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KC-Blätter · 1911-06-01 · Heft 9 (1.6.1911) · p. Seite 137

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 9 (1.6.1911)
Date
1911-06-01
Page
Seite 137 (sequence 7)
Language
German
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137 Lehrtätigkeit möglichst ausführlich uiederzulegen, um damit Lehrmethode und Lehrstoff uicht voilstäudig oou Personen des F. Bl. abhängig, zu umcheu, der ja, wie es iu der Statur der Sache liegt, immer nnr auf eine verhältnismäßig kurze Zeit seines verantwortungsvollen Amtes waltet, und den: oft genug die hinreichenden Fähigkeiten und Kenntnisse zur volltomme neu Behandlung der schwierigen Materie fehlen dürften. Als oberster Grundsatz des Fuxenunterrichtes ist festzuhalten: keine Trennung des Lehrstoffes vom täglicher: praktischen Lebert, sondern ctm* Brücke zn diesem, ivo es nur intmer angehen mag! Diese Forderung sei iu wenigen Worten begründet. Der junge Fux, der vielleicht nur durch die Ueberredungskunst eines geschickten Werbers iu die Verbindung eingetreten ist, hat meist einen gesunden Widerwillen gegen alles, was ihm als stumpfsinnige Gepflogenheit eines heilte sinnlos gewordenen EeremoniellS erscheinen mitß. Er ist leicht geneigt, in der Mehrzahl der Berlündungsinstitulionen alberne Förmlichkeiten zu erblicken und macht sich, innerlich wenigstens, lilstig über bou heiligen Ernst, mit welchem sie zuweilen ansgenbt werden. Man sage nicht, daß diese Leute von vornhereiit schlechte Verbindungsstrrdelltel: zn rverde,: versprächen — im Gegenteil! Wir tnüffen uns daran gewöhnen. Leute, die denken und Kritik üben, intmer als das wertvollste Material zu betrachten, auch wenn das Resultat ihres ^Nachdenkens nicht gerade schmeichelhaft für die Verbindung ansfallen mag. Ein sorgfältiges Eingehen auf alle Zweifel, das Ansberten des guten Sinns, der bou weitaus meisten Einrichtungen und Gesetze:: der Verbindung innewohnt, der ständige Hinweis auf analoge Institutionen in geachteteil Gemeinschaften, die im anßcrakademischen Leben wirken sz. B. Logen und dergl.), werden leicht überzeugen und aus dem Spötter einen brauchbaren und begeisterten Anhänger machen. Endlich muß dem Fnxen sehr rasch das richtige Blaß in der Beurteilung der ihm neuen Dinge beigebracht werden; die Betonung des Wesentlichen uub eine geringschätzige Behandlung des Nebensächlichen int Leben und Treiben der Verbindung geben dem kritischen Blick bald auch die richtige Perspektive. In kürzester Zeit muß jeder Fux die lleberzeugung gewonnen haben: was bu hier lernst und erfährst, ist keine besondere Verbindungsweisheit, keine verstaubte Tradition, sondern lebendige Vernunft und frisches ideales Streben. Der vielfach vorkonnnendeu Sorge der Neulinge in der Verbindung, daß sie sich in der Korporation auf gleichsam dogmatische Urteile einschwören müßtet:, muß mit aller Entschiedenheit durch liberalste Diskussion jeglicher Meinung begegnet werden — sei sie zunächst nud) im Widerspruch mit allem, was die Verbindung noch hält. Die Autorität als F. M. dazu benützen wollen, Fragen itnd Meinungen eines Fnxen einfach zu unterdrücken, hieße den schwersten Mißbrauch treiben mit einer Machtbefugnis, bie ihm die Verbindung zn ganz anderen Zwecken verliehen hat. Jede Fnrenstunde sei auch eine Disknssionsstuude — die schönste Kunst des F. Bl. wäre es, die Gedanken, die er lehren wollte, als Resümee einer freien Diskussion geben zu können. kleben den: ständigen Hinweis auf das anßerakademische Leben biout das Beispiel des Verbinduugslebens m seiner manigfaltigen Betätigung als eine wichtige Stütze des Unterrichtes. Bei wichtigen Vorfällen, wie Mensuren, Ehrengerickiten usw. darf nie die Gelegenheit zur Belehrung versäumt werden. Bietet sich aber für derartige Dinge die Wirklichkeit nicht schnell genug als Lehrerin au, so muß ans eine einfache Weile die Anschaulichkeit angestrebt werden. Alan lasse Eontrahage. Mensur und dergleichen gleichsmn spielen — das ist dann lehrreicher als eine Vorlesung aus den: Eomment und hat den Vorzug nicht zu langweilen. Dabei darf uatiiilid) die Unterweisung in den Gesetzen und Einrichtungelt der Verbilldung nicht vernachlässigt werden. Dies läßt sich alles erreichen, wenn der F. M. sich stets vor Augen hält, daß seine Lehrtätigkeit sich weit über die Grenzen der ordltllngsgemäß angesetzten Stunden zu erstrecken hat — sie muß wirken, wo und wann nur Gelegenheit sich dazu bietet. Damit tväre die Art des Fuxenunterrichtes in großen Zügen skizziert. Aber zur erfolgreichen Tätigkeit als F. M. gehört neben reichen Kenntnissen und Erfahrungen noch ein weiteres wichtiges Erfordernis, nämlich ein liebevolles Herz für das Wohlergehen der ihm anvcrtranten jungen Leute. Bei aller Autorität, die sich der F. M. inner allen Umständen zu wahrer: hat, muß er dem Fnxen gegenüber geradezu ein Seelensäuger sein. Für alle Beschwerden und Kümmernisse rrruß der Fux als ersten Berater und Vertrauten seinen F. Bl. aufsuchen, der ihn: rreben Trost urrd getreuem Ratschlag auch ernsten Tadel und wohlwollende Verwarnung nicht erspart. Eine nähere Methodik des Fuxenunterrichtes zu geben, wäre wohl mehr von Schaden als nützlich; hier muß der Individualität des Lehrenden ein möglichst freier Spielraum gelassen werden. Der ehrliche Wille des Furmajors, sein Amt gut auszufüllen. wird den richtigen Weg im übrigen wohl finden lassen.

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