KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1919
- Issue
- Heft 3-4 (März 1919)
- Date
- 1919-03-01
- Page
- Seite 48 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— vom Monotheismus und seine Ethik. Ein anderer Jude, der unseres Wollend war — Hermann Cohen — hat in dem schönen Buche „93om ewigen Frieden" einen Abschnitt geschrieben, in dem er sagt, daß'wir voll Diskretion und Scheu das ehren, was anderen heilig ist, daß uns aber eine Ethik unb eine Idee in unserer Lehre enthalten ist, auf der das Christentum erst baut — daß Evangelien und Propheten im Sittlichen keine Verschiedenheit bieten, daß nur Trinität und reiner Monotheismus des „adonoi echod“ uns trennen. Und darum können wir auch nicht als Juden — Christum als unser Recht zurückverlangen — da er ja frei sich von unserer Lehre schied, frei bekannte, daß er Neues verhieß und Neues zeigte, daß er ein König der Juden war, aber anderer Juden, als wir sind. Nichts wird unsere jungen Freunde besser bestimmen, deutsch zu sein mit jeder Faser — als die Worte Ihres Buches von der Gleichheit des Judenhasses und des Deutschenhasses, beide gleich niedrig, gleich feig und gleich schlecht für die Hassenden — mehr als für die Gehaßten. Doppelt müssen sie sich so als Gehaßte geehrt fühlen und verpflichtet zu rechtem Tun, als Deutschgehabte und Judengehaßte, und müssen sich ihrer selbst bewußt werden, wie es unsere Satzung verlangt, ihrer selbst und ihrer Kraft. Da werden sie von Ihnen auch erfahren, wie man die Kraft anwendet, wie man züschlägt und zupockt, wie man Dinge bei ihrem Slawen nennt und Begriffe schmiedet, ober nicht anfaßt wie Porzellantäßchen, wie man nicht die „Judenvcrrückten" „logisch korrigieren" kann, sondern als Wahnsinnige bedauern müßte, und lernen von Ihnen wieder, wie religiös, besser wie menschlich Ihre Gedanken sind: „So jemand spricht, ich liebe Gott und hasset seinen Bruder, der ist ein Lügner." Judenhaß — Menschenhaß — und aller Haß ist krankhaft, gemein und ti aurig — das ist die Lehre der Revolution auch, die in Wahrheit die Freiheit bringen will, des Körpers und des Geistes. Nichts ist zu maskieren bei diesem Haß. er bleibt was er ist, ob mit Massentheorie, blödnmügen Statistiken, dummen Verallgemeinerungen, frechen Lügen und Verleumdungen — und immer ist er derselbe, ob er sich in Ahlwardt, Chamberlain oder in einem teutscheln« den Oberlehrer mit dem Bakel manifestiert — Sie haben recht, es uns so herzerfreuend deutlich zu sagen, wir sollten uns nicht verwirren lassen, daß Sie uns lehren, obwohl wir anderen Ursprungs sind, wir gleichen Wollens, gleichen Willens zur Nation sein können, und nach diesen Jahren wissen wir es — nichts weniger zu Gleichen macht als die Zugehörigkeit pi einer Rasse Und wenn wir uns selbst ganz um und umgewendet sehen, so haben wir einen schönen Spiegel auch unserer Fehler — die mit den Entschuldigungen beginnen, daß wir Juden sind, und i» unseren Bestreben endigen, immer alles so machen zu wollen, daß cs. anderen gefällt und der törichten Ueberzeugung sind, dadurch besserten wir irgend etwas. Wenn noch im vierten Jahre des Weltkrieges sich jüdische Sludenten hinstellen und sich mit den christlichfeudalen Korporationen zusammentun zu einem „nationalen Studentenverband „mit Ausnahme der radkialcn Sozialdemokraten", dann haben wir auch einen Fehler unserer selbst, indem wir uns toller gebärden in der Wut, den „and.ren" unsere „gute Gesinnung" zu zeigen — als nötig ist und nützlich — denn wo sind die radikalen Sozialiuen'je so dumm im Menschenhaß gewesen und im Judenhaß wie die anderen — beides so wenig deutsch, so wenig förderlich für bas deutsche Volk?! — Und dreifach recht haben Sie, den jüdischen Chauvinisten, den Zionisten zu sagen, daß ihre Betätigung gegen die Nichtzionisten manchmal nicht besser sei als Antisemitismus Und . so möchte ich Ihnen zustimmen, und mit Ihnen streiten und gleich jetzt meinen Bundesbrüdern Ihr Buch vorlesen und besprechen, wenn es nicht besser wäre, sie lesen es selbst und nehmen es so in sich auf, wie wir es alle notig haben. Sie urteilen oft zu grimmig, oft zu milde, aber immer mit dem rasenden, ringenden Willen zur Wahrheit und zum Recht, und deshalb sind Sie - auch, weil Sie alle Quellen uns bieten von Kant und Fichte, von Spinoza und Grimm, von Hegel und Constantin Brunner, eine unerschöpfliche Fundgrube des Wissens vom Judentum. Wir, die vom Bunde des K C. sind wohl Juden, wie Sie sie sich wünschen, oder wollen es wenigstens sein, und daß wir Deutsche sind > in Ihrem Sinne, das beweist unsere Existenz, beweisen unsere Kriegsfreiwilligen und Gefallenen, beweisen aber auch Ihre Worte, die unsere Gedanken stnd: „Ja, wir lieben unser Vaterland — wie soll man sagen, was so schwer zu sagen ankommt? Wir sagen das nur gezwungen, und schämen uns das zu sagen, daß wir unser Vaterland lieben : weil es ja so unnatürlich und schändlich ist, sein Vaterland nicht zu lieben — und gegen die Scham ist auch zu sagen, daß man es liebe, besonders in Zeiten wie den unsrigen, wo viele das so thrasonisch sagen; überhaupt wohl eignet Vaterlandsliebe. den Menschen, wie andres Bestes, im umgekehrten Verhältnis zu ihren Reden davon. Dennoch: da es denn gesagt sein muß: Wir lieben unser Vaterland mit unserem ganzen Menschsein. Nächst dem, was mehr in uns ist. als das Menschsein und aus dem unvergänglichen Namen — nächst der ewigen Wahrheit ieben wir nichts mit so heißem Herzen, mit solcher Urgewalt und Leidenschaft als unser deutsches Vaterland, und wir wollen mit Hingabe und Treue vergelten auch da§, was anderes als Hingabe und Treue an uns tut —." In so vielem gehen wir einig, bei Ihnen wie bei uns steht zu lesen, was uns zu Deutschen macht: die Sprache, die Geschichte, das Kulturbewußisein, die Schicksale, die Kulturarbeit, und „daß nichts zu finden ist, weswegen man sagen könnte, die von Abstammung jeglicherKlt können Deutsche sein, mit Ausnahme derer von jüdischer Abstammung" — ja, daß wir bessere Deutsche sind als die Judenhasser, die kein „Deutsch verstehen, kein Vernünftig, kein Menschlich und in Finsternis liegen, zu der ein Gott vergeblich spräche: Es werde Licht." Und wie Sie später nicht mehr als Narren die bezeichnen, die an die Besserung glauben, wenn Sie nur arbeiten daran, so werden Sie auch uns Juden schließlich zubilligen, daß wir nur deshalb uns von den antisemitischen Narren nicht anpöbeln lassen sollen, weil wir jüdische Namen tragen. Selbstbewußtsein — Sclbstvervollkommnung — das wollen wir wie Sie — ober was hat das mit dem Namen zu tun? sind Sie. der Ringer um Wahrheit, plötzlich so ein feiner Diplomat geworden, oder ist es nur das Helfenwollen, das Ihnen diesen Streich spielt? Nein, wir hgen nichts ab von dem, was wir sind, nicht unser Deutschtum, nicht unser Judentum, nicht unsere Namen, und mag er anderen noch so übel klingen — untere Mutter hat ihn ja apch getragen!! — Und nun lassen Sie mich Ihnen danken für Ihr Buch und Ihnen sagen, daß ich hoffen möchte, Ihr Geist möchte lebendig bleiben in unserem Bunde. Ihr ergebener Hermann Salomon.