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Altneuland · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Amerikanische Handelsbestrebungen in Kleinasien [Nachricht]
Date
1906-03-01
Page
Seite 94 (sequence 3)
Language
German
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— 94 — Hochschule schiiesst sich eine Reihe kleinerer Schulen in Syrien und besonders Kleinasien. Was ist der Zweck dieser amerikanischen Institutionen im Orient? 1. Aus den besten Elementen der Orientalen Pioniere für das moderne Leben, für Handel, Ackerbau und Industrie zu erziehen, denn der Handelsverkehr mit der Levante hat eine Zukunft. 2. Jene Pioniere halbwegs zu Amerikanern zi machen, um sie dauernd an amerikanische Interessen zu fesseln. Zu diesem Zwecke wird der Unterricht im College genau so erteilt wie in Boston oder New York. Nach amerikanischer Textbuchmethode unterrichten amerikanische Lehrer in englischer Sprache, und englisch hört man die jungen Syrier, Aegypter, Türken miteinander sprechen. Um diese volle und zwanglose Beherrschung der englischen Sprache zu erreichen, ist mit dem College eine Vorschule verbunden, die sich von den gewöhnlichen Missionsschulen durch ihre alumnatähnliche Geschlossenheit und durch ihre nach orientalischen Begriffen hohen Preise auszeichnet. Fünf Pfund Sterling oder 100 Mark sind jährlich an Schulgeld und 240 oder 500 Mark an Pension zu entrichten, je nachdem der Schüler einfache landesübliche Kost oder bessere Beköstigung nach englischer Art verlangt. „Protestant College" heisst die Hochschule der Amerikaner, jedoch wird grundsätzlich jede Propaganda für Christentum und Protestantismus vermieden, ja der Uebertritt vom Islam zum Christentum wird nicht einmal freudig begrüsst. Wenn ein Schüler mehrere Jahre in der Anstalt gewesen, ist er in seinem Innern, in seinen Anschauungen Christ geworden, wenn er auch äusserlich Mohammedaner bleibt. Hier spielt hauptsächlich die Rücksicht auf jene vornehmen und angesehenen mohammedanischen Familien mit, die es nicht wünschen, dass ihre Söhne zum Christentum übertreten. Aus diesem Institute sind schon über 300 Aerzte und Pharmazeuten hervorgegangen, und viele davon sind in angesehenen Stellungen als Distrikts- oder Munizipalärzte, andere bei den amerikanischen Konsulaten, Missionshospitälern und anderen Privatunternehmungen. Eine New Yorker Lebensversicherungsgesellschaft machte den Versuch, ihre Geschäfte auf den Orient auszudehnen. Um dies durchzuführen, brauchte sie vor allem einen unbedingt zuverlässigen Arzt, der die Verhältnisse im Orient kennt. Iskander Kalil Zeni, ein Zögling des Beirüter Colleges, leistet heute der amerikanischen Gesellschaft diesen Dienst und ermöglicht ihr dadurch, das riskante, aber rentable Geschäft dort zu betreiben. Vor vier Jahren wurde das Syrian Protestant College durch eine Abteilung für den Handel, School of Commerce, ergänzt. In dieser Handels-Hochschule wird die Notwendigkeit und Fruchtbarkeit der amerikanisch-orientalischen Beziehungen ganz systematisch gezeigt. Hier erfährt der Schüler, wie weit zurück der Ackerbau in Syrien und Kleinasien ist, und wie notwendig es ist, moderne Methoden einzubürgern, durch bessere Bearbeitung die Kultur zu heben. Hier werden ihm die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte erklärt, die seit einigen Jahren aus Amerika nach Syrien gebracht werden. Er erfährt, welche Rohprodukte Amerika aus dem Orient bezieht, und welcher Kulturzweig am lohnendsten ist. Hier wird ihm gelehrt, dass Palästina und Syrien reiche Provinzen sein könnten, aber der syrische Bauer streift nur lose mit dem hölzernen Pflug über die Ackerkrume; kaum eine Scholle wird gewendet, und die spärliche Ernte wird durch das barbarische Dreschen noch zur Hälfte vernichtet. Landwirtschaftliche

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