Semesters fand allwöchentlich ein Offizium statt, abwechselnd Konvente und wissenschaftliche Abende. Wir nahmen an den Fuchsenstundcn der „Spreoia" und den Vortragsabenden aller Berliner K. C.-Verbindungen teil und folgten ihren Einladungen zu Frühschoppen und Ausflügen. Am 26. Mai veranstalteten wir zur Förderung der Keiltätigkeit einen wissenschaftlichen Abend, an dem Rechtsanwalt vr. Kurt Alexander über die Bedeutung einer Sludentinnenverbindung mit K. C--Tendenz sprach. Dem Sportverein „Die Kameraden" stellten wir uns zu Führungen und zur Leitung von Heimnachmittagen zur Verfügung. Je zwei unserer Mitglieder vertreten die „Hevellia" in der ^Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Jugendorganisationen", in der studentischen Ortsgruppe und im Hauptvorstand des Zentralvxreins Mit den Schwesteroereinigungen in München und Breslau stehen wir in Unterhandlungen zwecks Abschluß eines Kartells. Die Chargenwahlen für das Zwischensemester ergaben: Cäcilie Richter X, Helene Wiesenthal X X, S. W., Margarete Cohn X X X, K. W. Gründung einer Studentinnenoerbindung mit Zentraloereinstendenz in Breslau. Am 19. Juni dieses Jahres waren die Vorarbeiten, in denen uns Vertreter der hiesigen Verbindung im K. C. „Thuringia" tatkräftig unterstützten, soweit gediehen, daß wir zur Gründung eines Studentinnenoereins schreiten konnten, der seine Mitglieder auf dem Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung zu selbstbewußten Juden erziehen will. Obwohl uns der Gedanke einer derartigen Gründung schon lange beschäftigte, scheuten wir doch davor zurück, einerseits den politischen Zwiespalt in die Reihen der jüdischen Studentinnen zu tragen, andererseits die Parität des allgemeinen Studentinnenvereins Breslau zu stören. Als nun aber am 20. Mai dieses Jahres auch hier in Breslau ein zionistischer Studentinnenverein ins Leben gerufen wurde, und gleichzeitig das Entstehen einer Breslauer Zweiggruppe des bekannt antisemitischen „Dcutsch-Akademischen-Frauenbundes" vorgesehen war, glaubten auch wir mit der Gründung eines Studentinnenvercins mit Zentralvereinstendenz nicht länger zögern zu dürfen. Unser Vereinsleben gestaltet sich derart, daß wir an einem offiziellen Vereinsabend in der Woche im Heim des hiesigen Wanderbundes „Kameraden", welches dieser uns in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat, abivechselnd Konvent und Vortrags- bzw. Diskussionsabend abhalten. Zu letzterem, der uns über jüdische Fragen auiklären und mit jüdischer Literatur, Geschichte rmd Wissenschaft bekannt machen soll, haben wir auch persönlich interessierte Mitglieder des K.C. wie der hiesigen akademisch-wissenschaftlichen Vereine herangezogcn. Inoffizielle gesellige Abende. Ausflüge und Sport bringen unsere Mitglieder persönlich einander näher. Am 16. Juli 1919 veranstalteten wir unsere Gründungsfeier. bei der wir die offiziellen Vertreter der hiesigen Ortsgruppe des Zentralvercins. sowie seiner Jugendgruppe, der Verbindung im K. C. „Thuringia". der Verbindung am jüdisch-theologischen Seminar „Amicitia", der hiesigen akademisch-wissenschaftlichen Vereine und des Wanderbundes „Kameraden" begrüßen konnten. Der Vorsitzende der Jugendgruppe des Zentralvercins. Herr vr. Artur Wolfgang Cohn hatte in liebenswürdiger Weise für diesen Abend das Referat übernommen. Er wie die anderen offiziellen Vertreter bekannten sich in warmen Worten zu den Idealen, die uns bei unserer Gründung geleitet hatten. Den Vorstand bilden: oanä. med. Käte Lindner, Vorsitzende, stud. med. Alice Lautcrbach, Schriftführerin, stud. med. Frau Else Steuer, Kassenwart. Wanderöewegung. Am Sonnabend, den 19. Juli, trat auf Veranlassung des Beuthner „Kameraden" - Vereins in Kattomitz ein Gründüngsausschuß unter Vorsitz von Herrn vr. med. W. Reichmann (Ghib.) zusammen. Der Einladung waren gegen 35 Personen gefolgt, die nach Referaten des Herrn vr. Reichmann-Kattowitz (Ghib.), Assessor Schlesinger- Königshütte (Thur. Bav.), des Herrn Münzer-Königshütte und des. Herrn Walter Böhrn-Beuthen eine Gründung der „Kameraden"-Ortsgruppe Kattomitz beschlossen. Mit intensivster Arbeit wurde sofort begonnen und bereits am Mittwoch, den 33. d. Mts., konnte die erste Versammlung stattfinden. Es war in der kurzen Zeit von vier Tagen gelungen, eine Turn-, Wander-, Tennis-, Kegel¬ und Schwimmabteilung zu gründen, zu der sich uns tüchtige Sportkräfte zur Verfügung stellten. Ein Komitee für geistige Interessen wird noch gegründet, desgleichen wird in allernächster Zeit Herr vr. Reichmann einen „Verbandskursus für erste Hilfeleistung" beginnen. Zu unserer ersten Versammlung am Mittwoch, den 23. d. Mts., konnten wir über 150 Personen um uns sammeln, ein Beweis dafür, daß trotz der Ferien, da alles verreist ist, doch allgemeines Interesse „den Kameraden" entgegengcbracht wird. Wir hatten die große Freude, Herrn Rabb. vr. Goldschmidt aus Königshütte als Referenten für die erste Versammlung bei uns begrüßen zu können. Vom Zentralvereinsoorstand war der erste Vorsitzende, Herr Prof. vr. Goldschmidt, Herr vr. Reichmann, gleichzeitig als Vorstandsmitglied des Landesverbandes „Oberschlesischer K. Cer.", und Herr Gaßmann erschienen. Herr Rabb. vr. Goldschmidt legte mit packenden Worten Zweck und Ziele der „Kameraden" dar, setzte mit prägnanten Sätzen den Unterschied zwischen Zionisten und uns Deutschen Juden auseinander und wies einwandsfrei nach, daß nunmehr die Zeit der Neutralität vorüber sei; es müsse jetzt klar heißen — auch für die Jugend —: Hier Nationaljuden, hier Deutsche Juden. Und den schweren Fehler, den wir begingen, daß wir den Nationaljuden Zeit und Gelegenheit ließen, die Kinder für sich langsam und systematisch zu erziehen, zu beeinflussen und mit dem national-jüdischen Interesse zu benebeln, diesen schweren Fehler müssen wir jetzt, der Zentraloerein und die „Kameraden", wieder gut machen, indem wir uns an die Jugend, besonders auch an die früheste Jugend wenden.