Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Der Torfmull und seine Bedeutung für den Verkehr mit den Tropen
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 371 (sequence 2)
- Language
- German
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— 371 — Von Palermo aus sind nun im Laufe des Januars und Februars im ganzen elf Postpakete von fünf Kilo mit Apfelsinen, Mandarinen und Zitronen nach Togo abgegangen. Die meisten derselben bestanden aus den bekannten, von geflochtenen dünnen Holzschnitzeln hergestellten Körben, deren man sich häufig im Fruchthandel bedient. Eine feste Umhüllung von Packleinwand für den Postbetrieb verhinderte nicht den Luftdurchzug. Die zuerst mit Seidenpapier umwickelten Früchte wurden auf allen Seiten von möglichst trocken gehaltenem und rundumher fest gestopftem Torfmull umgeben. Eine solche Verpackung der Fünfkilo-Pakete gestattete in einem Korbe die Unterbringung von nicht mehr als acht Orangen oder zwölf Mandarinen, obgleich die Torfeinhüllung auf das knappeste Mass beschränkt worden war. Da von den Mittelmeerländern aus keine direkten Postverbindungen mit Togo zur Verfügung standen, mussten diese Pakete den weiten Weg über Hamburg nehmen. In Togo (Lome) angelangt, hatten sie vorläufig auf Lager zu bleiben, bis sie den weiten Weg von 375 km ins Innere antreten konnten. Die drei ersten Postsendungen (neun Pakete) wurden von Lome alle zusammen ins Innere abgeschickt, so dass die Gesamtdauer ihres Versandes von Palermo bis Bassari 70 Tage für die allererste, 46 Tage für die letzte betragen hat. Trotzdem ist das Ergebnis ein sehr befriedigendes gewesen. Am meisten hat sich die Verpackung in den Holzkörben bewährt, weniger die in Blechbüchsen. Die dreizehn in einer solchen wasserdicht verschlossenen Biskuitbüchse mit Torfmull verpackten Mandarinen, die 70 Tage unterwegs waren, langten sämtlich in feuchtem, verrottetem Zustande in Bassari an. Sie waren innen und aussen schwarz und kaum mehr als Früchte kenntlich. Acht Apfelsinen dagegen, die in derselben Weise verpackt, 55 Tage unterwegs blieben, trafen in bestem Zustandre daselbst ein. Eine einzelne Mandarine, die mit den acht Orangen zusammen verpackt war, gab indessen das nämliche verrottete, schwarze Aussehen kund, wie die vorhin erwähnten. Von den übrigen 27 Mandarinen in den Holzkörben sind zehn in tadellos frischem Zustande in Bassari angelangt. Von den 45 von Palermo abgeschickten völlig reifen Apfelsinen sind (nach 46 bis 70 Tagen!) 41 in tadellosem Zustande angekommen. Die vier verdorbenen sollen trocken verrottet, wie Torfstücke, ausgesehen haben. Die dünnschaligen Mandarinen sind von zarterer Beschaffenheit und auch im europäischen Fruchthandel leicht dem Verderben ausgesetzt; dennoch sind in einem der Holzkörbe, der 70 Tage unterwegs war, von elf nur sechs verdorben, die übrigen fünf aber alle völlig intakt in Bassari angelangt. Durch diese Versuche mit Aepfeln und Orangenfrüchten ist jedenfalls festgestellt worden, dass der Torfmull auch in geringem Volumenverhältnis zur Erhaltung von frischen Früchten während einer zweimonatigen und längeren Reisedauer mit Vorteil Verwendung finden kann. Unsere Gemüse- und Fruchthändler sollten sich daher beizeiten, solange noch höhere Preise reichen Gewinn verbürgen, an die Herbeischaffung von solchen Tropenerzeugnissen machen, die bei uns noch nie auf den Markt gebracht worden sind, wie z. B. Manioc-Knollen, Mango-, Mangostan-, Papaya- und andere Früchte. Die gleichfalls noch nie im frischen Zustande bei uns gekosteten Datteln würden im Spätherbst gewiss begeisterte Verehrer gewinnen. Für den Pflanzenhandel, insofern derselbe bisher nur auf die Verwendung der sogenannten Wardschen Kästen angewiesen war, verspricht der Torfmuli wahrscheinlich noch grösseren Gewinn, und wahrscheinlich wird auch davon schon