Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Der Stand der türkischen Finanzen [Nachricht]
- Date
- 1906-04-01
- Page
- Seite 120 (sequence 1)
- Language
- German
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— 120 " — FINANZ- UND BANKFRAGEN IN DER TUERKEI, Der Stand der türkischen Finanzen. Die „Vossische Zeitung" vom 23. März d. J. bringt den nachfolgenden Bericht über die türkischen Finanzen, dessen Wiedergabe unsere Leser zweifellosinteressieren dürfte. Am 15. März eröffnete Präsident Berger das fünfundzwanzigste Operationsjahr (1906/07) des „Verwaltungsrats der öffentlichen Schuld** mit der üblichen eingehenden Darstellung der Finanzlage. Aus dem uns vorliegenden Bericht B e rg er s geben wir im nachstehenden die wichtigsten Daten wieder: Berger bemerkte einleitend, dass das verflossene Verwaltungsjahr (1905/06> der Dette Publique reich an Fortschritten und Erfolgen gewesen sei. Man blicke zurück auf eine allgemeine Erweiterung der Einnahmequellen, im besonderen auf die Schaffung des Stempelgesetzes, des weiteren auf die endgültige Durchführung, der Unifikation und schliesslich auf wichtige interne Verbesserungen des Verwaltungsdienstes. Die wesentlichste Einnahmequelle der Dette Publique ist bekanntlich das Salzmonopol. Infolge der Erhebung der Zuschlagssteuer von 1 Para pro kg stieg die Einnahme aus dem Salzmonopol in 1905/06 — bei pessimistischer Schätzung — auf rund 990 000 Ltq (Pfund türkisch),*) während im vorigen Verwaltungsjahre nur 950 000 Ltq zu verzeichnen waren. In den ersten 8 Monaters 1905/06, für die bereits eine definitive Ziffer vorliegt, betrugen die Einnahmen 43 342 Ltq mehr als in der gleichen Zeit 1904/05. Im neuen Jahre hofft man die Einnahmen aus dieser Quelle weiter steigern zu können, zumal dann, wenn eins der Mitglieder des Conseils, der italienische Delegierte Marquis Theodoli, seine auf einer Reise nach~ Indien, Birma und Australien gesammelten Erfahrungen bezüglich der Absatzverhältnisse des Salzes des Roten Meeres in die Praxis umgesetzt haben wird. Die Seidensteuer hat den Conseil im verflossenen Jahre gleichfalls lebhaft beschäftigt, mit dem Erfolge, dass unter Berücksichtigung der diesmal zuerst erhobenen Zuschlagssteuer die Einnahme in 1905/06 voraussichtlich 120 000 Ltq erreichen wird, gegen vorjährige 84 000 Ltq. Die Annahme eines Mehrs von 36 000 Ltq sei um so weniger übertrieben, als die ersten 8 Monate 1905/06 schon allein ein Plus von 31 909 Ltq zeigen. Die Fischereisteuer verspricht für 1905/06 ein Resultat von 63 000 Ltq.. das heisst von 15 000 Ltq mehr als im Vorjahre. Die schönsten Fortschritte aberweist im letzten Jahre die Stempel steuer auf. Seit zwei Jahren war diese Steuer der Gegenstand aufmerksamer Studien des „Verwaltungsrats**, die sich als ausserordentlich lohnend erwiesen - haben.. Mehrere Kommissionen des Conseil gemeinsam mit Regierungskommissionen haben zuerst ein neues Stempelgesetz ausgearbeitet, das der Genehmigung des Sultans unterbreitet wurde. Nach einigen Abänderungen wurde der Entwurf durch Dekret vom 5. Februar 1906 zum Gesetz. Das letztere wird im vollen Umfange in Kraft treten, sobald die üblichen Publikationen erfolgt sind, was am 1. April zu erwarten war. Inzwischen haben bereits die Einnahmen aus der Stempelsteuer einen ausserordentlichen Aufschwung genommen. Vor zwei Jahren, betrugen sie nur etwa 233 000 Ltq, in 1904/05 stiegen sie um 126 700 Ltq, undt •) 1 Ltq 23,25 Franks.