Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Orientbanken [Nachricht]
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 125 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 125 — Aktienkapital grössten deutschen Bankmacht abermals auf dem Plan erscheinen, diesmal in Feindesland selbst, in Konstantinopel. Der Orientbank bleiben Hellas und ihre Filialen; die Deutsche Orientbank übernimmt die Türkei, Aegypten, Hamburg und 4ie Beziehungen zur Deutschen Levante-Linie. Mit einem Aktienkapital von 16 Millionen und der breiten Basis in Berlin sind die Vorbedingungen des Eroberungszuges jetzt immerhin günstiger. An Konkurrenz wird's im Orient nicht fehlen, trotzdem die Grossbanken (ausser der Dresdner Bank, die immer Appetit hat) sich nach , dieser interessanten Gegend nicht gerade sehnen und von vornherein das philhellenische Unternehmen der Nationalbank mit einiger Ironie betrachten, die sich ja als ziemlich berechtigt erwiesen hat. Aber was sollen sie machen? Die Vereinigten Staaten und Südamerika sind einstweilen saturiert; also auf nach Kreta und Umgegend. Die Levante, Griechenland und Kleinasien: da ist vielleicht noch etwas zu holen. An der Spitze marschiert auch hier die Deutsche Bank, die durch die Anatolische Eisenbahn und die Bagdadbahn wertvolle Beziehungen angeknüpft hat. Die Deutsche Palästina-Bank hat es zu nennenswerten Erfolgen noch nicht gebracht. Deutsches Kapital aber hat an der wirtschaftlichen Hebung des Orients ja wesentlich mitgewirkt: und der Handelsverkehr, der den Bezug von Getreide, Südfrüchten und Baumwolle und die Lieferung von Zucker und Industrieerzeugnissen umfasst-, lässt dem Kapital immerhin Hoffnungen. Mit der Banque Ottomane wäre, wie gesagt, fertig zu werden; die österreichischen Banken aber lassen sich den Orient, den sie für ihre Domäne halten, nicht so leicht rauben. Die Wiener Unionbank hat in diesen Tagen mit der Cassa di Sconto e di Rispazmio in Alexandrien und Kairo eine Vereinbarung getroffen, die eine ständige Bankverbindung mit Aegypten schaffen soll. Die Cassa di Sconto, eine Aktienbank mit einem Kapital von 5 Millionen Frcs., pflegt in erster Linie das kommerzielle Bankgeschäft, konkurriert darin also mit der Deutschen Orientbank. Das Aktienkapital der Cassa di Sconto soll nun sogar verdoppelt, werden: die Unionbank übernimmt von den neuen Aktien 3 Millionen, sichert sich also einen erheblichen Anteil an dem ägyptischen Geschäft, das durch den im Pharaonenland üblichen hohen Zinssatz mitteleuropäische Banken wohl zu reizen vermag. Nicht so gefährlich ist die Konkurrenz der Franzosen, denen, namentlich seit den missglückten Hafenbauten, der Orientale nicht so zuversichtlich vertraut wie den Deutschen. Was die franzosische Heraklea-Gesellschaft an Hafenbaukunst geleistet hat, vermochte weder der Zeit noch den Wellen zu trotzen. Die von den Franzosen angelegten Häfen erfreuen sich in der Levante überhaupt keiner sonderlichen Beliebtheit. Der Hafen von Saloniki wird von den Schiffen wegen seiner Enge und Kleinheit gemieden;. der von Konstantinopel hat bei aller landschaftlichen Schönheit nur Mängel; Chios leidet unter den allen türkischen Häfen gemeinsamen hohen Abgaben; in Haidar-Pascha verleiden Schikanen der Polizei und der Zollbehörden den Schiffen das Anlegen, und die Verwaltung der Anatolischen Eisenbahn besoldet deshalb inDerindsche, dem nächsten Landungsplatz, selbst diePolizei- und Zollbeamten und schützt sich dadurch vor Belästigung des Dampferverkehrs. Dass sie dieses Privileg für_ sich durchgesetzt hat, beweist, wie verschieden Deutsche und Franzosen im Orient heutzutage behandelt werden. Die Anatolische hat ihren Hafen und hat zugleich gezeigt, dass der Kampf für die Deutschen da unten nicht aussichtslos ist. Im Aufsichtsrat der neuen Deutschen Orientbank sitzt auch Herr Generaldirektor Kothe von der Deutschen Levante-Linie. Sein Name erinnert an Differenzen, die vor ungefähr drei Jahren in der Verwaltung dieser Gesellschaft ent-