Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Pflanzungsverein "Palästina"
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 353 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- 353 — PFLANZUNGSVEREIN „PALAESTINA". Die Not der osteuropäischen Juden schreit zum Himmel; die Auswanderung schwillt über die Grenzen. Aber wohin die Aermsten auch kommen: selbst in die Länder der Freiheit bringen sie den Golus mit. Abneigung, wenn nicht Hass heftet sich an ihre Sohlen, immer enger wird der Spalt der Tore, durch die man sie hineinschlüpfen lässt, und bald werden sie sich ganz schliessen. Wohin dann mit ihnen? An~ der Schwelle ihrer Stiefheimat liegt die wahre Heimat ihres Herzens, das Land der Väter, Palästina. Hierhin zieht sie die heilige Sehnsucht der Jahrtausende; hier finden sie Stammes-, Sprach- und Glaubensgenossen, geschulte Kadres, bereit und fähig, die neuen Rekruten schaffender Arbeit aufzunehmen und zum Siege zu führen; hierher kommen sie als Träger einer höheren Kultur, trotz aller Widerstände doch als willkommene Gäste, während sie im westeuropäischen Kulturkreise als die verachteten Vertreter einer rückständigen Kultur, einer für immer toten Vergangenheit der Wirtschaftsarbeit erscheinen müssen. Hier finden sie ein Land, gross und fruchtbar genug, um Hunderttausende allein durch Gartenbau und Kleinlandwirtschaft zu erhalten, ein Land, durch seine Verkehrslage und seine Naturschätze dazu berufen, ein blühendes Zentrum der freien Weltwirtschaft der Zukunft zu werden. Diesem Lande der Verheissung fehlen nur die Menschen, um gross und blühend wiederaufzuleben — dieselben Menschen, die jetzt als Völkersplitter über die Erde gefegt werden, um unter tausend Leiden ihrem Glauben, ihrer Nationalität, ihrer geschichtlichen Aufgabe verloren zu gehen. Sollte es nicht Pflicht aller Juden der Welt sein, die noch daran glauben, dass Israel sich erhalten muss, um jene grosse, jene furchtbar grosse und schwere Aufgabe zu erfüllen, dem Lande zu den Menschen, den Menschen zu dem Lande zu verhelfen? Dieses Bewusstsein ist denn auch den Juden der freieren Länder zu keiner Zeit verloren gegangen. Liberale und Orthodoxe, Zionisten und ihre Gegner, Philanthropen und Sozialisten aller Schattierungen, so bitter sie sich sonst befehden mochten: auf diesem neutralen Boden haben sie sich immer wieder getroffen, haben in gemeinsamer Arbeit die Streitpunkte geringer und den Gegner selbst höher schätzen gelernt und eingesehen, dass wir alle einen Berg zu erklimmen uns bemühen, auf ver-