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Altneuland · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. Seite 185

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Der "Bezalel" in der hl. Stadt
Date
1906-06-01
Page
Seite 185 (sequence 2)
Language
German
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— 185 — Art, Büsten, Photographien, Zeichnungen, Kunstgemälde miteinander um den Vorrang wetteifern. Hier ist auch die Statue des Herrn Glitzenstein, die wir noch von dem Kongress her kennen, untergebracht. Nach einer talmudischen Erzählung gearbeitet, stellt das Werk den Propheten Elijahu, mit dem Schofar in der Rechten, dar. Die obere Etage ist zur Wohnung des Direktors, wo zugleich Kanzlei und Sekretariat sich befinden, eingerichtet. Das Ganze stellt ein einheitliches Bild dar, es bildet eine Welt im kleinen. Bei aller Vermeidung von Eleganz und Aufwand ist doch alles, das Geringste wie das Wichtigste, so schon und praktisch ausgeführt, dass man sich darüber des Ausdrucks der Bewunderung nicht erwehren kann. Der „Bezalel" beschäftigt bis heute 80 Personen. Da sie sich verschiedener Sprachen im Umgang bedienen, so wird Gewicht darauf gelegt, dass das Hebräische Umgangssprache werde. Zu diesem Zwecke ist ein Abendkursus eingeführt, an dem nicht weniger als 20 erwachsene Männer teilnehmen. Der „Bezalel" hofft aber, mit der Zeit Hunderten Arbeit geben zu können. Er plant verschiedene Industrieartikel einzuführen, die deren Erzeuger reichlich ernähren werden. Da die Arbeitslöhne hierzulande ungleich niedriger sind, scheint er in seiner Zuversicht nicht fehlzugehen. Prof. Schatz, ein Mann von Routine, reich an Erfahrung und praktisch genug, um zu wissen, was er hoffen darf und was nicht, gibt sich so leicht keiner Illusion hin. An Arbeitskraft wird es ihm nicht fehlen. Ueber 400 Bewerberinnen haben sich für die Teppichknüpferei allein gemeldet. Mit diesem Artikel, als dem leichtesten Fach von all den Industriezweigen, die er einzuführen gedenkt, sollen sich nämlich ausschliesslich Frauenspersonen beschäftigen, während der Männer schwerere Arbeiten harren. Also über 400 Personen für einen einzigen Beruf. Natürlich gibt es in dem gemieteten Lokale keinen genügenden Raum zu deren Unterbringung. Es musste, damit die eine sich nicht zurückgesetzt sehen soll vor der anderen, unter den Angemeldeten ausgelost werden. Jubel und lautes Schluchzen durchzitterte den Saal, als das Resultat des Loses den zwischen Hoffnung und Furcht Harrenden bekannt gegeben wurde. Der Schmerz der Enttäuschten war ebenso gross wie die Freude der Glücklichen. Denn glücklich, wer in der hl. Stadt Arbeit findet, wer das tägliche Brot lür sich und die Seinigen auf redliche Weise zu verdienen vermag. Wird „Bezalel" aber imstande sein, seine weitgehenden Pläne ins Werk zu setzen? Wird keine bittere Enttäuschung auf die süsse Hoffnung folgen, in welcher die armen Jerusalemer sich wiegen, die des Almosenbrotes, nicht genug zum Leben, zu viel aber, um zu sterben, längst ubersatt sind? Werden endlich weitere Kreise es einsehen, was Jerusalem nottut? Wird endlich die Stimme derer gehört werden, die von Anfang an laut verkündete, dass das Heil Jerusalems in nichts anderem als in der Arbeit liegt? Das wird die Zukunft lehren. Wie immer aber auch die Antwort ausfallen möge, soviel ist doch zumindest schon heute gewiss, dass die Urheber des „Bezalel" nicht ermüden werden, auf dem einmal betretenen Wege fortzuschreiten. Der Erfolg kann nicht und wird nicht ausbleiben! Türkische Zollreform. In unserer vorigen Nummer haben wir die Frage der türkischen Zollreform in ihrer Entstehung dargestellt. In der Londoner „Finanz-Chronik" lesen

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