Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Die Auffindung des wilden Emmers (Triticum Dicoccum) in Nordpalästina
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 217 (sequence 5)
- Language
- German
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— 217 — selben auch bei Besprechung seiner Exkursionen am Hermon1) mit keiner Silbe Erwähnung getan hatte. Erst 1889 beschrieb Körnicke die Pflanze in der Zeitschrift der Niederrheinischen Gesellschaft unter dem Namen Triticum vulgare var. dicoccoides (für die Gesamtart hat Ascherson seither in seiner Synopsis der Mitteleuropäischen Flora II, S. 674, dem Vorgange Hackeis folgend, dem Namen T. sativum Lam. den Vorzuggegeben und den von vulgare Vill. der bei weitem am häufigsten angebauten Weizenrasse unserer nördlichen Gebiete vorbehalten). Körnicke hat seitdem die Kotschysche Pflanze immer als die wilde Ursprungsart des Emmers bezeichnet, dieser aus grauer Vorzeit in die Gegenwart herübergeflüchteten Reliktform des ältesten Getreidebaues. Der Emmer ist durch beglaubigte Grabfunde aus den ältesten Epochen des historischen Aegyptens nachgewiesen worden und obgleich auch Körner von heutigem Hartweizen in einem Grabe des mittleren Reiches (1886 zu Gebelen) aufgefunden wurden, so scheint doch aus der Mehrzahl der Funde hervorzugehen, dass vorwiegend Emmer angebaut wurde. Aus welchem Lande den alten Aegyptern, die nachweisbar bereits vor der ersten Dynastie (3000 Jahre v. Chr.) im Besitze von Emmer und Gerste waren, die erste Kenntnis vom Ackerbau und zwar vom Anbau von Zerealien, die bei ihnen ursprünglich nicht vorhanden sein konnten, zukam, ist eine Frage, die im Zusammenhang mit den übrigen Kulturentlehnungen Aegyptens, namentlich mit derjenigen des Kupfers und der Bronze, des Pfluges und des Rindes, ja vielleicht auch mit der Frage des Pyramidenbaues und der Erfindung der Hieroglyphen behandelt sein will.2) Wie im alten Aegypten, so ist auch in zahlreichen Pfahlbauten, sowohl der jüngeren Steinzeit als auch der Bronzezeit, Emmer aufgefunden worden. .In Luristan, im Lande des Urvolks der Bachtyaren, in Serbien, in Württemberg, in der Schweiz, in den Baskischen Landen wird heute noch Emmer angebaut, in unseren Himmelsstrichen vorzugsweise als Sommergetreide. Nach Körnicke, der seit zwanzig Jahren in einer langen Reihe der interessantesten Briefe nicht müde geworden ist, mich in seiner *) Sommerflora des Antilibanon, Bot.-zool. Ges. Wien 1861. 2) Es kann mit ziemlicher Bestimmtheit angenommen werden, dass diejenige Kornart, die in den Hieroglyphentexten mit „boti" (BÖTE) oder auch „beta bezeichnet wird, Emmer war, und dass die oXupa der Septuaginta dasselbe bedeutet, ebenso wie das „Kussemeth" des Alten Testaments. (Exod. IX, 32; Jes. XXVIII, 251; Ezechiel IV, 9.)