Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Pflanzungsverein "Palästina"
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 276 (sequence 2)
- Language
- German
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— 276 — lichung der national jüdischen Ideen ist zunächst von der nationalen Selbsterziehung jedes einzelnen abhängig. Die Behauptung und Pflege nationalen Judentums trotz vorherrschender Assimilationseinflüsse der Umgebung verlangt nicht geringe Widerstandskraft und Ausdauer und stellt insbesondere unserer Jugend, die eigene, von zionistischen Anschauungen gewiesene Wege einschlagen will, eine wichtige und schwere Aufgabe. Je größer aber der erforderliche Energieeinsatz des einzelnen Mitgliedes für seine Partei ist, desto inniger und fester ist die Zugehörigkeit zu ihr. Der zweite Teil unseres Programmes, die Sorge um „die Rückkehr ins Judenland'4 war aber bisher fast ausschließlich den Führern, oder besser gesagt, dem Führer überlassen. Ein solcher Zustand aber, wenn er andauert, birgt die Gefahr in sich, die unbeteiligte Masse vom Ziel zu entfernen und gleichgültig zu machen. Nur wenigen ist es gegönnt, durch .Einsetzung der eigenen Persönlichkeit oder wenigstens eigenen Kapitals an der Erwerbung unseres Landes teilzunehmen. Um so wichtiger sind daher Institutionen, die die unmittelbare Beteiligung weiter Massen an unserm Werke ermöglichen. Die Sehnsucht unseres Volkes nach seinem Heimatlande ist in den letzten Jahren in Frage und von einem Teile früherer Parteigenossen sogar in Abrede gestellt worden. Wie unrichtig diese /Behauptung an sich auch sein mag, richtig ist immerhin, daß diese Sehnsucht insbesondere soweit sie nur unbewußt mitwirkt, gepflegt und gehegt werden muß, ehe sie als lodernde Flamme hervorbricht. Der so gestärkte Wille des Volkes wird schon Wege finden, sein Ziel bald zu erreichen. Unsere Sehnsucht war — auch dies ist eine Schwierigkeit für uns — weil sie immer auf die weiteste Ferne sich beziehen und nicht in der Nähe ihren konkreten Gegenstand finden konnte, oft zu einer körperlosen, überirdischen, metaphysisch-mystischen geworden. Sie war nicht von dieser Welt und drängte nicht zu Taten, „die diese Welt zu erobern" bestimmt waren. Jetzt ist es anders geworden. Denn wir verlangen nach einem Ziele, das wir bald, sehr bald erreichen wollen. Die erstrebte Heimat soll kein Traumgebilde bleiben, sondern in ihrer Wirklichkeit vor uns stehen, und zu Taten uns bewegen. Wenn nicht alle, die dahin streben, auch schon die Möglichkeit haben, den Boden im Schweiße ihres Antlitzes zu pflegen und damit immer mehr zu lieben, so soll doch jeder es versuchen, von der Ferne