KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1914-1915
- Issue
- Heft 3 (Januar 1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2268830-2268887-2268891--1365-2270532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
327 Posen, 7. S. 14. Lieber Kartellbruder! Leider komme ich erst heute dazu, mich zu melden. Nach der Mobilmachung hatte ich mich, da ich noch nicht gedient hatte, freiwillig dem Sanitätsamte zur Verfügung gestellt und bin seit dem 5. 8. bei dem Festungslazarett 2 Posen vorläufig angestellt. Beiliegende 20 M. sind von meinem ersten Gehalt. Die Verwendung stelle ich selbstverständlich frei, da mir die Maßnahmen des Verbandes nicht bekannt sind. Die hiesigen studierenden K. C er haben sich sämtlich freiwillig gemeldet, und zwar sind zwei als Hilfsärzte, die übrigen bei der Truppe angestellt worden. Die K. C -Abende werden regelmäßig abgehalten. Näheres werden Sie ja von Kartellbruder Wolf hören. Mit bestem Gruß Max Simonsohn (Lic, S.-Bav.). München, den 9. 12. 14. Sehr geehrter Herr Doktor! Wie mir mein Bruder, Ingenieur Carl Spiegel (Licariae),mitteilt, war es ihm nicht möglich, bei Ausbrilch des Krieges noch rechtzeitig Buenos-Aires zu erreichen, um nach Europa zu reisen und seiner Landwehrpflicht zu genügen, sodaß er, entsprechend dem ihm vom deutschen Konsulate erteilten Befehl, zuwartet, d. h. in seiner bisherigen Stellung verbleibt. Er bedauert es tief, die große Zeit weit weg von seinem Baterlande und untätig verbringen zu müssen. Mit vorzüglicher Hochachtung _ Dr. Ernst Spiegel. O..., 3. Januar 1915. Lieber Mainzer! Heute bekam ich der K. C.-Blätter Krieqsausgabe 1. Heft. Ich glaube, größere Freude habe ich über das schönste Liebesgabenpaket auch nicht empfunden. Ich treibe mich seit Ende September hier in Rußland herum. Rückte zuerst über Opatow nach Jwangorod, war dann vor Rawa, inachte den beriihmten Rückmarsch mit und lag 5 Wochen vor Ezenstochan. Jetzt bin ich seit dem 15. wieder hinter den Rllffcn her und liege seit zwei Tagen hier in O., da die Rusien vor uns sich stark verschanzt haben. Bisher ist es mir — unbertrfen — immer gut gegangen. Bin nur ciivas schlanker geworden und habe mir nach Kriegersitte einen Vollbart stehen lasten. K.C.er habe ich hier unten nicht getroffen Nur einmal habe ich deren Vorhandensein oespürt, als ich einen an l)r. Alfred Loeser gerichteten Brief fand. Hoffentlich bekomme ich das 2. Heft auch bald zugesandt. Mit den herzlichsten Grüßen an alle Bundes- und Kartellbrüder und besonders an Dich Dein Stroheim. 12. 8. 14. Liebes Karlchen! Ich rücke heute beim Jns.-Regt. 110 in Mannheim als Unteroffizier d. Ldw. ein Welchem Truppenteil ich zugestellt werde, weiß ich noch nicht. Ein Hurra unserem Vaterlande, ein Hurra dem K. C.! Herzliche Grüße Josef Wertheimer (Bad, Fr., Ghib.). Im Felde, den 30. Aug. 14. Am Himmel eine schöne Sonntagssonne, lagern wir bei den zusammengesetzten Geivehren am Straßenrand, von wo aus ich Dir, l. Karlchen, einen ehrlichen deutschen Soldatengruß schicke. Die Feuertaufe haben wir bei Dörnach gründlich erhalten, aber die Franzosen haben die gute Eigenschaft, daß sie miserabel schießen. Ich selbst bin zum Vizefeldwebel befördert worden. Hurra, es lebe der K.E.! Herzlichen Gruß Dein Seppel Wertheimer. 29.1. 15. Lieber Mainzer! Heute erhalte ich nun endlich auch einmal unsere lieben K C.-Blätter. Du kannst Dir kalun denken, welche Freude uns K. C.er durchdringt, wenn rvir in den ernstesten Stunden unseres Lebens eine Nachricht von denjenigen erhalten, denen wir durch gemeinfarne Pflichten und Lebensbetätigung mit Herz und Seele verburtden sind. Jetzt und immer, es lebe der K.C., der uns zu diesem schwersten Waffenganq eine tüchtige Schule mar. Mir geht es soweit ganz ordentlich trotz der schweren Gänge, auf denen wir unsere Feinde doch immer abstechen. Ich bin mittlerweile zum Offizierstellvertreter ernannt und an Kaisersgeburtstag rnit dem Eisernen II. Klaffe ausgezeichnet worden. Bestelle mir bitte recht viele herzliche Grüße an alle lieben K C er, an Deine liebe Frau und an Dich einen herzlichen Brudergruß in alter Badcnentreue Dein _Seppl Wertheimer. 21. 8. 14. Lieber Mainzer! Die erste Nacht in verlasienen feindlichen Häusern ohne Zwischenfall gut verbracht. Dir, wie allen anderen, noch herzliche Bundesarüße. Oppenheimer ist auf Wache. Dein Kartellbruder S. Wolf (Bi.-D.). 26.8.14. Lieber Mainzer! Nach blutigem Ringen Dir und allen Kb. herzliche Grüße; vielleicht sind es die letzten. Oppenheimer wird seit dem 1. Tag vermitzt Ich habe mit einem Granatsplitter bis jetzt immer noch an der Front mitgefochten. Lebewohl! Dein Siegfried Wolf. 6. 9. 14. Lieber Mainzer! Heute habe ich Deine Karte vom 30. erhalten. Ueber den Verbleib Oppenheimers ist mir immer noch nichts bekannt. Er wird als „vermißt" geführt. Oberlt. von Brand habe ich selbst verbinden helfen und habe ihn auch noch eine große Strecke Wegs nach Floranville zurückgebracht. Er kennt wahrscheinlich meinen Namen nicht. Ich gab ihm sogar aus meiner Feldflasche noch den letzten Rest zu trinken. Zuletzt mutzte ich jedoch wieder zurück, um zu der Fahne, die bei dem Feueriiberfall bei Matton- Floranville gefährdet war, zu kommen. Grütze ihn bitte von mir. Laß mich bitte sofort wieder etwas von Dir hören. Dein Ir. Kb. S. Wolf. Bor Nancy, 5. 9. 14. Lieber Karl Löwenstein! Mitten im Schlachtgetümmel — unser Bataillon ist Reserve der Division — denke ich an die Aufforderung des K C.-Blattes und greife zum Kriegsbleistift. Es geht mir, der ich inzwischen zum Kompagnieführer li. B.) aufgestiegen bin, noch immer recht gut. In der Schlacht bei Metz am 20 8. wurde ich leicht verwundet (Streifschuß am r. Oberschenkel). In der Folgezeit hat mich ein gütiges Geschick bisher , vor allem bewahrt, trotzdem ich im heftigsten Artillerie-, Jllfanterie- und Maschmengewehrfeuer gleichzeitig stand. Der liebe Gott verläßt eben einen K.C.er nicht. Hoffentlich erlebe ich noch das Ende des Feldzuges. Neben nlir brummen unsere 21 cm-Mörser einen ohrenbetäubenden Lärm. Die Franzosen wehren sich sehr. Ihre Infanterie taugt nichts, wohl aber die ^Festungs!) Artillerie. Biele Erfolge bringen ihnen die Flieger, die durch Bombenwerfen unsere Stellungen verraten. Herzliche Grütze Vive le K. C.! Dein Kurt Wolf. Bor St. Mihiel, 20. 10. 14. Lieber Karl Löwenstein! Hocherfreut teile ich Dir (im Schützengraben liegend) mit, daß ich das Eiserne Kreuz erhalten habe. Doppelt freut mich diese Ehre, als sie auf den K.C. zurückfällt. Ich bin mit herzlichen Grüßen Dein Kurt Wolff. Varvinay, 20. 11. 14. Liebe K.C.-Redaktion! Wiederum muß ich Dir eine freudige Mitteilung machen. Der König von Bayern hat mir den Militärverdienstorden 4. Klaffe mit Schwertern verliehen. So bin ich jetzt doppelter Ritter und, mein Verhältnis als K.C- Ritter hinzugenommen, dreifacher. Gern hätte ich die Oktober- und Novembernunnnern zugeschickt erhalten, nachdem ich August-September bekommen habe. Herzlichen K.C.-Gruß Dein Kurt Wolff.