Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Amerikanische Handelsbestrebungen in Kleinasien [Nachricht]
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 93 (sequence 2)
- Language
- German
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— 93 — oberung des orientalischen Marktes unternimmt. Amerikas politischer Einfluss im Orient ist im Wachsen, seine Erfolge auf dem Gebiete des Handels in Gegenden, wo bisher Oesterreich, England, Deutschland und Frankreich dominierten, werden von Jahr zu Jahr grosser; und überall kommt Kunde von dem Vordringen der Amerikaner. Auf der Hochebene, die sich vom Libanon bis zum Antilibanon erstreckt, werden die Maulbeer- und Feigenplantagen durch amerikanische Pumpwerke bewässert. Moderne Dreschmaschinen amerikanischen Erzeugnisses finden sich bereits dort in Tätigkeit. Die Lokomotiven in Palästina kommen aus den Bald will Works in Philadelphia. Die festen, gutfedernden Wagen, die den Reisenden von Jaffa nach Nazareth befördern, sind amerikanisches Produkt. In Smyrna werden alljährlich Tausende amerikanischer Nähmaschinen ausgeladen, und die landwirtschaftlichen Geräte in Kleinasien und auf den Inseln stammen fast ausschliesslich aus Amerika. Die offiziellen Exportziffern geben kein klares Bild des amerikanischen Exports nach'dem Orient, weil der grösste Teil der amerikanischen Waren als englisches Gut nach der Türkei kommt, da es an einer direkten Dampferverbindung New York—Levante noch fehlt. Schon im Vorjahre sollte eine direkte Dampferverbindung durch die „Russian Volun eer Fleet" zwischen Odessa—Levante und New York ins Leben treten, allein der russisch-japanische Krieg vereitelte dies Unternehmen. Noch vor 10 Jahren war von einem amerikanischen Export nach dem Orient keine Rede; erst in der Mitte der neunziger Jahre erscheint der amerikanische Handelsagent auf der Bildfläche, und schon 1901 berichtet der englische Konsul aus Kairo die bemerkenswerte Tatsache, dass drei Viertel alles rollenden Eisenbahnmaterials aus Amerika importiert wurden. In den letzten zehn Jahren ist die amerikanische Ausfuhr nach der Türkei fast um das Zehnfache gestiegen, und zugleich emanzipierten sich die amerikanischen Importeure von dem englischen und französischen Zwischenhandel beim Bezug von orientalischen Waren; Marseille und London dominieren nicht mehr, Amerika bezieht die Waren nunmehr aus Beirut, Jaffa, Smyrna oder Aleppo direkt. Ein Stab~einheimischer Agenten ist für Amerika tätig, und wir werden im weiteren sehen, wie diese Tätigkeit mit der amerikanischen Mission zusammenhängt. Diese Erfolge sind insbesondere darum so bemerkenswert, weil fast alle europäischen Grossmächte schon seit langen Jahren Missionen und Handelsagenturen im Orient unterhalten, und weil es nicht leicht war, dort festen Fuss zu fassen, wo Frankreich, England, Deutschland und Oesterreich alte angestammte Interessen hatten. An der Küste Syriens, ganz nahe der Handelsstadt Beirut, weht vom Turme_ eines Schlosses das amerikanische Sternenbanner. Das ist die amerikanische Universität des Orients „The Syrian Protestant College". Syrier, Aegypter, Sudanesen, Kleinasiaten und auch die Söhne der europäischen Türkei, über 700 Schüler jährlich, kommen nach Beirut, um dort zu studieren. Nicht weniger als 13 verschiedene Religionen und Sekten sind im College vertreten. Da finden wir unter den 700 Schülern Griechisch-Orthodoxe, Protestanten, Mohammedaner, Juden, Drusen, Maroniten, Griechisch-Katholisch**, Römisch-Katholische, Kopten, orthodoxe Gregorianer etc. In englischer Sprache, nach amerikanischer Methode, mit modernen Hilfsmitteln wird Medizin, Pharmazie, Nationalökonomie, Philologie, Physik und Chemie gelehrt; und viele Hundert Aerzte, Apotheker, Kaufleute, Lehrer, Journalisten, Geistliche, Chemiker und Ingenieure sind bereits aus diesem amerikanischen College hervorgegangen und wirken überall im Orient als Pioniere des amerikanischen Handels. An diese