Altneuland
- Journal
- Altneuland
- Volume
- 3 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Deutsch-protestantische Arbeit in Palästina [Nachricht]
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 88 (sequence 2)
- Language
- German
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— 88 — Die Palästinafahrt des Kaisers im Jahre 1898 hat nicht unwesentlich zur Stärkung, vielleicht auch zur Gesundung dieser Niederlassungen beigetragen. Ueberhaupt datiert von dieser Fahrt eine neue Epoche für die deutsch-evangelische Arbeit im heiligen Lande. Die deutschen Protestanten in Jerusalem —- die Gesamtzahl der dortigen Protestanten beträgt etwa 1400, neben 4000 römischen und 6000 griechischen Katholiken — haben seitdem in der stattlichen Erlöserkirche auf dem Muristan einen wichtigen Mittelpunkt, wie ihn die deutschen Katholiken sich auf dem ihnen vom Kaiser geschenkten Grundstück derDormitio später schaffen werden. Eine mehr theoretische Beziehung zwischen dem deutschen Protestantismus und dem heiligen Lande, die wissenschaftliche Palästinaforschung, ist seit diesem Zeitpunkte ebenfalls in ein neues Stadium eingetreten. Im Jahre 1877 wurde der Deutsche Verein zur Erforschung Palästinas mit dem Sitz in Leipzig gegründet. Dieser Verein hat nicht nur durch eine Quartalsschrift für seine Zwecke gewirkt, sondern gelegentlich auch einmal wissenschaftliche Untersuchungen an Ort und Stelle ermöglicht und geleitet. Neben den Palästinaverein trat jetzt ein deutschevangelisches Institut für Altertumswissenschaft des heiligen Landes zu Jerusalem. Diese wichtige Stiftung ist zum Gedächtnisse des 31. Oktober 1898, des Einweihungstages der Erlöserkirche, von den vereinigten deutschen Kirchenregierungen ins Leben gerufen worden. Der Vorstand dieses Instituts besteht aus drei von der Eisenacher Kirchenkonferenz delegierten Mitgliedern, aus einem Abgeordneten des Kuratoriums der Jerusalemstiftung, wozu noch ein evangelischer Delegierter des Vorstandes des Palästinavereins hinzutritt. Das Protektorat der Stiftung hat der Kaiser selbst übernommen. Im Jahre 1902 konstituierte sich der Vorstand unter dem Vorsitz des Präsidenten des Preussischen Oberkirchenrats. Wenige Wochen nach der Konstituierung wurde Professor D. Dalmann in Leipzig zum Vorsteher der Anstalt ernannt. Im Herbste desselben Jahres konnte dieser Gelehrte bereits nach Palästina reisen. Er hatte sich zunächst mit der Einrichtung eines Hauses für die Zwecke des Instituts zu beschäftigen und widmete sich dann der Begründung einer Bibliothek und der Anlage eines Museums. Im Winter von 1903 auf 1904 konnten dann die ersten Vorlesungen gehalten werden.1) In diesen Wochen ist nun das „Palästinajahrbuch" des Instituts (in der Königlichen Hofbuchhandlung von Mittler & Sohn in Berlin) zum ersten Male erschienen. Es enthält den Bericht über die bisherige Arbeit der kleinen deutschevangelischen Akademie in Jerusalem. Man ersieht daraus, dass hier eine glückliche organisatorische Hand in kurzer Frist einen höchst wichtigen Stützpunkt für einen wertvollen Zug deutsch-evangelischer Forschung errichtet hat..... Schon jetzt kann die Bibliothek der Stiftung als eine in Palästina unschätzbare Sammlung von Studienmaterial gelten. Das Museum hat in seinen archäologischen, ethnologischen und naturwissenschaftlichen AbteiluDgen bereits einen reichen Bestand. Das Institut veranstaltet neben öffentlichen Vorträgen Vorlesungen, es leitet besonders die Stipendiaten, die sich Ende Januar zu einem dreimonatigen Aufenthalt in Jerusalem einfinden, zu archäologischen Arbeiten an und unternimmt in jedem Jahre eine grössere Instruktions- und Forschungsreise. Die Stipendien und Reisekosten der nach Jerusalem entsandten Theologen werden von denjenigen Kirchenregierungen getragen, auf deren Vorschlag die Berufung in das Institut erfolgt. Die Zahl dieser jungen Theologen, die das Glück haben, " auf *) An einigen dieser Vorlesungen nahmen auch die gebildeteren Juden von Jerusalem teil.