KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1916-1917
- Issue
- Heft 16 (März 1917)
- Date
- 1917-03-01
- Page
- Seite 848 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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848 ganz konkreten Arbeiten in Gemeinden und Institutionen -- mit allem Eifer unterziehen,! wird als natürlich und selbstverständlich hin- - genommen. Man würde ehrlich erstaunt sein, j wenn eS anders wäre. Daß aber diese Kreise! gleichfalls Pflichten haben, vornehmlich die der! Selbsterhaltung — denn von Dankbarkeit soll! gar nicht die Rede sein — kommt ihnen nicht! in den Sinn. Und ihre Untätigkeit ist noch; nicht das Schlimmste. Gefährlicher ist die! Formel, mit der sie sie begründen! Sie he-! haupten, der K. C. vertrete eine bestimmte Richtung im Judentum, sei also gewissermaßen , Partei ja che! Sie verkennen, daß seine Verj bindungen sich jedem jüdischen Jüngling öffnen, gieichgiltig zu welcher religiösen und volitischen Schattierung er sich rechnet, sofern er nur die für eine studentische Korporation unerläßlichen Eigenschaften deS Charakters und der Persönlichkeit besitzt und sich ebenso bewußt zu jüdischer wie zu deutsch-nationaler Gesinnung bekennt. Mit der überängstlichen Vorsicht, die hieraus spricht, schädigt die jüdische Gesamtheit nicht nur den K. C. und sich selber, sondern sie sägt geradezu den Ast ab, aus dem sie sitzt. Gar nicht sei davon die Rede, daß die ganze ausgeklügelte Theorie an sich unsinnig ist. Wenn aber die unauflösliche Verbindung von deutschem und jüdischem Empfinden Parteifache sein soll, trifft der Vorwurf die größten und wichtigsten jüdischen Organisationen, gerade jene, die ihn erbeben, in gleichem Maße. Ebenso bedenklich ist nun auch das Verhältnis zu jenen Vereinigungen, die eine gewisse Verbindung mit dem K. C. haben und von denen die Welt annimmt, daß sie ihn fördern. Denn der trügerische Schein erweckt ganz falsche Vorstellungen. Gewiß treten bei allgemeinen großen Feiern des Zentralveretns die Chargierten des K. C. als ein schönes Schaustück auf, und die Delegierten jener Organisation wissen bei Antrittskneipen und Stiftungsfesten von den intimen Beziehungen viel zu erzählen. Ob aber aus dieser Freundschaft außer der begreiflichen Freude farbenfroher Backfische über den schönen Studentenwichs und der mit dröhnendem Beifall aufgenommenen gegenseitigen Versicherung und interessanten Feststellung, daß der K. C. im akademischen Leben dieselben Ideale unentwegt und voll und ganz Hochhalte wie der Zentratoerein im bürgerlichen Dasein, sonst irgend etwas ersprießliches herauskommt, darf sehr zweifelhaft erscheinen. Schlägerklirren, Tendenzreden und tosender Beifall find eben keine Taten. In anderen Kreisen — christlichen wie jüdischen — denkt man anders. Dort handelt man! Alle bewußt katholischen Personen und Institutionen arbeiten mit Hochdruck für ihre studentischen Verbindungen, ebnen ihnen die Wege und sqrgen für Nachwuchs. Und bei den Zionisten ist eS gerade foi So gering ihre Zahl in Deutschland ist — selbst wenn man alle FeldzugSteilnehmer hinzurechnet, dürfte die Zahl der Schekelzahler Heute noch nicht 7000 erreichen - fei zäh ist ihr Mühen um die akademischen Korporationen, die weise Erkenntnis zum ersten und wichtigsten Gegenstände aller Fürsorge gemacht hat. Kann man sich vorstellen, daß der Sohn einezionistischen Führers sich einer paritättschen Verbindung anschließen wird? Die Sicherheit, mit der ein jeder diese Frage verneint, mag ein Maßstab für die Tatkraft sein, mit der man im national-jüdischen Lager das Problem gelöst hat. Bet der Mehrheit der deutschen Juden herrschen leider andere Anschauungen. Dort hat man sich zwar in den großen allgemeinen Fragen läügst von dem Wahne befreit, daß Nichtjuden auS Menschenfreundlichkeit und Liberalismus das Recht der Juden und seiner Gemeinschaft erkämpfen werden, und auf allen Gebieten arbeitet die reinjüdische Vereinigung. Nur für das akademische Leben huldigt man noch der Anschauung, man könne die deutsche Judenfrage; auf einem Wege lösen, der sich sonst durchwegs als verkehrt herausgestellt hat. Und als sichtbares Zeichen dieser Inkonsequenz macht sich, j von jüdischem Willen getragen, von jüdischem Gelde erhalten, von jüdischer Jugendkraft genährt, die sogenannte paritätische Verbindung breit, die gar nicht paritätisch sein kann, die wie ein Fossil — freilich ein sehr ansehni liches und starkes — auS einer vergangenen Zeit in die unsrige hineinragt. Man tut ihr : vielleicht unrecht, wenn man sie ihrer Entstehungs- . geschichte nach nur für einen in ein System ge- : brachten Flaggenschwindel halt Denn es gab eine Periode, in der man meinte, eS genüge daS Ueberkleben der jüdischen Firma, ein neuer unverdächtiger Anstrich und der sorgfältige AuSschluß jeder Erörterung eines jüdischen Problems, um eine Vereinigung von Juden zu einer paritätischen zu machen. Längst ist die Zeit; vorbei, soweit aber die Fragen deS akademischen I Lebens in Betracht kommen, steht die deutsche! Judenheit noch stark unter ihrem Einfluß. So unglaublich es klingt, in maßgäenden! jüdischen Kreisen, die den Kamps umS Recht mit | schweren Mühen führen und jede sonstige Hilfe! freudig begrüßen, kann man fich den LuxuS! leiisten, die K. E.-Berbindung unter der Rücksicht auf die paritätische Korporation leiden zu lasten. Man nimmt auf die Gefühle und Wünsche der i paritätischen Glaubensgenossen eine geradezu! rührende Rücksicht, besonders wenn es diesen darum zu tun ist, dem K. C. zu schaden. Ihn