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Altneuland · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. Seite 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Altneuland
Volume
3 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Aus D. Sandmann: Obstbau und Obstverwertung in Nordamerika
Date
1906-02-01
Page
Seite 61 (sequence 2)
Language
German
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— 61 — schaft oder dem Obstbau beschäftigt. Hier wollen sie nach dem Hasten und Jagen im Erwerbsgetriebe der Grossstadt eine verhältnismässig weniger nervenaufregende und doch ertragreiche Tätigkeit ausüben. Vergrösserte Unternehmungslust bringt es mit sich, dass auch verhältnismässig mehr Fehlschläge eintreten, und der Misserfolg in einem Erwerbszweig drängt zu neuen Versuchen in einem anderen. Auf diese Momente ist es wohl zum grossen Teil zurückzuführen, dass Gartenbau wie Landwirtschaft von einer Bevölkerung, die den verschiedensten Berufsarten entstammt, betrieben wird. Die Einwirkung dieser so verschieden vorgebildeten Elemente auf die Entwickelung ist nicht ausgeblieben. Dieses Eindringen von Leuten, die gewohnt sind, nach kaufmännischen Prinzipien zu arbeiten, hat es veranlasst, dass der Gartenbau wie ein Geschäft betrieben und der Obstgarten wie eine Fabrik, in der der Baum die Maschine darstellt, angesehen und bearbeitet wird. Mit allen denkbaren Mitteln und grosster Aufmerksamkeit pflegt der amerikanische Farmer seinen Obstgarten, um die Erträge desselben zu erhöhen. Keine Arbeit ist zu viel, keine Ausgabe wird gescheut, wenn sie sich nur wieder gut bezahlt macht. Die Vereinigung kaufmännisch industrieller und landwirtschaftlicher Vorbildung erscheint mir als ein nicht zu unterschätzender Faktor und die Grundlage der bedeutenden Entwickelung des amerikanischen Obstbaues. Mehr wie irgend wo anders nimmt sich der amerikanische Farmer zugleich der Weiterverarbeitung und des Vertriebes seiner Produkte an, und er versteht es, sich alle Vorteile, die Technik und kaufmännisches Wissen erreichten, in ausgiebigster Weise zunutze zu machen. Schon bei der Anpflanzung von Obstgärten sucht er, soweit möglich, gleichartige Qualitäten anzubauen, um genügend Früchte einer Sorte zu erhalten, die er dann direkt an den Grosso-Markt senden kann. Die Bedürfnisse des Marktes in bezug auf Qualität und Packung erkennend, trägt er denselben weitgehendst Rechnung. Wo der einzelne nicht kräftig genug ist, die Vorteile, die die Verbindung mit dem Hauptmarkt bringt, auszunutzen, findet durch gut organisierten genossenschaftlichen Zusammenschluss der Verkauf der Produkte mehrerer Farmer gemeinschaftlich, dorthin statt. Der amerikanische Farmer hat erkannt, dass das produzierte Obst sorgsam vor Beschädigung und Verderben behütet werden muss, wenn er den vollen Wert dafür lösen will; während z. B. unser deutscher Obstzüchter mit wenig Vorsicht die Früchte von dem Baume schüttelt, sie schon hierbei oft beschädigt und den Keim zum Verderben legt, läfst der amerikanische Farmer die Frucht pflücken, so dass sie keine Stossflecke erhält. Er weiss, dass der hierfür mehr ausgegebene, selbst hohe Arbeitslohn sich reichlich lohnt. Der deutsche Obstbauer sendet das geschüttelte Obst, in grossen Körben, Säcken oder gar lose in Waggons, kleines und grosses, gut erhaltenes und beschädigtes Obst unsortiert an den Markt. Der amerikanische Farmer dagegen sortiert sein Obst schon während oder sofort nach dem Pflücken und verpackt die einzelnen Sorten so, dass sie möglichst weit zum Konsumenten oder gar bis in dessen Hände gelangen, ohne noch einmal umgepackt werden zu müssen. Auf diese Weise wird der Verlust durch Beschädigung und Verderben der Früchte usw. bedeutend verringert. Der amerikanische Farmer achtet auch darauf, die Obstbäume so niedrig zu halten, dass die Pflückarbeit mit möglichst geringen Kosten ausgeführt werden kann. Vielfach findet man auf der amerikanischen Obstfarm ein mit Telephon versehenes, kaufmännisch geleitetes Bureau, und der Farmer hat auf jedem für ihn in Frage kommenden Markt einen Kommissionär, der ihn während der Erntezeit sowohl über Preise wie über die sonstigen Bedürfnisse

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