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KC-Blätter · 1911-03-01 · Heft 6 (1.3.1911) · p. Seite 97

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Journal
KC-Blätter
Volume
1910-1911
Issue
Heft 6 (1.3.1911)
Date
1911-03-01
Page
Seite 97 (sequence 15)
Language
German
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07 in Hannover eine allgemeine Studentenversammlung statt, in der beschlossen wurde, die Borj lesungen nicht mcfjc 31t besuchen. Während die Berliner tierärztliche Hochschule seir mehr als zwanzig Jahren sich einer Rektoratsverfassung erfreut, untersteht die hiesige Hochschule noch immer dem Direktorat. "Als in Berlin die , Rektoratsuerfaffnug eingesiihrt wurde, stellte auch der damalige Direktor der Hannoverschen "Anstatt, Geheimer Regierungs und Medizinalrat Professor vr. Damman bei dem Ministerium den "Alltrag, das; das Rektorat auch für die Hannoversche Tierärztliche Hochschule, eingeführt würde. Damals wurde er 'mit seinem "Antrag abgewiesen, und auf einen erneuten Antrag hin wurde ihm bedelltet, derartige Anträge 'in Zukunft zu unterlassen. In allerjüngster Zeit hat Direktor Damman zur größten Freude der gesamten Stndentenschaft, nachdem diese Frage durch die Berleihung des Promotionsrechtes wieder aktuell geworden war, diesen Antrag dennoch erneut beim Ministeriniu eingebracht. Mit Befremden veruahni man. das; diesen; Anträge wiederum nicht stattgegeben worden sei. Lebhafte Protestkundgebungen erweckte vor allem die "Allweisung voll ..oben", die Studentenschaft möge sich dieser "Drganisationsfrage gegenüber, für die sie llicht zuständig sei. vollständig passiv verholtell. Zu der Bersauliillllug ivurde ullter lebhaftein Beifall eine Resolution angenommen, die kurz znsamniengefaht einen Protest zuni Ausdruck bringt. Auf diesen Protest erklärte das Direktorium, das; die Studentenschaft durch übereilte Schritte der Sache, die sie fördern wollte, nur geschadet hätte. Geheimrat Damman, der selbst die Einführung des Rektorats besürrvortete. stand auf deul Standpunkt, das; der Minister gegen würtig der Hochschule keine Rektoraisverfassung geben' kann, weil dadurch Veränderungen im Etat bedingt lvärell, für die es in diesem Fahre Zll spät iväre. Der Unterricht all der Hochschule ruhte voll ständig. Der Minister gab daraufhin boni Direktor der Tierärztlichen Hochschule die "An weisullg. die Stlldelltenfchaft aufzusordern, innerhalb einer angen;essenel; Frist die Vorlesungen wieder .pr besuchen. Wenn der Aufforderung llicht Folge geleistet ivürde, sollte beit beteiligten Studenten das laufende Semester gestrichen werden. Die Aufforderung erfolgte am 21. Januar am schwarzen Brett der Hochschllte, den Studenten wurde eine Frist bis 20. Januar gesetzt, nach deren Ablaut das Semester llicht augerechuet werden sollte. Die Stlldenten, die darill nur einen Einschüchlerungsversuch des Milüsters erblickten, waren zunächst entschlossen, in ihrem Streik zu verharren. Der Direktor wurde nach Vertu berufen, um dem Minister über die ganze Angelegenheit Vortrag zu halten, Gleichzeitig beschloh die Studentenschaft, ihrerseits eine Deputation nach Berlin zu senden, um eine "Audienz beim Minister zu erbitten, itub zugleich auch die Hannoverschen Laudtagsabgeordueteu zu ersuchen, für die Einführung des Rektorats einznt.eten. Ferner wollte man die Vermittelung der S-adtoerlvalruug in Anspruch nehmen. Um der Entrüstung über die ablehnende Haltung des Ministers noch deutlicheren Ausdruck zu verleihen, nmrde beschlossen, an der offiziellen .staisersgebnrtstngsfeier in der Hochschule nicht teilzuuehmen, sondern eine eigene Feier unter, sich zu veranstalten. Eine "Anzahl .Kandidaten, die ihr? Dot'torarbeiten bereits eiugereichl Hutten, haben diese "Arbeiten wieder zurückgezogen und sich mit der Studentenschaft solidarisch erklärt. Wenn die Hochschule keine Reklvralsversannng erhalten sollte, wollten die Studierenden vom nächsten Semester ab die Tierärztliche Hochschule in Hannover überhaupt meiden. Inzwischen waren die Verhandlungen zwischen ".bliuister und Hochschule so weit gediehen, das; eine friedliche Einigung in Aussicht stand. Die Studenten beschlossen daher in einer Versammlung am 2ü. Januar, die Forderung des Ministers zu erfüllen und am 20. früh den Besuch der Vorlesungen und Uebungeu wieder anszunehmen. In einer von der Versammlung beschlossenen Resolution nmrde zum Ausdruck gebracht. das; die Studentenschaft nach vergeblichem Bitten um die Einführnng eines Rektorats kein anderes Mittel gehabt habe als das. den Besuch der Vorlesungen einznstellen. um dadurch der Oefsentlichkeit zu zeigen, das; sie die Verfassung der Hochschule nicht billigen könne. Tie Ab lehnnngsgriinde des Ministers erkenne die Studentenschaft nicht als stichhaltig an. Sie weist auch daranfhin, das; die weitere ablehnende Haltung des Ministeriums im Interesse der Hochschllte sehr zu bedauern sei, weil der größte Teil der Studentenschaft nicht gewillt ist. unter einem Direktorat das Studium im nächsten Semester in Hannover fvrtznsehen. Im übrigen erklärt die Studentenschaft gegen die von verschiedenen Seiten erhobenen Vorwürfe, das; ihr Vorgehen nicht durch eine sozialistische Propaganda hervorgerufen sei, und sie betont, das; sie durchaus ans irationalen; Boden stehe und nur vom rein idealistischen Standpunkt aus gehandelt habe. Fürs erste bleibt also alles beim altem I.

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