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Altneuland · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. Seite 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Aus D. Sandmann: Obstbau und Obstverwertung in Nordamerika
Date
1906-02-01
Page
Seite 62 (sequence 3)
Language
German
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- 62 — und Anforderungen des Marktes dauernd und .schnell informiert. Wo es notwendig ist, die geernteten Früchte gleich am Produktionsort einer weiteren Verarbeitung zu unterwerfen, sind oft Anlagen mit besten maschinellen Ausstattungen hierfür vorhanden. Grosse Farmen besitzen solche Einrichtungen allein, kleinere in Gemeinschaft mit anderen Farmen. So findet man oft Genossenschaften im Besitz grosser, vorzüglich eingerichteter-Obsttrockenanlagen und Packhäuser. Den Wert eingetragener Handelsmarken hat der Farmer ganz erkannt und er sendet fast keine Frucht aus, die nicht seine eigene oder die Handelsmarke der Genossenschaft trägt, an der er beteiligt ist. Viele dieser Marken haben bestimmte Märkte erobert und der unter dieser Bezeichnung verkauften Frucht dauernden Absatz verschafft. Aus den angeführten Gründen ist der amerikanische Obstfarmer meist in pekuniär guten Verhältnissen. Von einem Falle in San Jose, Cal. abgesehen, wo sich mir gegenüber die Besitzerin einer Pflaumenplantage über zu niedrige Preise beklagte, haben sich sowohl im Osten wie im Westen die von mir befragten Farmer über den Ertrag ihrer Obstplantagen günstig ausgesprochen. Besonders ist mir die Antwort des Präsidenten der Obstfarmervereinigung des Staates Oregon Mr. E. L. Smith, Hood River, in Erinnerung, der auf meine diesbezügliche Frage antwortete: Unser Obstbau ist so einträglich, dass es bei uns weder Obstfarmer in schlechten pekuniären Verhältnissen, noch überhaupt arme Leute gibt." 2. Obstverwertung durch Genossenschaften. „Der bestmögliche Verkauf der Produkte ist natürlich einer der wichtigsten Faktoren für die Rentabilität der Obstplantagen. In wenigen Fällen aber ist es möglich, dass der Farmer mit seinen Produkten direkt an das verzehrende Publikum tritt und auf diese Weise die höchsten Preise erhält. Ein solcher Fall ist nur da möglich, wo viele Konsumenten, also eine Grossstadt in der Nähe ist. Um nicht dem Obstaufkäufer, der das Obst in kleinen Quantitäten kauft und es dem Grosshandel oder dem Fabrikanten liefert, einen Teil des Gewinnes abzugeben, ist es nötig, dass der Farmer entweder selbst grosse Quantitäten besitzt, oder dass für den Verkauf solche Quantitäten mittels genossenschaftlichen Zusammenschlusses zusammengebracht werden. Hierfür sind in Amerika anerkennenswerte Organisationen zu finden. Zu diesen gehört z. B. die Southern and California Trust Exchange in Los Angeles, deren Vertriebsartikel Orangen und Zitronen sind. Die Vereinigung umfasst einen Bezirk von 60 Meilen Länge und 40 Meilen Breite und beschäftigt sich ausser mit dem Verkauf auch mit dem Pflücken und Verpacken der Früchte. Farmer, im engeren Umkreise einer Bahnstation gelegen, haben sich vereinigt, damit jeder von ihnen seine Früchte ohne grosse Kosten an die Station bringen kann. An der Bahnstation ist ein gemeinschaftliches Packhaus gebaut, und einer der Farmer wird jedes Jahr gewählt, das Packen usw. zu beaufsichtigen. Jede Farmervereinigung hat eingeübte Arbeiter, die nacheinander von einer Farm zur anderen gehen und die Früchte pflücken, und auch solche, die das Sortieren und Packen im gemeinschaftlichen Pack hause besorgen. Jede Vereinigung hat ihre eigene Handelsmarke, unter welche ihre Frucht neben der Handelsmarke der Zentralstelle an den Markt kommt und kenntlich ist. 62 solcher Farmervereinigungen haben' sich zusammengetan und eine zentrale Verwaltungsstelle unter oben genannter Firma begründet. Je 3 bis 6 dieser Vereinigungen haben ein Distriktskontor, dem ein aus dem Kreise der Farmer gewählter Direktor vorsteht. Solcher Distriktskontore sind 16 vorhanden, und jeder Direktor desselben ist zugleich Mitdirektor des Zentralbureaus in Los Angeles.

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