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Altneuland · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1906) · p. Seite 343

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1906)
Article
Über die Halbinsel Sinai [Nachricht]
Date
1906-10-01
Page
Seite 343 (sequence 2)
Language
German
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— 343 — war Hathor, die Herrin der Türkisen, der inmitten der steinigen Hügel in Serabit eine Kapelle und ein Tempel errichtet war. Den ersten Höhenaltar, der hier errichtet wurde, verlegt Petrie in die Zeit um 4750 v. Chr.; der Tempel selbst, der im Freien lag, wurde in der Zeit von 3450—1150 v. Chr. ständig erweitert. Hathor war keine ägyptische, sondern eine semitische Göttin. Die Aegypter verbanden später mit der Verehrung der Hathor auch die ihres Gottes Sopd, aber das Ritual in Serabit war rein semitisch, so dass tausend Jahre vor Moses und der Festlegung des Rituals des Volkes Israel ein ähnliches auf der Halbinsel Sinai in Uebung war. In den Ruinen des Tempels finden sich zerbrochene Altäre, die zur Verbrennung von Opfern und Weihrauch dienten. Man sieht noch grosse Aschenlager, zu denen die Feuerung aus weiter Entfernung gebracht worden sein muss; verschiedene zerbrochene Steingefässe und Becken zeigen, dass die Andächtigen auch eine ganze Reihe von Waschungen vorgenommen haben. Sie suchten auch, wie eine ganze Anzahl von Schlaf räumen beweist, dureh Schlafen in der Umgebung Traumorakel zu erhalten, in der Hoffnung, die Göttin würde ihnen offenbaren, wo ihre kostbaren blauen Steine verborgen Hegen. Und wer vom Glück begünstigt war, errichtete in dankbarer Erinnerung Steine oder Säulen mit Inschriften, die man noch lesen kann . . . Im Anschluss daran führt Petrie aus, dass das von Moses gegebene „Gesetz" nur eine Vereinigung alter semitischer Bräuche darstellt, die nicht auf Abrahams Familie beschränkt waren. Als die Oberherrschaft der Aegypter nicht länger aufrecht erhalten wurde, zerbrachen die Beduinen alles, was leicht zu zerbrechen war, aber sie Hessen die Stücke zurück, und das trockene Wüstenklima hat sie alle unversehrt erhalten. So fand Petrie die alten Feuersteinwerkzeuge der Arbeiter neben Stücken schöner Alabastervasen aus der Zeit der letzten Dynastie. Sein bedeutendster Fund aber ist eine semitische Schrift auf den Steinen. Diese Schrift widerlegt die Theorie, dass den Hebräern die Kunst des Schreibens unbekannt war, bis sie sie von den Ägyptern lernten; sie macht es fast sicher, dass die Hebräer lange vor ihrer Gefangenschaft in Aegypten, während der Regierung Ramses II., 1300—1234 v. Chr., Aufzeichnungen über ihr Volk machten. „Als dann die Hebräer unter der ersten Monarchie die Materialien für die Geschichte ihres Volkes -sammelten, war das eine Herausgabe wirklicher Dokumente und nicht bloss mündlicher Ueberlieferung, wie die äussere und innere Wahrscheinlichkeit zeigt." Von grossem Interesse ist auch ein Kapitel des Buches, in dem Petrie die Geschichte des Auszuges aus Aegypten auf Grund der Erfahrungen bei seinen eigenen Reisen auf der Halbinsel Sinai betrachtet. Er meint, dass die traditionelle Ansicht über die von den Israeliten eingeschlagene Richtung richtig ist, d. h. dass sie sich südwärts nach Wady Charandel wandten. Die natürliche Oase, wo sich die Midianiten zum Widerstand gegen die Eindringlinge sammelten, war Wady Teiran, damals wie heute die fruchtbarste Gegend der ganzen Halbinsel. Die klimatischen Bedingungen können sich aber während der verflossenen 3000 Jahre nicht verändert haben, und da Wasser und Nahrungsmittel knapp waren, so können es nicht mehr als 5000 Menschen gewesen sein, die durch die Wüste geführt wurden. Daher hält Petrie auch die in Numeri I. und XXVI. gegebenen Volkszählungslisten über die Stämme Israels nur für richtig, wenn man sie anders interpretiert. Es wird für den Beginn der Wanderung eine Bevölkerung von 603 000 und für den Schluss 601 700 angenommen, eine Menge, die in einem so öden und wasserarmen Lande nie hätte ernährt werden können. Petrie weist nun darauf hin, dass das hebräische Wort „alaf" entweder „Tausend" oder „Gruppe", „Familie"

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