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KC-Blätter · 1912-12-01 · Heft 3 (1.12.1912) · p. Seite 55

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Journal
KC-Blätter
Volume
1912-1913
Issue
Heft 3 (1.12.1912)
Date
1912-12-01
Page
Seite 55 (sequence 3)
Language
German
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laut» — sie ist auch in Rußland viel kleiner als man gewölmlich ailninnnt') — nberhallpt nicht e n t n» i cf c l t:-> Unter den 22 533 „Arbeitern" sind z. B. gewählt: rund 4000 Schneider und Näherinnen, 1218 Pußmacher, ‘-2(53 Meßgergesellvn, 503 Bäckergescklen. alles in allem weit über die Hälfte in solchen Bernsen, die weit davon entfernt sind, proletarisch im üblichen Sinne zu sein, ja, deren Tätigkeitsart — man denke nur an Schneiderei, Meßgerei etc. — inuner mehr kaufmännisch wird. Freilich, auch die Iltdetl haben der allgemeinen Entwickllmg znm (Großbetrieb einen gewissen Tribut zahlen müssen: Die Gesallltzahl der männlichen Selbständigen in (bewerbe und Handel ist seit 1305. foiueit sich das überhaupt feststellen läßt, sogar absolllt zurückgegangen (um 342 d. h. um o,0"/„), doch hat sie. das im ivesentlichen nicht stärker getan als die Gesamtbevölkerung, sodaß scholl darailS teilte „Anlläherung" hervorgeht. Aber das Streben nach Selbständigkeit hat sich doch glänzend betätigt. Denn lvenll die Inden so sehr nach den freien Berllfen, vor allem nach der akademischen Laufbahn hilldrüngen, was ist eS anders, als der Zug nach sozialem Emporkommeu. gepaart mit dem Willen zur wirtschaftlichen Selbständigkeit? Und so finden lvir denn, daß von den nlild 13300 männlichen Inden, die von .1305 — 1007 neu ins Erwerbsleben eingetreten sind, fast 1400 in die Rechtspflege. mehr als 2000 in den ärztlichen Berns iibergegangen sind, daß ihrer 900 künstlerische Berufe ergriffen haben, daß also scholl hier sich eilt weiteres Empordrängen ausspricht, wie es bei der übrigen Bevölkerlmg sich auch nicht annährend irn gleichen Maße findet. Außerdem aber: es gibt sehr verschiedene Grade der Selbständigkeit. Gewiß hat auch innerhalb des .Judentums die Angestelltenschicht stark zugenommen; aber i n n c r h a l b dieser Schicht gibt es große Abstnfnngen: Die Selbständigkeit ist aln kleinsten bei den einfachen Büroarbeitern, der niedrig bezahlteil großen Unterschicht des Privatbeamtentnms; aber sie wächst zu enter bcn fovmat Selbställdigen nicht nachstehende» Freiheit und Unabhängigkeit bei den Abteilllllgsteiterll. deil Ranonchefs,-') vor allem 0 Eine demnächst erscheinende Schrift Don .Mn'iiiii- •Üihvxh übev die ..4sanderrrngen der Juden" weist nach, das', iu ganz Anßlnird kaum!<»<><><> wirkliche „Arbeiter" inner den Fnden zu fiudeu siud. Tie große lebte Ll?uuderbewegung geht nach dieser Schrift iu der Hauptsache gerade darauf zurück, daß die russischen Juden sich zur Fabrikarbeit uicht eignen. *) Tie ..jüdische Arbeiterschaft", die Eisenträger neuerdings in, „Teutfchen Weid)" (Woliember 1002) entdeckt, ist großenteils Handwerkerschaft. Ter Artikel ist überhaupt ein Beispiel dafür, wie rnan Statistik nicht lesen darf. 3) Ueberaus charakteristisch ist auch eine Zusammenstellung der Leistungen christlicher und jüdischer Warenhaus- Berkänferinnen. die ich jetzt machen konnte und demilächst aber bei bcn Reisenden. Und es ist doch eine bekaiulte Tatsache, daß die Illderr gerade in diesen hochbezahlten Schichten das Hauptkontingent stellen, während sie es — wie zahlreiche Aussagen z. B. aus dem Baukgerverbe beweisen — in den unteren Schichten des Privatbeamtentunls nie lange anshalten, zumal lveun die Aussicht anf schnelles Emporkommen gering ist. Das Eillkonnnen der von Segatl z. B. den Selbstän- - digeil gegenübergestellten RayOllches. der Warenhäuser — ulltec denell die Auslese rein rechtrerifch erfolgt nild doch in der großen Mehrzahl der Fälle die Inden sich als die tüchtigeren erweisen — übersteigt im Durchschnitt dasjenige der Selbständigen sehr bedeittend, ihre wirtschaftliche Position festigt sich inuner mehr. Es kann kein Zweifel sein: Die ganze soziale Struktur der jüdischen Masse ist weit günstiger, als diejenige der übrigen deutschen Bevölkerung. Für eine wirkliche Verschlechterung liegt kein sicheres Anzeichen vor; sie folgt dein Proletarisiernngsdruck der modernen Entwicklung viel weniger als die übrige Bevölkerung, ihr Drang nach sozialer Selbständigkeit und sozialem Emporkommen ist weit stärker. Der nnrtschastliche ''Ausstieg gelingt ihr auch in weit höheren: Maße. Wo liegt dafür der tiefste Grund? Ich erblicke ihn in der Religion, soweit man sie als Weltanschauung aussasserc kann. 11. Weltanschauung und Wirtschaftsleben. Plan verfährt nämlid) unvollständig, wenn man. wie Segatt und die «reisten arrdern, einfach die Berhältlkisse der Inden anssondert und ihnen die übrige Bevölkerung als einheitliche Blasse gegenüberstellt. Tenn auch bei der Masse der übrigen zeigen sich Unterschiede, und diese scheinen mir wohl einen Schluß darauf zu gestatten, vb der uuziveifelhnft vorhandene größere wirtschaftliche Erfolg der Inden mrs Nasse. Nationalität oder Religion znrückzuführen ist. Gerlan dieselben Tendenzeic wie bei bcn Juden zeigen sich nämlich auch, irr abgeschwächtem Maße, bei den Protestanten. während das soziale Emporkmnmen am schwächsten bei den Katholiken ist. Das zeigt sich schon bei einer cinfacfjcit Gegenüberstellung der drei Bekenntnisse in Industrie und G e w e r b e für 1007. Wenn wir von den Hausindustriellen, bereu soziale Stellung zweifelhaft ist, absehen, so ergibt sich folgendes Bild: Aon je NX) Personell waren bei Katholiken Evangelischen Juden Unternehmer 14,1 16. \ 41,4 Angestellte 4,6 Arbeiter, einfchl. mith. Familienangehörige 81,3 7,o 21,9 76.5 96,7 veröffentlichen werde. Tie Umsätze und folglich die Gehälter der jüdischen Mädchen übersteigen luett diejenigen der christlichen, an manchen Lägern erreichen sie durchweg das Doppelte.

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