Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- Die Entdeckung des wilden Urweizens in Palästina
- Date
- 1906-09-01
- Page
- Seite 274 (sequence 9)
- Language
- German
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— 274 — Gräser beherbergt (Agropyrum, Triticum, Aegilops), die im Volksmunde wohl als Urahnen des Geschlechts des Kulturweizens bezeichnet worden sein können, aber merkwürdig erscheint der Umstand, daß der überall im mediterranen Süden weit verbreitete und defca Kulturweizen besonders nahe verwandte Aegilops (A. ovata L.) nach dem Zeugnis von Izenga noch heute in einigen Gegenden der Insel den Narnen „frumentu sarvaggiu", d. i. „wilder Weizen", führt. Das Merkmal, das gerade bei der genannten Aegilopsart, im Gegensatze zu anderen, die nahe Verwandtschaft bekundet (die drei Keimwurzeln des Samens, im Gegensatze zu der einfachen bei anderen), ist ziemlich subtiler Art und dem unbewaffneten Auge kaum erkennbar. Die volkstümliche Bezeichnung der Pflanze macht also der Beobachtungsgabe des Sizilianers alle Ehre. Zu den wichtigen pflanzengeographischen Tatsachen, die wir der letzten Reise von Aaronsohn verdanken, kann man dem Zionistischen Komitee, das ihn aussandte, nur Glück wünschen. Mögen sie seinen edlen Bestrebungen ein Zeichen glücklicher Vorbedeutung sein, und gewiß ist es ein Zeichen, äieses Auffinden des Urweizens dicht bei einer der neuen Versuchsstätten, wo das von Hause aus so durchaus ackerbautreibende Volk Israel wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zurückgegeben werden soll. Die Akademien und die wissenschaftlichen Körperschaften, die sich die Lösung der alten Kulrurprobleme zur Aufgabe machen, werden es jetzt bedauern, daß ihnen ein so schöner Preis entgangen ist. Vor Jahren hatte sich Geh. Rat Körnicke vergeblich an die Wiener Akademie, dann auch nach Berlin gewandt, ohne Entgegenkommen zu finden. Vergeblich hatte Körnicke darauf hingewiesen, wie wünschenswert es doch sei, daß einmal Klein- und Vorderasien genauer mit Rücksicht auf die landwirtschaftlichen Kulturpflanzen durchforscht würde. Diese Fragen haben doch nicht allein für die Botanik Interesse, sondern für alle gebildeten Menschen, denen die Kulturgeschichte der Menschheit nicht gleichgültig ist. Es ist aber ungemein schwierig, andere, denen mehr als eine bloß beratende Stimme zukommt, für die Befriedigung wissenschaftlicher Liebhabereien zu gewinnen und vom Bevorzugen und in den Vordergrund Drängen der eigenen abzuhalten. Eine Treppe mit vielen Stufen führt aus den tiefsten Schächten menschlicher Ueberlieferung bis zu uns herauf, aber