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KC-Blätter · 1911-05-01 · Heft 8 (1.5.1911) · p. Seite 131

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 8 (1.5.1911)
Date
1911-05-01
Page
Seite 131 (sequence 17)
Language
German
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131 fort mit der indischen Politik. Nur seine allgemeine politische Ueberzengung und sein wirtschaftliches Interesse dürfen bou. Inden einer Partei anhangen lassen, nicht seine Stellungnahme zum Antisemitismus. Bedarfs der Entgegnung darauf? Und gleicht es eines sonst zweifellos Anständigen Art, Sorge um die bedrückten Anslandsjnden nur wie um jeden andern Notleider ,;u hegeic? Daß der Verfasser hier eine Verpflichtung ans Blutüverwandtschaftsj und 4!ainensgeschichte leugnet, ist so wenig menschlich, daß mir hier mehr eine fast krankhafte Sucht, eine Idee um jeden Preis dnrchzuführen, vorzuliegen scheint. „Wohl aber", schreibt Blach, „sind wir einer Negierung zu Dank verpflichtet, die im Verwaltungswege das Eintreten neuer Hemmungen für unsere Amalgamierung verhindert". So wenig ausgeprägt Ist sein Gefühl für die Verpflichtung, die uns die gemeinsame Eigenschaft „Jude" auferlegt, so stark seine Sehnsucht nach Verschmelzung, daß er selbst ein gewisses Glücksbewußtsein nicht kennt, daß jeden von uns beim Besuch unserer Großstadtgetthos, in denen arme eingewanderte russische Inden ihr karges Brot ohne Todesfurcht verzehren können, dnrchströmt. Wie kann mir 2lebe auf der einen Seite so brünstig, auf der andern so spärlich sein? Des Blutes warurem Quell entsprungen oder autosuggeriert? Die Massentanfe empfiehlt der Verfasser nicht: Er unterscheidet allerdings sehr fein; Taufen ans religiösem Bedürfnis kommen nicht in Frage, lucil zu selten; Taufen aus äußerlichen Motiven, etwa um Karriere zu machen, um Reserveoffizier zu werden, eine Gemeinheit, Taufen „aus dem Gedanken dieser Schrift heraus." da der Einzelne daran verzweifelt, als Jude das $icl der Anpassung zu erreichen, erlaubt. Aber nicht erwünscht. Gerade die Deutschesten unter uns würden so dem Judentum lind damit dem segensreichen, vermittelnden Einflüsse auf die übrigen entzogen. Sonderbarer Heiliger, der Verfasser! Suchet, Ihr anderen Alle, mit mir den, der sich aus den Motiven taufen ließe, und saget ihm, er löge. Auch wäre es nur Feigheit, ans lauter Verzweiflung das vom Ahasverflnch reinigende Wasser zu nehmen, weil das Ideal kristallklarer Anpassung nicht zu erreichen war. Derlei Irrealitäten unterlaufen auch sonst noch. Die Juden sollen nicht aus der Kleinstadt fortziehen trotz aller Chikanen, nein, sie sollen im Interesse der schnellsten Assimilation stillhalten und immer aufs neue die anderen zu erweicheir versuchen, und — um denn noch mehr separierenden Einflüsse der Großstadt aus dem Wege zu gehen. Oh, über dich Idealisten! Roch schrullenhafter ists aber, wird gar verlangt, daß die Juden—christenehen Entsprossenen — Juden bleiben; um so leichter vollziehe sich bei so de sanguine Vorbereiteten, die Erziehung zum Deutschtum. Oh bu Naiver, der du wahrscheinlich nie in die Wirklichkeits- Verhältnisse einer Mischehe hineingesehen! Eine geringe Kenntnis der Juden verrät auch die These, die Inden seien ihrer Nasse nach' Vertreter des kapitalistischen Erwerbes. Dieses merkwürdig einseitige Urteil stützt sich doch lediglich mif Beobachtungen des herrschenden Zustandes, den der Verfasser als aufoktroyiert kennen müßte. Wars denn nicht mal lange Zeit anders? Ein zwei Jahrtausende alter Zwang kann die Befähigung zum Ackerbau und Handwerk ebenso wenig nehmen wie die Unterdrückung nnd das Gettho uns beu physischen Mut rauben konnte. Auch ihn spricht das Büchlein uns ab und ersetzt ihn durch das immerhin schwache Surrogat eitler eisernen Willenskraft, „wenn irgendwelche Grüllde sozialer, wirtschaftlicher, ethischer ^Irt dies erfordern." (Er weist dabei auf den Ruf Hill, den jüdische Säbelfechter in der Studentenschaft genießen.) Ich bestreite jenes. Wer die Anzahl jüdischer Artisten und die große Anzahl der im Sport tütigell Juben gellau tennt, weiß, daß ihre ib'istnugen vielfach natürlichem Blute entspringen, nicht etwa Ergebnisse obiger Art sind. Doch viel verivunderlicher als die geringe Kenntnis j:idischen Wesens und die Berkenlmng jüdischer Arr ist ein gewisses mangelndes Selbstgefühl des Verfassers, das uns K. C.er trotz des Erllstes im Buche abstoßen muß. Blach wirft sich denl Deutschtum, das uns nach seinen eigenen Worten zurückstößt, in einer unangenehinen, au fdringlichen Art an den Hals: „Uns lehlit man mit verletzender Külte ab." „Während unsere Gegner ben um uns sich schließenden Ring illMler höher türmen, sitzeli wir in ihm drin, ängstlich janinlernd, uns beklagelld, daß wir nun gar nicht mehr hinüber fommeii über den Wall, den die bösen anderen aufwerfen .... Stürmlaufe u müssen wir, überspringell laßt uns ihn in: Schlvunge llnseres vaterländischen Gefühles." Ob die Mittel, die ulls Blach gegeben, wohl ein mutiges, schwungvolles Ueberspringen sind? Sind sie nicht vielmehr ein Betteln auf den Krlieen, eine Proskynesis nach Art Kriegsgefangener und Eiltlllanntcr? Männlich dünkt es, den Wall, umzureißen mit den Waffen des Rechts und der Selbstschätzung, Stück für Stück von den verbrieften Rechten zu beanspruchen und zu erkämpfen. Wer glaubt, unser Recht knüpfe an Entjudung, mag gehen, nur wer Tradition und Stamm achtet, dem wird der Kampf für das, was ihm gehört, zur Pflicht. Guter Deutscher ist jeder von uns, der deutsche Kultur, deutsche Sitte, deut-

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