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KC-Blätter · 1911-10-01 · Heft 1 (1.10.1911) · p. Seite 17

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Journal
KC-Blätter
Volume
1911-1912
Issue
Heft 1 (1.10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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17 Diese aso 1 ute parlamentarische U nfruchtbarkeit hat dem Antisemitismus beu Lebensnerv durchschnitten. Bei einem ernsthaften Volk, wie es nun einmal die Deutschen sind - verzeih, vieledler Magyar, aber Dein Großvater war doch auch ein ernsthafter Mann, nicht wahr! — verlangt »um nun einmal von Leuten, die an der entscheidenden Stelle sitzen, auch Leistungen oder wenigstens den Versuch dazu. Als man an Stelle dieser Leistungen immer und immer wieder nur Geschwätz Hörle, da wandte man sich von den Leuten ab. die den überzeugenden Beweis ihrer Ueberstüssigkeit erbracht hatten. Die Zahl der antisemitischen Vertreter sank 1898 auf 12, 190:1 auf 9. Die Hochburgen der Partei in Hessen und Sachsen sind diesmal verloren gegangen. Wo man diese Leute seit längerer Zeit kennt, hat man eben genug von ihnen. Wer wiedergewählr wurde wie Liebermann v. Sonnenberg, der hat das weniger seinem Antisemitismus als seinem Bündlertum zu verdanken. Ein paar neue Bezirke wurden allerdings erobert, einige der rück' ständigsten Kreise Ostelblens. Hier konnte der Antisemit den Konservativen ablösen, weil er dieser von keiner politischen Aufklärung berührten Bevölkerung als der Befreier von dem Junkerjoch erschien. Daß diese Siege längeren Bestand haben sollten als einst die in Hessen und Sachsen, werden selbst Antisemiten, wenn sie noch eine Spur nüchternen Denkens sich bewahrt haben, nicht behaupten. Mit dem Antisemitismus als politischem Faktor ist es bei uns wirklich aus. Wenn er parteimäßig noch nicht ganz von der Bild fläche verschwindet, so liegt das daran, daß er einmal aus dem gesellschaftlichen Antisemitismus noch immer eine gewisse Kraft sangt, und dann, daß er sich mit einer Reihe anderer rückständiger Bestrebungen verquickt har, die mit der Bekämpfung des Judentums keinen inneren Zusanunenhang haben. So vegetiert er denn noch. Mehr aber auch nicht. Jede Werbekraft in den zukunftsreichen und intelligenten Schichten des Volkes fehlt ihm. Und wir. die uni* ihn am gründlichsten kennen, sind am meisten gegen ihn immun. Das kannst Du. alter Freund, der Du ja selber ein Stück gesellschaftlicher Antisemit bist, ehrlich glauben Deinem überzeugten Exantisemiten H. v. G e r l a ch. Der S. E.er als Soldat. Bon Erich Simon (Spreviae) Blomberg. Aus keinem Gebiete der Staatsverwaltung in Preußen wird die Zurücksetzung der Juden in so rücksichtsloser und empfindlicher Weise gehaudhabt, als im Heere. Nirgends aber auch ist der Nachweis, daß diese Zurücksetzung lediglich um der Zugehörigkeit zum Judentum willen stattfindet, so oft und so überzeugend geführt worden, als gerade hier. In Erkenntnis dieser Tatsachen uui* in Anbetracht des Umstandes, daß diese ’^sr■:itfjcl;mtg — die bis zur völligen Ausschließung der Juden aus deni Offizierkorps geführt hat — besonders geeignet ist, uns Inden in unserer Ehre zu kränken und in staatlicher und gesellschaftlicher Hinsicht herabzuwürdigen, sind seil Jahren Inden — aber auch Nichtjuden — unablässig bemüht, diesen ungesetzlichen Zustand zu beseitigen. Seit 1901 wird diese Frage alljährlich im Reichstage erörtert; seit Jahren scholl läßt der Verband der Deutschen Juden au Soldaten jüdischen Glaubens Umfragelt ergehen, über die Erfahrllltgeu, die sie während ihrer Dienstzeit gemacht haben, und beltützt die Ergebnisse zu Sammlungen von Belegen, l, die ci den Abgeordneten unterbreitet. Der Ceniralvereiu deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens nimmt ständig in seiner Zeitschrift Stellung zu dieser Frage 2>. Neuerdings sind auch von den genanuteu Verbänden öffentliche — glänzend verlaufene — Versammlungen abgehalten morden, in denen dieses Thema behandelt imb Resolutionen gegen die Fortdauer des bestehenden Zustandes gefaßt worden sind *'). Tie Zeit muß lehren, ob diese Velnühungen den erwarteten Erfolg haben werden. Uns aber — uns jungen Indem — liegt es besonders ob, zur Klärung dieser Frage beizutragen : Wir. die wir noch aktiv zu dienen oder ül der Reserve Hebungen abznleisten haben, sind die Zunüchst-Beteiligten? Wir sind's, die unter dem Vorurteil am meisten zu leiden, die kränkenden Zurücksetzungen am tiefsten zu fühlen haben; uns aber sollen auch zuerst die angestrebten Aendernngen zu gute fotinneu! Deshalb legt die Dienstpflicht uns Juden ganz besondere'Pflichten auf. Für den K. C.er bedarf es nur eines Hinweises auf das Statut, ') vergl. Löwenihal: Das jüdische Bekenntnis als Hinderungsgrund bei der Beförderung zürn preußischen Reserveoffizier. Berlin 1911. 3) „Im deutschen Reich". 1910, No. 3, 9. 12. ®) „Im deutschen Reich". 1911, No. 4. r».

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