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Altneuland · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. Seite 99

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
Palästinafahrt eines Landwirts
Date
1906-04-01
Page
Seite 99 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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— 99 — Bevölkerung und wirtschaftliche Verhältnisse. Das palästinische Volk gehört in seinem Hauptteile dem arabischen Stamme an. Sein Aeusseres, seine Lebens- und Scharfens weise, sein Wesen sind echt orientalisch, mit allen Vorzügen und Nachteilen, die mit diesem Worte verknüpft zu werden pflegen. Im allgemeinen ist der Menschenschlag ein stattlicher, kräftiger und nicht unschöner; es sind ihm viele sympathische Züge eigen. In der malerischen Gewandung des Landes treten dem Reisenden oft Erscheinungen entgegen, auf denen er mit Interesse und oft auch mit Wohlgefallen sein Auge ruhen lässt. Aber das palästinische Volk ist im Durchschnitt unwissend und arm. Es lebt in sehr gedrückten, elenden Verhältnissen. Und es fehlt ihm an Kraft und Mut, sich aus dieser Lage herauszureissen. Es ist ohne Streben und Unternehmungsgeist. Daran ist aber nicht das Volk an sich schuld. Seine Apathie und Arbeitsunlust sind im wesentlichen eine Folge der trostlosen wirtschaftlichen und rechtlichen Verhältnisse im Lande, die nur zu sehr dazu angetan sind, jedes Vorwärtsstreben, jede Betätigung von Kraft und Fleiss zu unterdrücken. U. a. ist auch das türkische Steuerwesen eine wahre Bürde für das Volk und hemmt den Unternehmungsgeist, wobei aber weniger Sinn und Buchstaben der staatlichen Vorschriften die Schuld trißt, als die Art und Weise ihrer Handhabung durch die Beamten. Es sei hier nur an die Zehntensteuer erinnert, die durch die Art ihrer Einziehung zu einem Schrecken für den Bauern wird. Unter den übrigen Punkten, die dazu beitragen, den Schaffenstrieb zu lähmen, sind die mangelhaften Verkehrseinrichtungen zu nennen. Der Zustand der Häfen ist teils ein ungenügender, teils ein kläglicher. Es fehlt, von wenigen Gegenden abgesehen, an brauchbaren Strassen und an Eisenbahnen, wenn auch zugegeben werden muss, dass sich eine Wendung zum Besseren zu vollziehen scheint. So ist mit der Errichtung von Eisenbahnen durch Schaffung der Linien Jaffa— Jerusalem, Haifa—Der'ät, Damaskus—Ma'än usw. immerhin ein Anfang mit der Verkehrserschliessung des Landes gemacht. Dann entbehrt das Land jeder zeitgemässen, seinen Bedürfnissen entsprechenden staatlichen Beordnung des Ent- und Bewässerungs^ wesens. Es fehlt weiter an genügend wirksamen öffentlichen Massnahmen zur Bekämpfung von Krankheiten und Seuchen bei Menschen und Tieren, zur Abwendung von Insektenschäden und

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