KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 7 (1.4.1912)
- Date
- 1912-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Interne Beilage der K. C.-Bl<itter Die hier veröffentlichten Mitteilungen stehen unter dem Sieget des Konuentsgeyeimmffes. 1. April 1912. Kritik zur Praxis der Ehrenräte. Ein neues und hoffentlich recht frohes Semester beginnt für den K. C. Mit ihm kommen neue Gesichter, neue Temperamente, neue Differenzen uiib so viele, viele neue Ehrenräte. Und das; es ohne die letzteren bei bcu St. C. Verbindungen nicht zu gehen scheint, ist bedauerlich und schlägt den; St. E. wohl tiefere Wunden im zermürbenden Kleinkrieg persönlicher Gehässigkeiten, als phlegmatische Zuschauer zuerst wohl annehmen mögen. O sicher, es ist gilt, das; wir so viele Temperamente und so viele Explosionen dieser Temperamente in jedem neuen Semester miterleben können. Das ist Jugend, Kraft; darin strömt der schäumende Bach der Begeisterung, der, richtig geleitet, neue Zeiten und neue Wege zum Ziele bringen kann. Aber warum dabei so viele Ehrenräte? Man sollte doch meinen, ein Consilium, das bestimmt ist, über die Ehre des einzelnen abzuurteilen, sollte nur in seltenen Millen zusammentreten müssen. Du lieber Gott! In meinen; ersten Semester wies einmal ein A. H., als bei uns die Unsitte eingerissen war, auf jede Kleinigkeit mit einem Ehrenwort zu reagieren, darauf hin. wie niedrig wir unsere Ehre einschätsten, wenn wir mit unserem Ehrenwort so schnell bei der Hand wären. Und mit den Ehrenrüten ist es nicht anders. Wesgegen werden bei uns nicht Ehrenräle berufen und wie leichtfertig werden oft Beschuldigungen gegen einen Bnndesbruder erhoben, über die dann ein Ehrenrat zu urteilen hat! Beispiele beweisen am besten. Vor wenigen Semestern umrde ein St. C.er, der im fünften Semester stand, angeklagt wegen: Ehrenwortbruchs. Verleumdung. Beleidigung von Bnndesbrüdern, Interesse- und Disziplinlosigkeit und erhielt — eine Woche leichte Dimissivn! Das Urteil spricht Bände. Daher lautet mein erster Mahnruf W e n i g e r Ehre n rate! Weniger Ehrenräte! — m i t ä l t e r e u E h r e n r i ch t e r n. In anderen großen Verbänden ist es gang und gebe, daß regelmäßig Alte Herren zum Ehrenratskottegium zugezogen werden. Bei uns bedanken sie sich meistenteils, wegen einer jeden Lappalie belästigt zu werden, und so kommen jüngere Leute in den Ehrenrat hinein, die bei allem guten Willen zur Objektivität nicht geeignete Richter sein können, weit sie mit falschen Voraussetzungen an ihre Aufgabe herantreten. 2111511 oft kommen sie, nicht das Recht zu finden, sondern die Strafe zu suchen, nicht zu prüfen und zu urteilen, sondern zu verurteilen. Es ist ihnen ein unbedachtes Wort, dem aber die Absicht, zu schaden und zu verletzen fehlt, Grund genug, eine schwere Ehrenratsstrafe zu verhängen. So absurd es im ersten Moment klingen mag. ich halte für einen wichtigen Grund dieser nicht zu bestreitenden Mißstände die Tatsache, daß so viele junge Juristen, namentlich in der Zeit um das Referendariatseramen herum als Ehrenrichter fungieren. Ich würde, wenn ich unter diesen jüngeren Semestern zwischen Juristen und Richtjuristen gleicher Erfahrung und gleicher Geisteshöhe zu wählen hatte, unbedingt für den Richtjnristen stimmen. Es ist ja so schön, ein wenig zu fachsimpeln, aber ein Ehrenrat ist schließlich doch kein Ort. ein Straff echtspraktiknm abzuhalten. Ein neues Beispiel. In meinem letzten Semester in Bonn, wo schrecklich viele Juristen waren, die alle kurz vor dein Referendar standen, gabs eine persönliche Zwistigkeit zwischen 2 K. E.ern. beide beinahe Referendare. In dem Ehrenrat. indem drei Mediziner saßen, wollte der Vorsitzende die Sache durch Versöhnung die Geschichte war halb so schlimm!) aus der Welt schaffen. Die Oeffentlichkeit sollte hierzu ausgeschlossen werden. Dabei beging der Vorsitzende den Fehler, auch den Aulläger und den Angeklagten hinansznweisen. Draußen wollten sich die beiden feindlichen Juristen beinahe totlachen über den Blödsinn des Vorsitzenden, einfach alle Leute auszuschließen, ..was eben nur ein Mediziner fertig brächte." Aber versöhnt haben sie sich nicht, die Männer des tiefen juristischen Wissens. Und znm dritten ergeht der Mahnruf: Verschleppt Eure Ehrenräte nicht! Wartet nicht, bis den Parteien und Zeugen die Vorgänge, wegen derer der Ehrenrat schwebt, ans dem Gedächtnis geschwunden sind. Der Ehrenrat hat nach den Statuten in wenigen Tagen zu steigen. Warum wird dagegen so oft verstoßen? Die natürliche Folge der Verschleppung ist, daß sich oft das Urteil auf ungenügende Aussagen stützen muß und daher beide Parteien nicht befriedigt.