KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1918
- Issue
- Heft 24 (September 1918)
- Date
- 1918-09-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Kriegs ausgabe September-Oktober 1918 24. Heft Fortsetzung. In schwerer Stunde. j Wenn diese Blätter in die Hände unserer! Kartellbrüder gelangen, wird die Schicksalsfrage; des deutschen Volkes entschieden sein. Mit bangem Herzen haben wir die vergangenen Tage durchlebt, die Ereignisse in sinnverwirrender Fülle von gewaltigster Bedeutung gebracht haben, und mit tiefstem Schmerze in der Seele haben wir empfinden müssen, datz der Druck der Feinde von Tag zu Tag zunahm, fodatz unsere politische Lage innner schlechter wurde. Gerade aber in der Stunde der Not empfinden wir deutschen Juden gewiß, wie tief innerlich unser Verhältnis zum deutschen Vaterlande ans dem Bewußtsein unserer innerlichen Zusammengehörigkeit begründet ist. In einer Zeit, die die innerste Zusammenfassung aller Kräfte, die Besonnenheit aller Freunde des Vaterlandes verlangt, stellen wir alles Trennende zurück und gliedern uns in die Reihen unserer Volksgenossen ein zur gemeinsamen Arbeit für das Wohl der Gesamtheit. Weiche Wümche wir als deutsche Juden auch hegen, welche Forderungen wir auch erheben »nutzten, in dieser Stunde fühlen wir ohne Unterschied unserer politischen Sonderstellung nur das Große, das uns alle eint, die Not des Vaterlandes und die gebieterische Pflicht, mit aller Kraft zu Helsen. Wenn weiter gekämpft werden mutz, werden »vir kämpfe»», getre»»lich aber werden wir Mitarbeiten an dem inneren Frieden und einem »reuen Aufschwung des deutschen Volkes. Wir »vissen allesamt, datz die deutsche Volkskrast ungebrochen ist und datz trotz des Bedrückenden, das auf uns einstürmt, die Saat einer neuen eit herrlich aufgehen kann, wenn des gesamten olkes Wille die Entwicklung trägt. So betrüblich auch die Erscheinungen der Stunde sind, wir dürfen auf einen Wiederaufbau hoffen. Und in der Reihe derer, die getreulich an deutscher Zukunft Mitarbeiten, werden ganz gewiß die deutschen Juden nicht fehlen. An erster Stelle werden dabei die Mitglieder unseres Verbandes stehen, wenn es seine Ideale durch persönliche Arbeit zu verwirklichen gilt. Die Zukunft ist dunkel und doch ist sie hell. Die politischen Stürme der Zeit werden vorübergehen und eine neue Zeit der Arbeit wird beginnen. Getreu den Vorschriften unserer erhabenen Religion werden wir deutschen Juden nicht nur > hoffen, sondern der Hoffnung durch unseren Willen! die Verwirklichung erzwingen. Gott schütze unser Vaterland! Romain Rolland's „Johann Christof'»" und seine Stellung p Juden und Judentum. Bon Privatdozent l)r. mcd. Felix Rosentha! sTbnr.) Oberarzt i»n Felde. In das Chaos der Weltkatastrvphe klingt eine Stimme des europäischen Gewissens hinein, die durch den Sch lach teil lärm »richt erstickt wird und die ihn überdauern wird, »veil fie neue Menfchheitslvege mit einem ungewöhnlichen geistigen und seelische;- Reichtum weist und Hauch des Wesens eines großen Menschen »md Dichters ist. Er hat den Mut und die Gabe, da- Mewchheitsideal der Verbrüderung in Reinheit wieder auszurichten und Brücken zu schlagen zwischen den Böi kern, die haßerfüllter VermchtrmgKwille zu Hekatombeu-Totenopsern gegeneinander peitscht. Sern Blick schwinut über da-- L-?vafeld des Krieges hinüber in die Gefilde des Friedens, »vo verschüttete Queller» zu gegenseilger Befruchtung eiuft wieder springen tue eben und die Schwingungen der Völker mit ihren Gleuchklängen und Diffonanzen z»r neuen Harmonien sich vereinigen werden. Auch Romain Rolland, der Franzose, hat der Kriegsfurie feinen Tribut gezollt. Als Me siegreichen deutschen Heere Belgien rrn Siu-mlaur durchstießen, ist er einer der getreueren Hasser der deutschen „Hunne»»" gemese»». Aber dieser Hatz, der heute eine Welt gegen Deulrchland in Flammen halt, ist bei ihm nur Episode geblieben. Längst hat er Einkehr gehalten »md sich zu einer gerechteren und leidenschaft-freien Betrachtung durchgerungen. Verfolgt von den Schmähungen seiner Landsleute, in deren Augen *) Der große Roman Romain Rolland's, während der Jahre 1904—1909 erschienen, liegt heute in der Uebersetzung von Otto und Erna Grautoff in drei Bänden vor, von denen der erste „Johann Christofs Kinder- und Jugendsahre" 1914 vor Kriegsausbruch herauskam, »vährend die Herausgabe des lepten Bandes „Johann Christof am Ziel" sich wegen des Krieges bis 1917 verzögert hat. (Verlag von Rütte,: & Loenig, Frankfurt a. M.)