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KC-Blätter · 1912-01-01 · Heft 4 (1.1.1912) · p. Seite 69

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 4 (1.1.1912)
Date
1912-01-01
Page
Seite 69 (sequence 13)
Language
German
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. •g*i*«u4lh GO anfgegrissen, um, dnrchdrängt mit Zuversicht uub Hossntmg, durch Arbeit uud Entbehrung erreicht zu werden — so ist es auch liier. Die jüdischen Jngendvereine wollen nicht neuen Hader schassen, toollctt nicht „trennen"— sie wollen „sammeln": die jüdische Jugend zur Erziehung zu einem selbstbewußten (Geschlecht, zu tüchtigen Menschen. Denn die kleinliche Gesinnung unserer deutschen Alitbürger macht diesell Zusammenschluß zur ehernen Notwendigkeit mit» andererseits müssen nur Inden jede innere Zersplitterung beseitigen. Dies kann um durch vereinte .(kraft gelingen, iubciu der einzelne „seine" Person znrückstellt hinter die Gesamtheit uub so milarbeitet zum Wohte unseres Gesamt- Vaterlandes. Die jüdisthe akademische Jugend hat scholl längst, uub erfolgreich, dem Antisemitismus ans deutschen Hochschulen die Stirn geboten — der jüdische Kaufmann beginnt erst allilüihlich zu errvachen und zu fühlen, das; nur Inden als Stiefkinder behandelt iverdeli s nicht nur beim Militär!ß das; eilte Intoleranz besteht, die hinnnterreicht bis in die jüngste Jugend, freilich mitunter drang auch zu ihm etwas davon: auf der Geschäftsreise wird ihnt erwidert: „ich kattfe nicht bei Juden— wollte der jüdische Lehrling — nichts ahnend — sich wie sein „Eollege" in den deutsch nationalen Handlungsgehilsen-Aerband attfnehmen lassen, so wttrde er einfach abgerviesen. Diese Unwissenheit, ans jedeli fall dieses „Sich-Gehen-lassen" der jüdischett, besonders der kanslttältnischen. Jttgend ltms; beseitigt werden; wir müssen seine Quelle erkennen, denn nur bann können wir den richtigen Weg finden, um diesen .Krebsschaden für intmer zu tilgen: und diese Quelle ist nichts anderes als die falsche Erziehung. Wie oft scholl wurden die jüdischen Mütter mit den mir zu berechtigtet; Vorwürfen überbaust, das; sie nur Zeit haben für ihre Kleider, für ihren Schmuck, fürs Cafü — nicht aber um ihr XHitb aufzuklären über das Jttdentum und dessen Stellung. Mail könnte einwerfen. die reine Seele des Kindes soll rein gehalten werden von all dem Hader nnb Kamps, der es in seinem Nichtsahnen umtobt; allein tvieviel besser ist es, das herattwachsende Kittd nach und nach einznsühren in die Wahrheiten der Welt, als das; es nachher hinausgestellt, unwissend über das. was ihm Schritt für Schritt entgegentritt, machtlos in den; Strudel fortgerissen wird zur Taufe oder einem schleichenden Wesen — fern von jedem Selbstbewußtsein, von jeder eigenen Kraft. Hier gilt es einzngreifen: die Zukunft des deutschen Jttdentumes beruht auf unserer Jugend. Jtt die elterliche Erziehung können wir nicht eingreifen, vielleicht mitunter einwirken, aber der schulentlassenen Jttgettd können und müssen wir uns annehmen und ihr feiten Boden unter die füße geben: anstatt den übend im Variet,' zu verbringen oder beim Kartenspiel, muß sich die Jugend znsammenftttdett int Heim des Vereins ztt Vorträgen, ztt körperlichen Hebungen/ zur (Geselligkeit: dettn nur eine solch herangebildcte Jttgend ist gewappnet zu einem Kampf, der eine Minorität znm «iege führen soll, der den künstlich erzeugten Riß in der deutschen Jugend heilen, jedweden konfessionellen Ausschluß bannen soll, ztt 'dauerndem frieden und zu dauernder Eittheit. Schwindet die konfessionelle Abschließttng in Dentschlatid: nur werden mit die ersten sein, die ihre Sottderslellung mrsgeben! Vielleicht können „wir" schon vorher auf sie verzichten, wenn, wie nicht oft genttg betont werden kann, schott im Elternhanse der jüdische Jüngling und das junge Mädchen das Selbstbewußtseirt ausnimmt, das wir heute erst der schulentlassenen Jugend nnb nur im abgesonderten Vereins leben betbringen können. — Sahen wir nun, daß die jüdischen Jugettdvereine unter dem Drucke der Notwendigkeit gegründet wurden, daß sie weiter und weiter att Attsdehnttttg gewinnen sollen, so müssen wir ttorh daS „innere" Priitzip dieses Verbandes kennen lerttett: seine „%mtralitiit“. „Nicht soll dadurch irgend eine' Richtung uitterdrückt werden. Im Gegenteil: Ter Verband will jeder Nichtuttg ihr Necht lassen. Jeder soll seilte Meinung frei äußern können. Jeder soll für feinen Standpunkt chic — ideale Propaganda entfalten können. „Praktische" Propaganda aber — die muß ans den Vereinen fernbleiben." [et. a. O. II. T S. 20]. Der Verein als solcher muß neutral bleiben. — Welche K nrzsichtigkei t ckecktin solchenAnuchten! Ein solches Prinzip ist rein formalistisch! Der Verband tnnß über kurz oder lang eine ..recke Tendenz" sich erwählen, freilich — hat die Wühlarbeit ziortistischer Propaganda den stolzen Ban des Verbandes untergraben — es ist zn spät! Dieses Verlangen einer festen Tendenz beruht aber nicht allein ans einem Antizionismus, sondern vor allem auf folgendem Gesichtspunkt: Zwei beztv. drei Ausgaben hat der Verband sich zum Ziele zu sehen: 1. Die jüdische Jttgend zu „selbstbewußten Inden" zu erziehen. D amit wird Stellung genotntnen gegen den Jndtsferentismus und das Renegatentum. Mit Recht wurde betont, daß dies im Wege eines „neutralen" Verbandes erreicht werden kann.

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