KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1912-1913
- Issue
- Heft 9 (1.6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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K.C.-Bla11cr Wonatsschrist der im Kartell-Konvent vereinigten Korporationen. »Die Verbindungen im M. <5. stehen auf dein Loden deutschvaterländischer Gesinnung. Sie haben zum Zweck den Klampf gegen den Antisemit isnrus in der deutschen Studentenschaft und die Erziehung ihrer Mitgliedcr zu selbstbewußten Juden, die inr Bewußtsein. daß die deutschen Juden einen durch Geschichte. Kultur, und Rcchtsgemeinschaft mit dem deutschen Vaterland unlöslich verbundenen volksteil bilden, jederzeit bereit und imstande sind, für die politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung der Juden einzutreten. Zu politischen und religiösen Sonderbestrebungen innerhalb des Judentums, sofern sie der Tendenz von Absatz 1 nicht widerstreben, nehmen die Verbindungen inr Jü. L. keine Stellung? Rr.i,. 1. Juni 1!U3. 3. Jahrgang. Die Zeitschrift erscheint am 1. jedes Monats. Bezugspreis halbjährlich 2 Mk. Einzel-lluinnrer SO pf. Bestellungen übernimmt der Verlag. preis der l fad) gespaltenen Zeile für Inserate SO Pf. Lei größeren Aufträgen und Wiederholungen wird Aabatt bewilligt. Inseratenannahme durch den Verlag. Nachdruck der Original-Artikel, mit Ausnahme der durch einen besonderen Vermerk gegen Nachdruck geschützten. unter Ouellrnangabe gestattet. Die Juden im vefreiungskrtege. Bon Profesior M. Philippson, Berlin. Anderthalb Jahrtausende hindurch tunrcn die Juden Deutschlands von jeder Waffenführnng ausgeschlossen, des kriegerischen Berufes lmteilhastig, von militärischem Geiste entwöhnt. Während der zweiten Hälfte dieses Zeitrautns lebten sie mit schlimmster Schmach bedeckt, in eigene enge Wohnviertel eingepfercht, lediglich auf die damals entehrenden Gewerbe der Pfandleihe und des Geldwuchers beschränkt, zu schändender Sonderkleidung gezivnngen. Man nahm ihnen so alles Ehrgefühl, allen Mut, alles Zutrauen und Selbstbewußtsein, behandelte sie ärger als die Hunde. Als man sie nicht mehr verfolgte imb gelegentlich in Masse totschlug, erlegte man ihnen doch einen Leib- und Wegezoll ans wie dem Bieh. Und dann rief die preußische Negierung diese Verachteten und Mißhandelten im Beginne des Jahres 1813 ebenso zu den Waffen lvie die christliche Bevölkerung deS Staates. Es ist eine in der Geschichte beispiellose Tatsache, daß die Söhne dieses entwürdigten, in feiger Unterwürfigkeit erhaltenen Stammes sich da zu vielen Hunderten erhoben, um für ein Vaterland zu kämpfen und zu bluten, das ihnen sich bisher nur als Feind und Unterdrücker gezeigt, erst seit kaum einem Jahre eine bessereZnkunft versprochen hatte. Diese Menschen, die vor jeder Waffe gezittert, den „Kriegsmann" mit mystischer Scheu als eine Art reißenden Tieres betrachtet hatten, fanden nun Mur und Begeisterung, um zur Wehr zu greifen und entschlossen dem Schlachtentode entgegenzngehen. Sie warteten den Zwang der Aushebung nicht ab, sondern eilten freiwillig ans den ersten Nus des Königs lind des Vaterlandes zmn Heere, von dem sie bis dahin ausgeschlossen gewesen waren, gegen jenen französischen Kaiser, der in vielen Ländern ihren geknechteten (Glaubensgenossen und mittelbar, durch sein Beispiel, auch ihnen selbst Ehre und bürgerliche Freiheit verliehen hatte. Aber die dem deutschen Vaterlande, das sie freilich als verhaßte Stiefkinder behandelte, auferlegte Unterdrückung und Not wog bei ihnen schwerer als das Wohl und der Dank ihrer Glnubensgenossenschaft. Ruhig, wie selbstverständlich, ohne viele Worte zu machen oder tönende Lieder in die Welt zu senden, standen diese verspotteten „Judenjungen" siir ihr Preußen auf, und wenn sie beu Hohn und die Quälereien, die ihnen attch in den Reihen der Kämpfer bereitet wurden, nicht ertragen konnten, gingen sie als erste in den Feind und ließen sich tot oder doch zu Krüppeln schießen. Ihr Opfermut ist ihnen auch später übel genug gelohnt worden, durch neue Feindschaften, durch neue Ausschließttng. Doch kehren wir zu jenem „Völkersrühling" von 1813 zurück, um zu