KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 24 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- Seite 1169 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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1169 mit den Alltagskämpfen beschäftigten und von ihrem Lärm betäubten Tagesschriftsteüer möglich ist. Jederzeit wird das Buch ein hervorragendes Denkmal für den überragenden Kulturgeist des besten Teils der deutschen Bevölkerung bedeuten. Und auch von diesem Gesichtspunkte aus kantl seilte Lektüre nur dringend empfohlen werden. Es macht bescheiderl und doch stolz. „Der Friede". Wochenschrift für Politik, Volkswirtschaft und Literatur. Herausgeber Dr. Benno Karpeles, Wien, Fleischmarkt 1. Die Nummern 33 bisSL dieser auch sonst interessanten eitschrift enthalten Artikel über den Zionismus. Max rod macht einen Versuch, den man nnr scherzhaft auffassen kann, nänrlich den Zionismus gewissermaßen als schnellsten Weg zur Verwirklichung der Menschheitsidee allfzufaffen. Als ob inan zunl Abstinenzler wird, indem man sich zlnrächst ein,nal dem Alkoholgenuß gehörig hingibt. Daß nach dem Prinzip der Abschreckung auch der Zionismus den Weg zur messianischen Höhe abkürzt, steht freilich auf einern anderen Blatt. Den kraffen, aber mit maßloser Selbstsicherheit vorgetragenen Anschauungen Brods tritt Julian Gumpertz klar und überzeugend entgegen. Ueber die Mission des Judentums schreibt Eugen Höflich und liebäugelt mit seinen a»lch au anderer Stelle dieses Blattes behandelter Marotte, daß das Judentum als asiatische Gemeinschaft in Palästina vor dem Gifthanch europäischer Kultur bewahrt werden müsse. Jüdische Flüchtlinge. Szenen und Gestalten von Otto Abeles. 1918. 3t. Lönüt Verlag, Wien-Berlin. Der Golusjude im neuen Golns! Der galizische Kriegsflüchtling in Wien! Abeles schildert, wie des Inden Seele sich auf die Schrecken der Zeit und den Haß der Umgebung cinftelit. Seine Skizzen sehen den Ösljudeu im Alltag, in den Leiden des <Siu$etueu, und darum gewinnen sie Lebendigkeit und Wahrheit. Vielleicht folgt der Verfasser etwas zu sehr der Gewohnheit schlechter Novellisten und redet zuviel von der Tendenz, init der er seine Gestalten schildert. Sie ist aber keineswegs gesucht und in die Dinge hineingetragen, sondern sie spricht aus den armen verprügelten geduckten Menschen. Und so ist auch dieses Büchlein ein hohes Lied auf alle Tugenden, die dem Ostjuden die unverwüstliche Kraft im schweren Schicksal geben. Selbstmord oder neues Leben. Ein Wort zur Bevölkerungspolitik der deutschen Juden. Bon Professor Eugen Wölbe. 1918. Orania-Berlag, Berlin. Teilhaber hat, soviel man auch gegen die Zahlen und Schlüsse des Buches einwenden mag, durch den „Untergang der deutschen Juden" das Gewissen ein wenig wachgerüttelt. Und eine neue Frucht des Bäumleins, das in Teilhabers Anschauungen wurzelt, ist Wolbes Schrift, die,res wird nicht gesagt. Die Schilderungen sind im allgemeinen richtig. Die Vorschläge zur Besserung sind aber nur Mittelchen. Eine soziale Erscheinung, beispielsweise wie die späte Ehe mit Fn'ih-Ehekaffen bekämpfen zu wollen, ist wenig mehr als ein schlechter Witz. Und die geringe Kinderzahl der Juden hebt sich weder durch pathetische Deklamationen, noch durch moralische Standpauken. Eugen Höflich: Der Weg in das Land. Palästineniische Aufzeichnungen. 1918. R.Löwit-Berlag, Wien-Berlin. Eugen Höflich weiß nett zu plaudern und gut zu beobachten. Man liest seine Skizzen und fühlt sich den Menschen und Dingen näher. Leider steht er aber unter der faszinierenden Macht einer Manie, in die er sich hineingeredet hat. Sein Schlagwort lautet, daß das Judentum nicht nur körperlich, sondern auch seelisch nach Asten zurückverpflanzt werden müsse, und wie ein roter Faden windet sich durch das Buch der Wunsch, die europäische Kultur möge nicht in das neue Palästina einziehen. Bon diesem unklaren Schlagwort kommt er nicht los. Wie weit europäische Kultur geht, wird nicht deutlich, da er manche Ausnahme machen muß. Und was das positive Wesen asiatischer Kultur ist, erkennt der Leser nicht, vielleicht weil es auch der Verfasser nicht weiß. Im übrigen aber ist das Büchlein, das wie alle Veröffentlichungen des Löwitschen Verlags selbst in der Kriegszeit sich durch Papier und Ausstattung vorteilhaft empfiehlt, sehr lesenswert. Grundzüge der biblischen Geschichte in nachbiblischer Zeit, von Professor Dr. Feilchenfeld, Direktor der Realschule in Fürth. Berlin. Verlag von L. Lamm. 1918. Ans etwa 100 kleinen Seiten hat Feilchenfeld die gesamte nachbiblische Geschichte dargestellt und damit eine angenehme und nützliche Lektüre geboten. Darüber hinaus wird das Büchlein aber von großem Nutzen für die Wiederholung der wichtigsten Ereignisse aus der Geschichte unserer Gäter fein. Die Fuchsmajore für Tendenz seien besonders darauf aufmerksam gemacht, denn es wird in den Fuchsenstunden mit besonderem Nutzen gebraucht werden können. Wenn in einer neuen Auflage ein Inhaltsverzeichnis und eine Zahlenlabelle hinzugefügt rverden könnte, würde sich der praktische Wert des Büchleins bedeutend erhöhen. Am Tage des Gerichtes. Erzählung von Benjamin Segel. 1918. Nibelungen-Berlag, Berlin W. Gerade hatte ich einen „geistreichen" Essay eines nattonaljüdischen jungen Mannes über die „Zerrissenheit" der jüdischen Seele gelesen, als mir Segels Erzählung vor die Augen kam. Und schon war das schwüle und krankhafte Gemisch von Spitzfindigkeit und egoistischem Weltschmerz’ vor der erhabenen Klarheit eines schlichten Bildes wahren jüdischen Wesens verblaßt Schlicht ist die Fabel. Ein Jude findet plötzlich ln seinem Besitze eine große Geldsumme, deren Verlust vom Eigentümer nie benlerkt werden konnte, die ein gewöhnlicher Mensch aus tausend Gründen anstandslos behalten hätte. Auch an ihn tritt die Versuchung heran. Der Versöhnnngstag aber, der Tag deS Gerichts, bringt ihn auf den rechten Weg zurück. Vor Nello gibt er dem Verlierer sein Eigentum zurück. Nicht die stille, ethische Schönheit der Darstellung allein ist es, die den Leser segelt und rührt. Er fühlt es, daß Simon Berg ein Typus ist! So denken sie eben alle, die im wahren Judentum leben, so handeln sie, weil sie nicht anders können. Und mehr als mancher umfangreiche Beitrag zur Ostjudensrage verrät uns das anspruchslose Büchlein. Denn es enthüllt uns die Seele diese- Volkes, seine starke, keusche Seele, deren Kraft auf dem Heimatboden der Thora erwächst. Unsere jüdische Heimat in ihrer wunderbaren Schönheit, unsere ewige Lehre ersteht vor unserem inneren Auge in ihrer allbezwingenden Macht. Und die ihren Boden verloren haben, das sind die armen Heimatlosen, die ihre „zerrissene, jüdische Seele" zu geistreichen Essays parzellieren. F. G. (Thur.). Bei der Redaktion sind folgende Bücher eingegangen, die zur Besprechung zur Verfügung stehen Das Bedürfnis der jüdischen Jugend, von Dr. Gustav Löffler, Frankfurt a.M. (Dieses Referat wurde in der erweiterten Borstandssitzung des BerbandeS der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands am 9. Mai 1918 erstattet.) „Jiskor", ein Buch des Gedenkens an gefallene Wächter und Arbeiter im Lande Israel. Mit einem Geleitwort von Martin Bubser. Jüdischer Verlag, Berlin. 1918. Die Judenpolitik der rumänischen Regierung» von Dr. S. Bernstein. Herausgegeben vom Kopenhagener Büro der Zionistischen Organisation. (Deutsch, Englisch und Französisch.) Kobenhavn, Martins TruelfenS Bogtrykkeri. 1918. Die Sünde wider das Bürt. Ein Zeitroman von Arthur Dimer. Im Wolfverlag, Leipzig. 1918.