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KC-Blätter · 1917-05-01 · Heft 17 (Mai 1917) · p. Seite 881

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Journal
KC-Blätter
Volume
1916-1917
Issue
Heft 17 (Mai 1917)
Date
1917-05-01
Page
Seite 881 (sequence 15)
Language
German
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881 bereits bei seinem Entstehen in sich. Auch von diesem Versinken in krassen Aberglauben, von der Wiffensfelndlichkeit und dem Ertöten der kraftvollen Energie der Persönlichkeit vermögen diele Erzählungen dem tiefer schürfenden Leser manches z,l künden. Daß die Ausgabe selber, sowohl was die Auswahl wie die deutsche Wiedergabe betrifft, eine wertvolle Bereicherung der Literatur über das Ostjudenlum darstellt, sei ausdrücklich hervorgehoben. G. Dr. Solomon Kaßner. Die Inden in der Bukowina. Wien und Berlin. R. Lörvit. Verlag 1917. — Preis zwei Kronen. Vor fahren machte ich einmal eine Studienreise, um ostjüdisches Leben kennen zu lernen. Und als ich das unendliche Elend Rumäniens hinter mir hatte, um die nicht weniger trostlose Einöde Ostgaliziens zu betreten, fühlte ich mich in einer ganz anderen Welt, als ich für wenige Tage in Czernowitz Halt machte, und auch das Judentum der Bukowina in feinem Wesen wn& Wirken sah. Wie Czernowitz selber, eine fast deutsche Stadt inmitten des slavischen und romanischen Rahmens, seltsam von der Umgebung absticht, so zeigen auch die Jude»» des Landes trotz der schroffsten Gegensätze — dicht bei der von modernem jüdischen Leben erfüllten Stadt Czernowitz erhebt sich die Residenz des chassidischen Zaddlk in Sadagora — eine Höhe der Kultur, der politischen Einsicht und des jüdischen Strebens, die man ir» weiter utunbe vergeblich sucht. Von dieser Oase im fernen Osten erzählt uns nun das Büchlein von Kaßner. Keine Plauderei, keine Reisebeschreibung gibt der Berfaffer, sondern eine gründliche Studie, die die wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zustände dieses Kronlandes ebenso klar und eindringlich schildert wie die geschichtliche Entwicklung seiner jüdischen Bevölkerung. Daß die neue Zeit, die unsagbaren Leiden des Krieges, die Aussichten auf künftiges Gedeihen und Blühen berücksichtigt werden, versieht sich bei der Gründlichkeit der Darstellung von selber. Und da die Schrift nicht nur trockenes Material gibt, sondern mit den» erzen geschrieben ist, liest sie sich leicht u»»d spannend, em Wunsche deS Verfassers, daß der schönen österreichischen Bukowina und ihren Völkern eine glückliche Zukunft beschieden sei, »vird sich auch jeder deutsche Leser aufrichtig anschließen. G. Wlad. W. Kaplun-Kogan. Die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen. Eine statistische Studie. Verfaßt im Aufträge des „Komitees für den Osten". R. Löwit-Derlag, Berlin-Wien 1917. Preis geheftet 0,80 Mk. 23 Seiten. Die Literatur über die Lage der Juden in Polen wächst von Tag zu Tag. Fast alle das gesamte Judentum berührende Fragen treten uns bei der Behandlung des östlichen Problems entgegen. Bon neuen» müsse»» unsere Anschauungen über Raffe, Nation, Staat, soziale Schichtung und ähnliches zur praktischen Anwendung gebracht werden. So kann man es niemanden ver. denken, wenn er beim Erscheinen eines neue»» jüdischpolnischen Buches nicht gerade mit Begeisterung an Lektüre und Besprechung geht. Aber keine Angst! Bei Kapl»»n-Kogans Schrift können wir unsere Theorien doch zu Hause laffen. Es ist nur eine statistische Studie. Aber mehr auch nicht. Jrnmerhin hat der Berfaffer eine Einleitung vorangeschickt, die, so kurz sie ist, doch ein paar treffende Bemerkungen enthält. Wir freuen »»ns des Satzes, in dem er schreibt, daß, »vie man a»»ch die polnischen Juden einschätze, „zu allererst eine gerechte und großzügige Regelung der Berhältniffe ii» Kongreß-Pole», selbst nötig ist" (S. I). Wir müffen ihm gleichfalls beipflichten, »venn er eine genaue Kenntnis der inneren Struktur der jüdischen Bevölkerung für eine unerläßliche Vorbedingung jeder reformatorischen Arbeit hält. So manche Schrift über die Lage unserer polnischen Glaubensgenoffen krankte eben an der mangelhaften Kenntnis der tatsächlichen Berhältniffe. Soweit die Vermittlung dieser Kenntnis durch eine statistische Arbeit möglich ist, ist Kaplun-Kogans Schrift als ein nützliches, fast not»vendiges Werk zu bezeichnen. In 21. ausführlichen Tabellen finden »vir das einschlägige Zahlenmaterial dargestellt. Eine ins Einzelne gehende Darstellung »vürde zu »veit führen. Die Kapitel- Überschriften — Entwicklung und Verbreitung, Aufbau, Sprache und Bildung, physischer Stand der Bevölkerung, Wirtschaftliches, Auswanderung — zeugen von der Vielseitigkeit der statistischen Erfassung. Die Zahlen sind unter Zugrundelegung des Jahres 1913 den» ^Handbuch der polnischen Statistik", Krakau 1915, entnommen. Im ganzen betrug die jüdische Bevölkerung 1913 nahezu 3 Millionen Seelen, das sind 15 Prozent der Gesamtbevölkerung Polens und etrva der sechste Teil der in der ga»»zen Welt lebende»» Juden. Bor» besonderem Interesse sind noch die Tabellen 15, 18 und 17 über die Berufsschichtung. Nur 1 Prozent aller Staatsbeamten sind Juden, und mit nur 0,5 Prozent gehören sie der Landwirtschaft an. Leider hat in diesem Berufe seit 1897 eine, »venn auch geringe Abnahme stattgefunden. Die absolute Ziffer beträgt heute 31699. Am Handel hingegen sind sie mit 73 Prozent beteiligt. Die Zahlenangaben erscheinen jedoch nicht immer mit der notwendigen Genauigkeit festgestellt zu sein; besonders bei der Berechnung der Prozentsätze begegnet man störenden Jrrtümern. Leider verbietet es der Raum, darauf näher einzugehen. J»n übrigen aber können wir die Kaplrm-Kogansche Schrift mit Freude begrüße»». Dr. Alfred Wolfs (Bav., Thur.). Bei der Redaktion sind ferner eingegangen (Besprechung bleibt Vorbehalten): Blicke in Gegenwart und Zukunft. Gesammelte Kriegsauffätze von Dr. Konrad Küster, Geh. Sanirätsrat. — Dietrich Reimer (Ernst Boßen) Berlin 1917. Kaiserworte. Ausgewählt von Dr. Friedrich Everlin g. Zweite Auflage. Verlegt bei Trowitzsch & Sohn. Berlin 1917. Kriegs-Sinusprüche. Von Hans Rees von Esendeck. Mit den Bildnissen von 16 deutschen Männern. 1917. S. F. Lehmanns Verlag, München. — (Alldeutschantisemitisch). Deutschlands Zukunft bei einem guten und bei einem schlechten Frieden. Herausgegeben von I. F. Lehmann. — S. F. Lehmanns Verlag, München 1917. Die Flämische Hochschule in Gent. Rede zur feierlichen Uebergabe und Wiedereröffnung, gehalten an» 20., 21. und 24. Oktober 1916. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart und Berlin 1917. Verantwortlicher Redakteur: Dr. pllil. Felix Goldmann, Oppeln (vom 1. September an Leipzig, König-Johannstratze 17). Verleger: Dr. »neck. Max Mainzer, Frankfurt a. Main, Neckarstraße 5. Druck: Aachener Verlags- und Druckerei-Ges. Kassenverwaltung: Rechtsanwalt Dr. Sewald Jaffe, Düsseldorf, Schäserstraße 43. Ecke Benloerstraße. Postscheckkonto: Cäln 33487.

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