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KC-Blätter · 1913-09-01 · Heft 12 (1.9.1913) · page 1

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 12 (1.9.1913)
Date
1913-09-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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C.-Blatter Wonalsschrist der im Kartell-Konvent vereinigten Korporationen. „DU Verbindungen im Jü. C stehen auf dem Loden deutschvaterländifcher Gesinnung. Sie haben zum Zweck den Kampf gegen den Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mit» gtieder zu selbstbewußten Juden, die im Bewußtsein, daß die deutschen Juden einen durch Geschichte. Kultur» und Aechtsgemeiuschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen volksteil bilden, jederzeit bereit und iinstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. 3u politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen imK.C. keine Stellung/ Nr. 12. 1. September 1013. 3. Jahrgang. Die Scitfdprift erscheint am 1. jedes Monats. Bezugspreis halbjährlich 2 Mk. EinzelMummer 50 Pf. Bestellungen übernimmt der Verlag. Preis der Ifach gespaltenen Zeile für Inserate 50 Pf. Bei größeren Aufträgen und Wiederholungen wird Rabatt bewilligt. Inseratenannahme durch den Verlag. Nachdruck der Original-Artikel, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützte», unter Huellenangabe gestattet. Des Talmuds werden. Bon vr. Felix Goldmann-Oppeln. In der Geistesgefchichte der Menschheit ist dem Talmud ein seltsames Schicksal deschieden gewesen. Es gibt stanz gewiß kein Brich, über das rnehr steschrieben worden ist, Kluges und Törichtes, liebevolles und Haßerfülltes in buntem Wechsel! Aber es ist auch kein Werk zu finden, vor» welchem man lvenister tatsächliche Kenntnisse hatte. Urrd »vas sonst in der wissenschaftlichen Welt streng verpönt war, stellte beim Talmud die Siegel dar! lieber ihn durfte man dicke Bände schreiben, die voll von selbstbewußten Urteilen rvaren, ohne jemals eine Zeile seiner Folianten entziffert 511 haben. Ein Geheimbnch, so sagt der Judenfeind, sei der Talnrnd, rmd mancher Jude von heute spricht ohne Ueberlegung daS Urteil nach. Freilich ist er wirklich ein Geheimbuch in denr Sinne, wie auch LenophonS AnabasiS ein solches für alle darstellt/ die kein Griechisch gelernt haben. Für jeden, der die Anschauungsweise und das Idiom — oder besser gesagt die Jdioine — des Talmuds fleißig stlldiert hat, sei er Jude oder Christ, ist es ein leichtes, in seine Tiefen zu dringen. Wer allerdings die grausigen „Geheimnisse" zu finden hofft,' von denen die judenfeindliche Welt fabelt, der sei von vornherein vor jedem Versuche gewarnt. Er wird viel Zeit und Mühe auswenden und am Ende sehr enttäuscht sein! Die Unwissenheit in bezug auf den Talmud ist heilte irr jüdischen Kreiselt nicht minder groß lvie in christlichen. Es entlockt jedem Kenner der Verhältnisse ein Lächeln, wenn er von Antisenliten die Meinung vertreten findet, daß auch die lnodernen Juden ihre Lebensführung nach tnlmlldischen Vorschriften einrichten. Aber es ist ein bitteres Lächeln des Bedauern- und der Schalll, daß unsere Glaubensgenossen von diesem — nach der Bibel — größten und wichtigsten Erzeugilis jüdischen Geistes nicht nur nichts wissen, sondern ihm oft sogar mit Mißtrauen oder Verachtung begegnen. Die vorliegenden Ausführungen wollen dem Leser keine historischen Daten übermitteln, keine Namen und Zahlen anführen. Die geschichtlichen Tatsachen über den Talmild finden sich in manchem trefflich geschriebenen llnd allgemein verständlichen Buche zusammengestellt*), rvv sie jedermann leicht zugänglich sind. Nicht die historischen, sondern die völkerpsychologischen Voraussetzungen und Entwicklungsfaktoren sollen kurz dargestellt lverden, lveil sie allein imstande sind, Ber- *) Es sei besonders hillgewiesen auf die Bücher von Dr. S. Funk, „Die Entstehung des Talmuds" und „Talmudproben" (Sammlung Göschen Ar.47V und 585) sowie von Hermann V. Strack, „Einleitung in den Talmud". (Bereits in vierter Auflage erschienen.)

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