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Altneuland · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. Seite 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Deutsch-protestantische Arbeit in Palästina [Nachricht]
Date
1906-03-01
Page
Seite 87 (sequence 1)
Language
German
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— 87 — Deutsch-protestantische Arbeit in Palästina. In seiner Nummer vom 11. Februar d. Js. bringt der „Tag" einen Artikel, der in Kürze die Geschichte des „Tempels" und seiner Bestrebungen wiedergibt und im Anschluss daran die kirchlich evangelischen und wissenschaftlichen Errungenschaften der letzten Jahre aufzählt. Der Artikel lautet: „Palästina ist das Land der Sehnsucht nicht nur für die frommen Israeliten. Auch in der evangelischen Kirche Deutschlands gibt es Bewegungen, die dem nahe verwandt sind, was man heute Zionismus nennt. Vor etwa 50 Jahren bildete sich in den Kreisen des schwäbischen Pietismus ein Verein von Jerusalemsfreunden, die zur Missionierung des heiligen Landes daselbst Ansiedlungen ins Leben rufen wollten. Im Jahre 1861 führten die schwärmerischen Ideen dieser Gemeinschaft und ihr schroffes kirchenpolitisches Vorgehen zu einem Bruch mit der Landeskirche. Infolgedessen schlössen sie sich in einer strafferen Organisation zur Gründung des „Deutschen Tempels" zusammen. Diese mehr eifrige als klare Gemeinschaft empfahl sich den Zeitgenossen als eine Retterin aus allen Nöten, sie wollte neben anderen Dingen der bestehenden Zerrüttung in den Familien steuern, die Menschen zu richtiger Verwendung von Hab und Gut anleiten, die Aufmerksamkeit der deutschen Nation auf die Besetzung Palästinas hinlenken. Als praktische Politiker betätigten sie sich, indem sie in Württemberg die Trennung zwischen Staat und Kirche betrieben; für die Förderung ihrer religiösen Propaganda gründeten sie eine Propheten schule für Jünglinge von 16 bis 24 Jahren. Im Jahre 1868 war die Bewegung so weit herangereift, dass die Führer daran denken konnten, mit beträchtlichen Geldmitteln versehen, ihr erstes Pionierkorps nach Palästina auszusenden. Es wurden zunächst in Haifa und Jaffa Stationen eingerichtet. In kurzen Zwischenräumen langten nun von Württemberg aus Auswandererzüge mässigen Umfangs im heiligen Lande an, sie bestanden meist aus Handwerkern und Weingärtnern. Bald wurden nur noch bemitteltere Anhänger des „Tempels" zur Auswanderung zugelassen. Im August 1871 wurde in der Nähe Jaffas ein Bezirk von 160 Morgen Land angekauft; dieser Kauf bedeutete den Anfang der Kolonie Sarona. Ein paar Jahre später wurde eine Templerkolonie bei Jerusalem gegründet. Diese Siedlungen, in denen übrigens seit 1880 auch Mitglieder anderer Konfessionen sich niederlassen können, erfreuten sich eines schönen Wachstums, auch öffentlicher Anerkennung. Im Jahre 1879 erhielten ihre Schulen eine jährliche namhafte Unterstützung vom Deutschen Reich. Drei Jahre später stattete ihnen Prinz Heinrich von Preussen einen Besuch ab. Im Dezember 1885 starb Christoph Ho ff mann, das tatkräftige Oberhaupt der Templer. Damals betrug die Zahl der Templer in Haifa, Sarona und Jerusalem zusammen etwas über 900. Seit dieser Zeit sind viele Mitglieder der Kolonien unter Preisgabe ihrer apokalyptischen Ideen zur evangelischen Landeskirche zurückgekehrt. Heute liegt die Bedeutung des „Tempels" in Palästina nicht sowohl aui religiösem als auf kolonisatorischem Gebiet — so schreibt ein württembergischer .Beurteiler der Bewegung. Im heiligen Lande haben diese Ansiedler mit der Ausdauer und Tatkraft ihres Stammes Niederlassungen gegründet, die der einheimischen Bevölkerung durch direkte und indirekte Beeinflussung auf sittlichreligiösem Gebiet sicherlich zum Segen gereichen werden. Man hat Sendboten für eine wunderliche Sektenfrömmigkeit hinausgeschickt — es sind Pioniere deutscher Kultuiarbeit daraus geworden.

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