KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1911-1912
- Issue
- Heft 4 (1.1.1912)
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 10)
- Language
- German
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Ebensowenig um* es einen gesellschaftlichen Antisemitismus gibt, gibt es einen Radanalltisemitismus. Nie uürd man es briiticu nüticj haben, wie in Deutschland Ohrfeigen nnd Stockprügel an christlich liebende Mitbürger wegen antisemitischer Unverschämtlpüten freigebig verteilen zu müssen. 9iio wird man in einer Leitung den in Dentschtand so verbreiteten Anpöbelungen der Juden begegnen. Im Gegenteil. als im Vorjahre ein Kongreßmitglied des Stimmenkaufes angeklagt war. suchte er dadurch Snmpathieu fiir sich zu errvecken, daß er auf sein stets freuudliches und hilfreiches Verhalten den ävmflcu der New Yorker Juden gegenüber hinuües. Wenn auf der Bühne Levy (sprich ..lüvtü'') verulkt wird, so geht es deiu Iren Pat. Vlr. Gastou, dem Frunzoseu und Haus uud Irih. bcu Deutschen, nicht besser. Es ist aber nur gittmiitiger Spott, der getrieben wird und dem der Stachel der Notzeit uub des Verletzeutvolleus fehlt. Beruflich tmd sozial bedeutet die Auswanderung nach Amerika für den jüdischen Akademiker eine Hebung imb Besserung. Wer aber selbst als Ausländer drüben 11ocf) uicht ganz heinüsch werden kann, der gibt seiueu Kindern wenigstens die Möglichkeit, vollgültige Staatsbürger erster Klasse zu werden, ohne sie zu dieseni Zweck mit der Schmach der Taufe beflecken zu müssen. Tagungen studentischer verbände. Die Verbandstagungen fast säintlicher studentischen Verbände beschäftigten sich in diesem Jahre mit der Duellsrage und der mit dieser im engsten Zusammenhänge stehenden Ehrengerichtsfrage. Interessant ist es, wenn mau die Berichte der Tagungen liest, die große Verschiedenheit in der Auffassung dieser Tragen festzustellen. So viel Verbände — so viel Meinungen! Vom Wilmots, der [einen Anschluß an die Antiduel! l?iga beschloß, bis zmn alldeutschen 'Ftüdesheimer Verband deutscher ÄLurscheuschaften (W. D. £.), der scharfe Stellung gegen das Bestreben der Treien Studentenschaft, Ehren angelegenheiten durch studentische Ehrengerichte zu erledigen, nahm und nachdriicklichst darauf hinwies, daß „s o l ch e r A b in e i ch n n g v o m bewährten Branche keineswegs Folge gegeben werden dürfe"! Diese energische Betonung, an denr Althergebrachte!! festzuhalten, ist wohl auf die Erfolge zurückzuführen, die der Gedanke der Freistudenteuschaft bisher gehabt hat: der SchlvarjVurrrbund hat sich für die Errichtung von studentischen Ehrenräten'an alten deutschen Hochschulen au s - sprachen, der Wingolf hat seine Mitglieder a:--'gefordert, sich an der Errichtung studentischer luengerichte zu beteiligen, uud auch der Allgemeine Deutsche 'Aurschenöund (Ä. D. WI hat diese Trage einem Ausschuß zur Vorbereitung sin die nächste Verbandstagnng übergeben. Inzwischen hat er sich dahin festgelegt, daß keine Vursthenschaft berechtigt sei. „einen Gegner, der die Satisfaktion verwirft, sich aber zu einem Ehrengericht bereit erklärt, als une h r e u h a f t z u b e Handel u." Ob diese ^lrt der Erledigung von Ehrenhändeln durch studentische Ehrengerichte sich dnrchsehen wird, erscheint mehr wie zweifelhaft. In absehbarer Zeit ist jedenfalls bei der ablehuendeu Stellung der großen. Verbände an einen bedeutstunereu Erfolg bü ■ r Bestrebungen nicht zu denken. Jedoch besteht bei fast allen Verbänden das Bemühen, die bislc übliche Art der Mensuren ,;u milbcni. Allerseits herrscht Uebereinstiminllng, daß die Pinoie als stndentische Waffe nicht in Betracht konnncn dürfe. Und auch die S ü b e l m e u s u? will man nur noch in seltenen Tälleu zur Auu-endung bringen. Die Deutsche Landsmannschaft lD. L) beschloß in ihrer Kvbnrger Tagung, mit den Altherren- Berbänden der andern Besrimnumg schlagenden Verbände Mhlung zu suchen, um die Säbelmensnren eilrznschränken und den Schläger als .Hanptwasfe des Studenten wieder in den Vordergrund treten zu lassen. Der Erfolg dieser Bestrebungen bleibt abznwarten. Inznüschen bemüht sich der Liöfcncr L. C., die studentischen Sitten auf eine andere Weise zu heben. „Ein hoher K. 3. E. wolle V o r k e h r u u g e u t r e f f e n . nur dem leider i in ul e r m e h r ein r c i ß e u d e u V r ü g e l k v m - ment zu steuern." In der Beratung über diese Anregung eines A. H. wurde — wenn mait den „Akademischen Vlo'natshestcn." dem Organ der deutschen Korpsstudenten, folgt — allgemein die Schwierigkeit anerkannt, in diesen: Punkte Wi'mebur zu schaffen. Man begnügte sich deshalb mit dein Beschlüße, daß die einzelnen S. C. S. C. mit den „entsprechenden" größeren Verbänden, mit bnien eine Verein barnng in diesem Sinne möglich sei. Fühlung nehmen nnd eine Gruppe bilden sollten ähnlich wie der seit kurzem in München bestehende lose V e r b a n d schlagender Verbindungen mit Farben. — Dieser Beschluß des S. E. verdient größte Aufmerksamkeit. Das Bemühe» des S. E., daß Beleidigungen nicht mit der Faust ausgetragen werden sollen, ist gewiß lobenswert. Man sollte tneineu, daß darin die ganze