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KC-Blätter · 1912-02-01 · Heft 5 (1.2.1912) · p. Seite 92

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 5 (1.2.1912)
Date
1912-02-01
Page
Seite 92 (sequence 16)
Language
German
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92 Sei uns in Kann. Ein recht interessantes Büchlein kam mir unlängst zufällig unter die Hände, das „Burschikose Wörterbuch", erschienene zu Ragatz 1640. Es ist ein Werk, das offenbar ernst genommen sein wollte, und dazu diente, dem „Burscheie" diejenigen Kenntnisse zu vermitteln, von deieeie man daueals glaubte, daß sie eile richtiger Student eeötig habe. Was wurde da alles für wissenswert gelialten?! Und wie manches Bedeutungsvolle nnerde übergangen! Schildernngeee von Städten, alle nach dene nämlicheie Schema fabriziert, berübren meist folgende Punkte: 1. Einwvhner, Studenten und Dozentenzahl: 2. Fidelität chald „gut", bald „passabel", bald evieder „flott" eteü; U. Kneipen lderen Flamen); 4. Bier stn Müeechen sind beispielsweise anfgezühlt: 2) Bork, b) Salvator, c) Lagerbier, d) Winter vier, e) Schenkbier, f) Smnmerbier, g) Weißbier — immer mit einem besonderen Prädikat; 0. Korps: 0. Komment; 7. Leben („gut und billig" oder „billig" etc.); 6. Vergnügungen; 9. Memvrabilia. Sicher ist einiges, was man da für wichtig hielt, auch heute noch lvisseuswert. Es ist indes nicht meine Absicht, hier eine überall ins einzelne geheiide „entsprechende" Schilderiing von Bonn Zii geben; nur eine Skizze sollen die nachstehenden Zeilen sein. Beginnen nur mit der Universität selbst, für die ja sicher jeder unserer Leser, wie wir zu seinen Gunsten nach dein alten Spruch: qunquis pracsumitur bonus . . . annehmen wollen, das größte Interesse hat. Die juristische Fakultät ist wohl eine der bedeutendsteil iu ganz Deutschland : Die Namen Zitelmann. Erome, Eosarl. Stutz, Landsberg sagen genug. Auch die?üi tional-Oekonomie, das öffentliche Recht und namentlich dessen iieneste Diziplin, das soziale Recht, sind durch bekannte dünnen vertreten (Zorn, Bergbohm, Diezl, Schumacher, Stier- Somlo). Die Medizinische Fakultät stellt sich der juristischen Sä)wester mit ebenfalls bedeutenden Lehrkräften würdig an die Seite lGarrö, Bonnet, Nnßbaum nsw.; die Institute und.Kckinikensind meist neu 1111b gut eingerichtet, lieber die theologische und philosophische Fakultät weiß ich selbst wenig mehr zu sagen, als daß es nicht all interessanten, allgemein gehaltenen Vorlesungen iu letzterer Fakultät fehlt zClemen, Löschkeü Vielleicht dürfen wir hier auch auf das rege musikalische Lebeil der Beethovenstadt Hinweisen, das ja dem einigermaßen Bewanderten nichts Neues ist Was die Stadt selbst anlangt, so faiut man ihr im knappen Stil des burschikoserr Wörterbuchs die Attribute: „schön und vornehm" geben. Besonders anziehend sind die von der Poppelsdorser Allee durchschnittenen Stadtviertel, in denen die Mehrzahl der Studenten wohnt und entsprechend hi'ibsch auch die einzelnen Zilniller, die dabei gm' nirlu teuer sind. Ueberhaupt mufj betont lverden, daß Bonn den 4!mnetl einer besonders teuren Universität ganz zll unrecht trägt; nnm lebt dort um nichts teurer, als in ben meisten andern Universitäten. Der beste Beweis dafür ist vielleicht die hohe Besucherzahl Boilns, das mit 4om Studenten an vorderster Stelle unter unfern deittühen Universitäten steht: Man wird dort) uid)i ailllehmen dürfen, daß diese 4000 lauter Mcklionärssöhne silld. — Das Lebeil in Bonn verbinbet die Annehmlichkeiteil einer reizvollen 1 ntb regsametl Kleillsladt mit denen einer Großsta.!. Die alten sowohl, lvie die neuen Stadtteile, Iberühren sehr sl)mpathisch; orgimül ist der Marktplatz, eine Sehenswürdigkeit das Villenviertel der Eoblenzer Straße und insbesondere die herrliche Rheinprvmenade. Wer aber „reine" 'Großstadtluft atmen will, denr bietet sich im naben, mit der Staats- oder Rheinnferbalnl bequem zu erreichenden Eöln dazu reiche Gelegellheit. Tie .Kapitel „Kneipen", „Bier", „Memorabilia" kann ich, obwohl scholl „Philister", nicht uiiuc weiteres übergehen. Bon dem Eölner .Karneval, der gerade lockt, zu reden, ivird nicht notwendig sein. Weniger bekannt dürfte eine Bonner Sommerspezialität sein: Das sind die vielen .Kirmesfeiern in Bonn selbst uub a!dm nmliegenden fteiueu Orten: Eildenick), Keo nid), l^roß- Rheindorf, Poppelsdorf und wie die vertranten ‘Olameu alle ljeißen. Hier rnag der Frenlde die berühmte rheinische Fröhlichkeit an der Durelle studieren: nur besteht allerdings die Gefahr für ihn, die Metamorphose. ans einem unbeteiligten 'jnschailer in einen tätigen Mitrvirkenden dnrchzulnachen. Wer gedächte schließlich nicht der nilvergeßtichell Erkmüpeil am »Ujein, in Plittersdorf, Königswinter oder bei dem historischen Aeilllcheli, der viel besungenen „Lindenwirtin" in Godesberg? Doch ich null hier abbrechen, um mich mit eUvas größerer ''Ausführlichkeit dem Kapitel „Korps", oder, wie ich es lieber benennen möchte, „Verbüldllngsiveseil" zuznwellden: mtb daß wir das Berbindilngswesell in diesen Blättern speziell vom Standpunkt der Rheno-Silesia betrachten, lvird ilicht wnildernehmen. Wariml gibt es in Bonn überhaupt eine K. E.-Verbindung?, wird wohl mancher fragen. Wir können vielleicht antworten, die Frage sei gegenstandslos, unangebracht, denn die Rheno- Silesia hat in ihrem U? jährigen Dasein ihre Existenzberechtigung zur Genüge beiviesen, aber nur können rmd müssen auch eine prinzipielle Antwort darailf geben. Die Verhältnisse in Bonn

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