KC-Blätter
- Journal
- KC-Blätter
- Volume
- 1910-1911
- Issue
- Heft 1 (1.10.1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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SSL 12 Die Juden hätten sich sowohl auf dem Gebiete der materiellen wie der geistigen Kultur als ein Volk von großer Begabungsquote erwiesen. Da die Rassenkrenzung durch Taufe tlnd Mischehen, welche nach Aushören der Verfolgungen bei den in der Diaspora lebenden Ittden ztl erwarten sei. diesen hohen Kulturwert vernichten müsse, sei die Aufhebung der Diaspora, also die territoriale Zusammenfassung des jüdischen Volkes das Erstrebenswerte. Ein solcher Zusammenschluß sei aber weder durch den Zionismus, noch durch andere Kolonisationsbestrebungen praktisch durchführbar; der Untergang der jüdischen Rasse erscheint ihm daher unvermeidlich. Die Theorien des Verfassers über die Bedeutung der Begabungsquote eines Volkes sind unhaltbare Hypothesen. Zweifellos muß eine durch Generationen fortgesetzte Geistestätigkeit die Entwicklung des Gehirns fördern, wie jedes Organ durch stärkere Inanspruchuahnte gekrästigt wird. Die weiteren Folgerungen, insbesondere die Behauptung, daß die Begabungsquote bei alten Kulturvölkern wesentlich verschieden sei und daß die Rassenmischung auch alter Kulturvölker den Untergang der Begabungsquote herbeiführen müsse, sind unbewiesene und nach dem heutigen Stande der Wissenschaft unbeweisbare Hypothesen. Daß heute Rasse umtterschiede vorhanden sind, ist nicht zu leugnen; wo aber bei der Verschiedenheit der einzelnen Individuen eine Einheitlichkeit selbst in den vielleicht theoretisch denkbaren „reinen Rassen" nicht besteht, wo ferner aber heute alle Kulturrassen vielfach vermischt sind, ist schon die Feststellung der Rasseneigenschaften nach wissenschaftlichen Grundsätzen nur in einem sehr beschränkten Umfange möglich und geschieht in Wirklichkeit nach dem subjektiven Ermessen der selten unbefangenen Rassentheoretiker. Die hierauf gestützten Betrachtungen über den Kulturwert der Kulturrassen können daher nur,vage unwissenschaftliche Spekulationen sein, welche zu politischen und sozialen Folgerungen stets un-, geeignet erscheinen müssen. Trotz der Schwächen des Buches, soweit es zu rassentheoretischen Folgerungen zu gelangen sucht, kann die Lektüre sehr empfohlen werden, da die Kritik der bisherigen Ras'entheorien nnd die Beurteilung der Kulturtaten des jüdischen Volkes viel Beachtenswertes unb Interessantes bietet. MkaSrmische Sagesfvagen. AniversiLLtsfrequen). Die Gesamtzahl der au sämtlichen deutscheit Universitäten im ver-' gaugenen Semester immatrikulierten Studierenden ist auf die gewaltige Höhe von 54845 angewachsen gegen 52407 im letzten W. S. und 51510 im S. S. 1909. Die Hälfte des Zuwachses entfällt auf die philologische Fakultät. Auch die Zahl der Mediziner weist eine erhebliche Steigerung auf, nämlich von 9462 im Vorjahre auf 10082. Entsprechend den ungünstigeren beruflichen Aussichten ging die Zahl der Juristen von 11657 auf 11323 und die der Pharmazeuten von 1454 auf 1147 zurück. Wertin. Zu Beginn des nächsten Semesters begeht die Alma Mater Berolinensis die Feier ihres 100 jährigen Bestehens. Für die Jubelfeier ist aus dem Lehrkörper ein besonderer Ausschuß gewählt worden, der aus 17 Mitgliedern besteht. Auch die Studentenschaft hat zur Vorbereitung des Festes einen Jubiläumsausschuß gebildet. Wegen Besetzung dieses Ausschusses kam es zu Streitigkeiten innerhalb der Studentenschaft, die zu einer völligen Sezession der Freien Studentenschaft, sowie zum Verbot der „Berliner Freistudenlifchen Blätter" führten. Jetzt ist es zu Streitigkeiten zwischen dem Rektorat und den jüdischen Verbindungen gekommen. Das Programm zu den Festlichkeiten sah für den l2. Oktober die Abhaltung des großen Kommerses als gemeinsamer Feier für alle Berliner Korporationen vor. Da an diesem Abend das Versöhnungsfest, beginnt, das wohl fast alle jüdischen Studenten eine Teilnahme zur Unmöglichkeit machte, übereichte die Verbindung im K. C. „Spreoia" sofort nach Bekanntwerden des Programms im Verein mit der Verbindung .Dahlemia" und der Verbindung im K. Z. V. „Hasmonea* dem Rektorat