KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 10-11 (1.7.1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- Seite 223 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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führungen. DaS Buch kann zur Orientierung Liber größere Gebiete netteren jiidischen Lebens empfehlen werden. Erich Marx. Die Freistatt. Alljüdische Revue. Monatsschrift für jüdische Mntmv nnd Politik. Po« eitlem jungelt 'Zionisten in Eschtveiler wird seit April eine neue nntio»mljiidische Zeitschrift herausgegeben, die >oet»rger »vegen ihres literarischen Wertes als wegen ihrer eigenartigen Richtung gröberes Interesse verdient. Darum soll auch hier nicht im einzelnen der Inhalt dargestellt, sondern der Standpnnkt geschildert »verden, den sie vertritt. Die Zeitschrift vertritt den radikalen, jüdischen Nationalismus, der heute in der zionistischen Jugend die Oberhand gewonnen hat, urrd als dessen geistiger Führer wohl Mathias Acher jl>r. Nathan Birnbaum), der Gründer derKadimah in Wien, gelten kann. Im Ostindentnm sieht der Veiler der Zeitschrift die Grundlage des jiidischen Volkes, nnr in der Anlehnung an das Ostjttdettlnm sei jüdischuationaleS Lebe», möglich. Diese Ansicht sollte eigentlich für jeden konsequenten Nationaljuden eine Selbstverständlichkeit sein, denn ein nationales Lebe»» ist doch nur auf der Grundlage einer kompakten BolkStnasse »nöglich. Trotzdem sträuben sich viele Zionisten, diese Konsequenz zu ziehen. Er stellt sich daher (S. lo sf.) in einen geivissen Gegensatz z,»r herrschenden Richtung im ZionismtlS, der volksfremd sei »»nd der aus dem »vestjüdischen Ideenkreis heranSgervachsen — kein Verständnis für das Ostjudenlni» habe. v,'irl»t mit llnrecht macht er de»n Zionismus den schiveren Borivurs. das; er tatsächlich nur für eine»» geringen Teil des Judentums sorge, da die Palästina arbeit doch nur für einen tleinen Teil der Itidenheit in Betracht käme. Hiermit trifft der Herausgeber den Zionismus alt einer seiner schtvächsten Stellen. Denn es ist Tatsache, das; der Zionismus, der sich stets als Repräsentant des jüdischen Volkes ansgibt »»nd für das gesainte Volk zn arbeiten verspricht, tatsächlich nur für einen ganz geringen Teil arbeitet. Man bedenke dort), das; höchstens 2"'„ der jüdischen Answandernng sich nach Palästina ivendet: die Sorge für die übrigen!KS"/„ der Auswanderer, die Sorge gar für die groben Massen, die in ihrer osteuropäischen Heimat bleiben, überläs;t er einfach anderen Organisationen. Treffend halt er sS. N) dem Zionistnus vor, das; er „das Palästina- Phantom als die Losung der Iudeufrage" hirrstelle, rvobei er mit Recht hervorhebt, dab a»lch die Leistmtgen des Zionismus tit Palästiira, die ja viel geringer sind, als die anderer jüdischer Organisationen, dem in Beivegnng gesetzten Apparat keineswegs entsprechen. T ritsch bezeichnet die bisherigen Leistung»'»» deS Zionisnr»»s in einein andere»» Aufsatz (S. sx>) gar als „fnrchtbar klein »lttd »»»»zureichend". Wirklich jüdischnntiviiale Politik kann nach Ansicht des Leiters der Zeilschrist nur in Osteuropa getrieben »verden, wo jüdische Massen existieren nnd »vo er ein »virklich nntionaljüdisches Leben zu finden glaubt. Mit Entschiedenheit ivendet er sich daher gegen die zionistische Theorie, die der» Zerfall deS Iudenturns im ltzoltrs, ivie er »neint, mit unehrlichen Mitte ln nachznrveisen suche. Er schreibt hierüber (S. 10): „Man sehe sich darauf auch einmal die bisherige informatorische Tätigkeit der zionistischen Presse an, das Verschlveigen von allen grobe»» »»nd elementaren WachStumSvorgäiigen im Leben der zentralen Massen." „Das meiste »vird »nibgedeutet, uin die These von der allerorts zerfallenden Illdenhert aufrecht zu erhalten." „Kein Wort »vird da erwähnt von den ne»»en Steinen, die zu den» Bau der Ostj»»de»»heit hinzugekommen sind." Die konsequente Herausarbeitung der nationalen .Idee latzt denn a»»ch klar den großen Unterschied zutage, treten, der zivischen den» Indent»»»»» der Nationalj»,den nnd dem Judentum' besteht, das die große Masse der Inden und die allgemeine 'Ansicht als solches ansieht. Iitteressant ist in dieser Hinsicht ein Referat über ei»» Buch von Klatzkin iS. lt> si.), in dem offen ausgesprochen »vird, das; der Geist des Judentums mit de»»» nationalen In denn» m nichts zu tun habe. Er sagt sS. 27): „Wahrung »rud Förderung des Geistes des Judentums, des Monotheismus, des Messianismus, des Optimismus und all der sittlichen Idee»», die als Judaismus bezeichnet »verden, bedeutet noch nicht Wahrung u»»d Förderung »»»»seres nationalen Seins; gar oft ist das Wohl dieses Geistes das Wey unseres Seins." Daß tatsächlich, »vie ich a»»ch in meinen» Artikel über Nativnaljltdentnn» bereits ausgeführt habe, das Narionnljudentnm mit der jiidischen Religion rrichts zu tun hat, »vird ausdrücklich noch betont (S. 22): „Ein Richtjnde »vird nicht Jude, indem er die Religion nnd die Ideen des I udentnmsxanerkennt, und ein Jude hört nicht auf, Indern seilt, indeu» er diese Religion und diesen Ge»1t ablehnt. Kurz, die nationale .Zugehörigkeit z»»»n jiidischen Volke bedingt nicht ein Bekenntnis znr jüdischen Religion oder zur jüdischen Wel tanschannng." Klarer kann nicht bestätigt werden, lvas die Zionisten stets so eifrig bestreiten: daß »»»an näntlich sich sehr wohl taufen lassen könne, ohne deshalb nnfzirhörei» Nationaljnde zu sein. Das ivird vielleicht doch »nanchem zu denken geben. Gerade gegeniiber dem gekünstelten Nationalismlls so vieler, die echte Rationaljnden zu sei,» gla»»ben, sind noch die Worte (2. 2Si bemerkensiurrl: „In eine»» fremden Lande und in einer fremden Sprache ist unsere Existenz i»ie national, selbst »venu »vir »och so sehr i»n Geiste des Judentums, der jüdischen Religion oder Sittenlehre leben und »virken. Ohne die Korrelation des nationalen Landes u»»d der nationalen Sprache ist der Nationalismus im Galut ohne Ti»»»». Schon diese kurze Blütenlese aus den beiden ersten Hefte»» der Zeitschrift lüstt es verständlich erscheine»», daß diese freimütigenAeus;er»inge»i eines »»ntionatjüdischen Organs von den GesinniliigSgenossen, die gerne das Wesen »»nd die Konsequenzen des Ratioualjudentums aus propagandistischen Zwecken verschleiern möchte»», sehr nnangenehm empstlnden »verden. Dem entspricht auch das Echo in der zionistischen Presse. Zivar erklärt die „Jüdische Rrl»»dschan" in sanersnbem Tone, „das; sie sich jeder ne»»en belvusst jüdisüien Publikation freue und sie von Herze»» empfel,le". Al>er sie »vie a»»ch die „Welt" fallen sodann in der srhärsren Weise über die „Freistatt" her. Das Hervorlrelen dieser Gegensätze läßt klar die verschiede»»en Rich»»»uge»» erke»»»»e»r, die der Zentralvereii» in seiner Resvluiion gege»» die Zionisten »interschieden hat und »viderlegt auf das schlageildste die von den Zionisten ansgestellte These, dab die Nationalst»!»»'»» eine Einheit bilden. In der Zeitschrift selbst tvird übrigens au zahlreichen Stellen das Bestehen der verschiedene«» „Ziomsmen" ausdrücklich -«gegeben. Stellen auch die vv»» der „Freistatt" vertretenen Ansichten den Gegenpol zu »tnseren Bestrebungen dar, so bietet sie doch alle«» de»»jenigen, »oelche sich über nationnljüdische Fragen orientieren »vollen, vielesJnreresfante »»»»d sollte auch in unseren Reihe»» beachtet werden. Karl Löwenstein, Aachen. Deutsche Korpszeitung. stiO. Jahrgang, Heft -t und 4.) Die deutsche Korpszeitling. jEine 'Besprechung der Mastnahrnen zur Förderung und Umgestaltung des « Berbandorga»»S des Köse»»er S.C.) Bor hundert . Jahren. — Die Abftilienzfrage aus den diesjährigen